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Diskussion in Coburg
Kaufhof-Aus: Soll die Stadt den Klotz kaufen?
In Coburg droht ein markanter Leerstand. Deshalb gibt es jetzt den Vorschlag, dass die Stadt die Kaufhof-Immobilie erwerben soll.
In Coburg droht ein markanter Leerstand. Deshalb gibt es jetzt den Vorschlag, dass die Stadt die Kaufhof-Immobilie erwerben soll. // Simone Bastian / Montage: Klaus Heim
Coburg – Erste Stimmen fordern von der Stadt einen Erwerb der Kaufhof-Immobilie. Doch im Rathaus warnt man vor „Aktionismus“. Der Gewerkschaft wiederum stellt sich eine ganz andere Frage.

Eine „Kaufhof-Task-Force“, also eine spezielle Arbeitsgruppe, gibt es im Coburger Rathaus schon seit längerem. Diese hat, wie Pressesprecher Louay Yassin am Dienstag dem Coburger Tageblatt sagte, schon seit geraumer Zeit „verschiedene Szenarien besprochen und durchdacht“.

Seit Montag freilich steht fest: Fortan geht es nicht mehr darum, ob und wie der Kaufhof in Coburg gerettet werden kann, sondern darum, wie es nach der verkündeten Schließung weitergehen kann.

Dass bereits am Montagabend von der Wählergemeinschaft Pro Coburg vorgeschlagen worden ist, dass die Stadt sich um einen Kauf der Kaufhof-Immobilie bemühen soll, geht manchem im Rathaus dann aber doch etwas zu schnell.

„Keine Denkverbote – aber…“

Louay Yassin sagt zwar: „Es wird keine Denkverbote geben.“ Allerdings müsse es auch darum gehen, nicht „aktionistisch“ zu handeln. Gesucht würden stattdessen „wirklich sinnvolle Lösungen“. Yassin präzisiert: „Sinnvoll für die Innenstadt, sinnvoll für den Handel, sinnvoll für die Bürgerinnen und Bürger.“ Um so wichtiger sei es Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD), dass beim weiteren Vorgehen jetzt „alle Kräfte“ miteinbezogen werden. IHK-Präsident Andreas Engel habe ja zum Beispiel bereits seine weitere Zusammenarbeit angeboten.

Schock in Coburg: Der Kaufhof wird geschlossen.
Schock in Coburg: Der Kaufhof wird geschlossen. // Jochen Berger

Unterstützung hat Dominik Sauerteig am Dienstag – wenig überraschend – von der SPD-Stadtratsfraktion bekommen. Vorsitzender Norbert Tessmer teilte mit, dass man die Anstrengungen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der Stadtverwaltung unter der Führung des Oberbürgermeisters unterstützen werde. Ziel sei die „Herstellung eines Zukunftskonzeptes gemeinsam mit allen Akteuren“. Das klingt natürlich überhaupt nicht nach einem schnellen „Ja“ zum Kauf der Immobilie. In der Tat geht Tessmer auch auf den Vorstoß von Pro Coburg ein: „Eine vorschnelle Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt, die Immobilie seitens der Stadt zu erwerben, steht derzeit überhaupt nicht zur Debatte.“

Ein Blick in den Kaufhof in Coburg: Die Rolltreppen werden bald still stehen.
Ein Blick in den Kaufhof in Coburg: Die Rolltreppen werden bald still stehen. // Oliver Schmidt

Thomas Apfel, Stadtrat von Pro Coburg, sieht das anders. „Uns geht es grundsätzlich darum, dass die Stadt den Finger drauf hat.“ Denn wichtig sei, dass sich etwas tut, und nicht, dass es zu einem jahrelangen Leerstand kommt. Als aktuelles Negativbeispiel verweist Apfel auf die Immobilie des ehemaligen „G-Fashion“ am Ilse-Kohn-Platz. Dort gebe es einen Eigentümer, der offenbar gar kein so richtiges drängendes Interesse an einer baldigen Nachnutzung hat – deshalb steht das Gebäude seit Oktober 2019 leer.

Kaufhof-Immobilie: Ideen für neue Nutzung

Aber mal angenommen, die Stadt würde die Kaufhof-Immobilie tatsächlich kaufen: Welche Nutzung kann sich Pro Coburg dort dann vorstellen? „Einen Mix“, sagt Thomas Apfel. Die Schaffung von innerstädtischem Wohnraum sei ebenso denkbar wie Nutzungen für Freizeit, Gastronomie und bis zu einem gewissen Teil vielleicht auch wieder für Einzelhandel. Außerdem sieht man bei Pro Coburg durchaus die Möglichkeit, in einem der oberen Stockwerke eine Art Stadtmuseum oder einen Ort der Erinnerungskultur einzurichten. „Daran fehlt es in Coburg ja nach wie vor“, sagt Thomas Apfel.

Gewerkschaft will kämpfen

Aber noch hat der Kaufhof am angestammten Standort in Coburg seine Tore geöffnet. Filialgeschäftsführer Markus Pinzner und Betriebsratsvorsitzende Dagmar Salwender waren am Dienstag nicht zu erreichen. Sie seien in internen Gesprächen, hieß es. Nächste Woche will sich der stellvertretende Verdi-Bezirksgeschäftsführer Paul Lehmann mit dem Kaufhof-Betriebsrat treffen. Seinen Worten zufolge sind etliche der 63 Belegschaftsmitglieder auch bei der Gewerkschaft. „Es hat sich immer gezeigt, dass es sich lohnt, um den Arbeitsplatz zu kämpfen. Wenn man nicht kämpft, hat man bereits verloren.“

Letzte Chance für den Eigentümer?

Allerdings wundert sich Lehmann auch, dass die vorgesehenen Filialschließungen in zwei Etappen vorgenommen werden sollen. In Coburg soll schon am 30. Juni 2023 Schluss sein – das wäre in gut drei Monaten. Da stelle sich die Frage, ob ein solches Szenario nicht ein Signal an den Vermieter bedeute, dass jetzt die letzte Gelegenheit bestehe, Entgegenkommen zu zeigen, sagte Lehmann. Der Mietvertrag für die Kaufhof-Immobilie würde noch über zwei Jahre laufen. Allerdings haben Unternehmen im Insolvenzverfahren ein Sonderkündigungsrecht. Solche Überlegungen seien aber „reine Spekulation“, betont Lehmann. Ihm gehe es darum, den Kaufhof-Beschäftigten zu helfen. Diese hätten in den vergangenen Jahren schon auf Teile ihres Lohns verzichtet, damit in die Filialen investiert werde.

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