„In der Krise beweist sich der Charakter.“ Dieses Zitat wird Altkanzler Helmut Schmidt zugeschrieben, der seine größte Krise 1962 als Innensenator von Hamburg zu bewältigen hatte. Die Stadt wurde damals von einer heftigen Sturmflut heimgesucht.
Nein, das Aus für den Kaufhof in Coburg ist nicht mit einer Sturmflut zu vergleichen, bei der mehr als 300 Menschen starben. Aber von einer Krise darf und muss man sehr wohl sprechen. Bei der Suche nach passenden Krisenmanagern geht der Blick unweigerlich in Richtung Rathaus. Aber nicht nur zum OB, sondern auch zum dort tagenden Stadtrat.
Vor ziemlich genau drei Jahren wurde der Stadtrat neu gewählt. Er ist seitdem bunter als je zuvor: Die 40 Sitze verteilen sich auf nicht weniger als zehn Parteien und Gruppierungen (zur Erinnerung: gewählt wurden Kandidaten von CSU, SPD, Grünen, Pro Coburg, CSB, Junge Coburger, FDP, AfD, Linke und Coburger Liste). Wer da noch wahrgenommen werden möchte, stellt Anträge. Egal, ob sie sinnvoll sind und wie viel unnötige Arbeit sie der Verwaltung bescheren. So gab es seit 2020 so manche Diskussion, die ein Stadtrat zwar führen darf, aber nicht unbedingt führen muss: Benötigt es einen kleinen Zaun rund um die Hundewiese im Hofgarten? Dürfen Frauen im Aquaria „oben ohne“ sein? Können Radfahrer mit einer Vignette zur Kasse gebeten werden?
Drei Jahre lang hatte der Stadtrat Zeit, sich mit derlei auszutoben. Doch nun, in der Krise, wird es zum Charaktertest kommen. Es gilt, sich zusammenzureißen und auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren. Dass dies gelingt, ist dem Stadtrat zu wünschen – und der Stadt noch viel mehr.
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