Haushaltsdebatten werden als die „Sternstunden eines Parlaments“ bezeichnet. Ein Stadtrat wie auch der Coburger ist zwar kein Parlament, Haushaltsdebatten gibt’s aber trotzdem, und die am Donnerstag war eine ganz besondere.
Am Ende der insgesamt sechs Redebeiträge bedankte sich Sitzungsleiter Hans-Herbert Hartan (CSU) für die „sehr sachliche und sehr tiefgründige“ Diskussion. Diese Worte waren weise gewählt. Denn sachlich ging es tatsächlich zu. Außerdem erstaunlich zügig. Die ersten fünf Reden dauerten zusammen kaum 20 Minuten.
Aber dann setzte Gerhard Amend (CSB) an.
Gerhard Amend sprach sehr viele Dinge an, die ihm am Herzen liegen. Er sprach etwa über gleiche Bildungschancen für alle, und er erzählte, wie er einst Richter wurde. Er dankte dem Team vom Sozialamt, er lobte das Landestheater und er verteidigte die Kosten fürs Globe. Er zitierte auch den einen oder anderen Philosophen und Politiker.
Hartan gratuliert
Als Amend fertig war, gratulierte ihm Hartan: „Das war Rekord für eine Haushaltsrede: 26 Minuten und 43 Sekunden!“ Wohlgemerkt: Amend hatte länger geredet als alle anderen zusammen. Doch Hartans „Gratulation“ wollte er nicht kommentarlos hinnehmen. Amend fragte: „Gestattest Du mir eine Bemerkung?“ Da war an mancher Stelle im Saal ein flehentliches „Nein!“ zu hören.
Eine kleine Zugabe gab es trotzdem noch: Amend verwies darauf, dass er schon seit 33 Jahren dem Stadtrat angehöre. Haushaltsreden habe er aber nur sehr wenige gehalten. Er hatte also einiges nachzuholen.
Hartan fügte noch an, dass seine Bemerkung ja nur „ein kleiner Spaß“ gewesen sei. Wir sagen: Das war eine Sternstunde – oder zumindest knapp eine halbe.
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