Die Kommunalwahl im März 2020 war für Michael Gebhardt nur bedingt erfolgreich. Er hatte auf Platz 10 der AfD-Liste für den Coburger Stadtrat kandidiert, wurde allerdings durch das bayerische Wahlsystem (Kumulieren und Panaschieren) auf Platz 11 zurück gewählt. Dass er knapp fünf Jahre später aber wohl trotzdem in den Coburger Stadtrat einziehen wird, ist einer reichlich kuriosen Gemengelage geschuldet – oder aber auch einer bewussten Taktik. Aber der Reihe nach.
Von Listenplatz 6 auf Listenplatz 1
Bei der Kommunalwahl im März 2020 hatte die „Alternative für Deutschland“ erstmals einen Sitz im Coburger Stadtrat gewonnen. Dieser Platz ging an Axel Wehrmeister. Der ehemalige Arzt hatte zwar nur auf Listenplatz 6 kandidiert, war aber auf Platz 1 vorgewählt worden.
Ende 2020 legt Axel Wehrmeister sein Stadtratsmandat aus gesundheitlichen Gründen nieder, und Annett Dingethal rückte für ihn in das Gremium nach. Annett Dingethal war als Spitzenkandidatin der AfD angetreten, hatte dann aber knapp hinter Axel Wehrmeister nur Platz 2 erreicht.
Weil Anette Dingethal aber nun aus Coburg wegzieht, kann sie nicht mehr dem Stadtrat angehören.
Für den dadurch wieder frei werdenden Platz wurde also erneut ein Nachrücker gesucht. Als Nächstes wäre der Kandidat an der Reihe gewesen, der bei der Kommunalwahl auf Platz 3 der AfD-Liste gelandet ist. Doch das war mit Martin Böhm der Lebensgefährte von Annett Dingethal. Sprich: Auch er zieht weg aus Coburg und kann deshalb gar nicht nachrücken.
Reihenweise Absagen
Die offizielle Abfrage weiterer möglicher Nachrücker wird von der Coburger Stadtverwaltung übernommen. Dort darf aus Datenschutzgründen nichts zum aktuellen Stand des Nachrückverfahrens gesagt werden. Doch es wird kolportiert, dass mögliche AfD-Nachrücker gleich reihenweise abgelehnt haben. Zum Beispiel die Kandidatin, die auf Listenplatz 4 gelandet ist, oder auch der Kandidat, der Listenplatz 5 erreicht hat. Und was war mit den Personen von den Plätzen 6, 7, 8, 9 und 10? Offiziell ist nichts bekannt dazu. Doch plötzlich kommt eben Michael Gebhardt ins Spiel.
Er saß bereits im Publikum
Dem 60-Jährigen reicht jetzt offenbar der elfte (und damit vorletzte) Platz auf der AfD-Liste, um den einen AfD-Platz im Coburger Stadtrat übernehmen zu können. Bereits in der Sitzung an diesem Donnerstag (19. Dezember) saß er im Publikum und schaute seinen künftigen Kolleginnen und Kollegen zu. Vor der Sitzung machte ihn Anett Dingethal mit einigen Stadträten bekannt; gleich mit als Erstes stellte sie ihm René Hähnlein vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) vor.
Direktkandidat bei der Bundestagswahl
Nachdem Annett Dingethal erst zum 31. Januar 2025 aus dem Stadtrat ausscheidet, kann Michael Gebhardt frühestens in der Februar-Sitzung als neuer Stadtrat vereidigt werden. Die Sitzung ist für Donnerstag, 20. Februar 2025, terminiert – also drei Tage vor der Bundestagswahl. Das ist vor allem deshalb ein spannender Hinweis, weil Michael Gebhardt bei der Bundestagswahl als Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Coburg/Kronach antritt.
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