Kleine Zettel können manchmal eine große Symbolkraft haben. Die Hinweise, wonach der Kaufhof wegen einer Betriebsversammlung „heute“ geschlossen bleibt, klebten auch am Dienstagmorgen noch an den Eingangstüren.
Verständlich: Nachdem am Montag das Aus für den Coburger Standort verkündet worden war, hatten die rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter plötzlich zig andere Dinge im Kopf: Wie geht’s jetzt weiter? Werde ich einen neuen Arbeitsplatz finden? Was bedeutet das für meine Familie, die ich zu ernähren habe? Kurzum: Es ging um Existenzfragen – und die kleinen Zettel blieben hängen.
Um so beeindruckender, dass am Dienstag – zumindest auf den ersten Blick – „business as usual“ herrschte. Pünktlich um 9.30 Uhr wurden die Türen geöffnet, und es strömten auch gleich etliche Kunden hinein.
Was auffiel: Überall standen kleine Grüppchen beisammen. Mal waren es zwei, mal auch drei oder vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich austauschten. Mit ernster Miene und leiser Stimme.
Was allerdings auch auffiel: Sobald ein Kunde auftauchte und zu erkennen gab, dass eine Beratung erwünscht ist, wurden die Gespräche beendet. Im ersten Obergeschoss suchte eine Frau nach einem Hemd. Als sie es mit Hilfe einer tapferen Kaufhof-Mitarbeiterin gefunden hatte, folgte noch ein kurzer Wortwechsel: „Vielen Dank – und Ihnen alles Gute!“ Die Mitarbeiterin nickte und schien sich zu freuen. Auch wenn das an den quälenden Existenzfragen erst einmal nichts änderte.
Wie zu hören ist, machen sich vor allem die Jüngeren in der Kaufhof-Belegschaft durchaus Hoffnung, dass sie vielleicht in Bamberg einen neuen Job finden. Dort bleibt ja der Galeria-Standort erhalten. Aber die Älteren? Ein Mann sagte es ganz ehrlich: „Also selbst, wenn sie uns das anbieten: Ich habe eigentlich keine Lust, jeden Tag nach Bamberg zu fahren.“
Was eine mögliche Zukunft in Coburg betrifft, richtet so mancher aus der Kaufhof-Familie den Blick in Richtung Spitalgasse. Dort wird in wenigen Wochen, am 13. April, das Warenhaus TK Maxx eröffnen. Derzeit werden noch „Einzelhandelsmitarbeiter“ und ein „Teamleiter*in“ gesucht. „Die brauchen aber vor allem Personal, das Regale einräumt“, sagte ein Branchenkenner dem Coburger Tageblatt. Qualifiziertes Fachpersonal, das auch für eine gute Beratung steht, werde – anders als im Kaufhof – eher nicht benötigt.
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