Einen Vorteil hat es, als Frau den Festkommers zu besuchen: endlich mal keine Warteschlange bei den Damentoiletten. Nein, keine Angst, dieser Text wird kein Plädoyer, Frauen endlich dauerhaft am Tisch willkommen zu heißen, und nicht nur dann, wenn sie die nächste Maß bringen. Denn ganz ehrlich, die Zahl der Frauen, die das gerne möchten, schrumpft sicher mit jedem Jahr. Und warum? Vermutlich wegen der hartnäckigen Kurzsichtigkeit der Verantwortungsträger.
Wie das Greenwashing von Nestlé
„In Vielfalt vereint“ dieses Thema hat sich die präsidierende Landsmannschaft dieses Jahr gegeben. Der Slogan wirkt wie das Greenwashing von Nestlé.
„Wir sind ein gutes Beispiel für Vielfalt und Integrationskraft. […] Die Geburtsorte meiner Bundesbrüder sind auf vier Kontinenten zu finden“, sagt Leroy Ehlers, Sprecher der Präsidierenden Turnerschaft Berlin, in seiner Rede zum Festkommers. Seine Worte hallen in einen Raum mit hunderten Menschen, in dem gerade mal eine handvoll Frauen anwesend ist, weil sie bis heute ausgeschlossen werden. Und wie alte Aufnahmen zeigen: In 20 Jahren hat sich wirklich nicht viel verändert – abgesehen von der Qualität der Fotos.
Was ist Integration?
Doch die Präsidierenden möchten mit dem Motto auch an die Gesellschaft appellieren, progressiv zu sein: „Wo immer es geht, sollten Menschen mitgenommen, nicht missachtet, sondern wenn möglich integriert werden“, betont Leroy Ehlers. Wenn möglich? Wenn es gerade passt? Wenn sich für einen selbst dadurch nichts verändert? Wenn es keine Einschränkung von Privilegien bedeutet?
„Es muss verstanden werden, dass Integration nicht bedeutet, dass alle exakt so werden wie wir“, erläutert er. Soweit korrekt, doch dann folgt der Satz: „Denn das wäre gänzlich unrealistisch. Es würde uns auch der Vorteile der Vielfalt berauben!“ Es wäre nicht nur unrealistisch, sondern auch per Definition falsch. Denn das wäre keine Integration, sondern Assimilation – ein Anpassen an die dominierende Gesellschaft, während die eigenen kulturellen und sozialen Merkmale aufgegeben werden. Klingt nicht nach Vielfalt, sondern eher nach Gleichschaltung.
Der CC sei „nicht das Spiegelbild der Gesellschaft“, sagt Ehlers – korrekt, immerhin schließen sie schon mal kategorisch die Hälfte der Bevölkerung aus. Aber man sei in der Lage, die Entwicklungen in der Gesellschaft zu verstehen und auf sie Einfluss zu nehmen. Okay … und jetzt kommen wir von unserem hohen Ross mal wieder runter. Wie kann man so viel Einfluss für sich beanspruchen und dann doch so aus der Zeit gefallen sein? Und dazu zählt nicht nur, der Schmiss im Gesicht. Körperverletzung glorifizieren? Entschuldigung, wir haben 2025. Der CC ist für Kritik und Veränderung so offen wie Fort Knox.
Hier ein Vorschlag: Wie wäre es im nächsten Jahr lieber mal mit einer größeren Portion Selbstreflexion statt Selbstbeweihräucherung?

















