Hans-Peter Langsch ist unter anderem Gesellschafter von Goebel sowie von Kaiser Porzellan in Bad Staffelstein. In Coburg hat er sich vor allem einen Namen gemacht als Eigentümer der Kulturfabrik Cortendorf, die er in den vergangenen Jahren zu einem neuen Kreativ- und Event-Quartier in Coburg entwickeln konnte. Er selbst bezeichnet sich als „Macher“.
Seine vielfältigen Erfahrungen möchte Hans-Peter Langsch jetzt auch in der Kommunalpolitik einbringen. Er ist der Wählergemeinschaft Pro Coburg beigetreten.
Das Coburger Tageblatt hat ihn dazu befragt.
Herr Langsch, Sie haben an anderer Stelle gesagt, dass es für Sie als „Zugereister“ inzwischen gar nicht mehr vorstellbar sei, Coburg wieder zu verlassen. Warum genau fühlen Sie sich in Coburg so wohl?
Ich muss vorausschicken, dass ich einige Städte in meinem Leben kennenlernen durfte; sei es Hamburg, Augsburg, Stuttgart, München oder New York, und dass ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit viel in der Welt herumgekommen bin. Alle Städte hatten ihre schönen Seiten, aber keine in dem Umfang und in der Kompaktheit wie Coburg. Dass mich Coburg so in seinen Bann zieht, hätte ich Anfang der 90er Jahre, als ich aus beruflichen Gründen hierherkam, nicht erwartet.
Können Sie das noch etwas genauer beschreiben?
Als kleine Mittelstadt mit weniger als 50.000 Einwohnern bietet Coburg wirklich einen tollen Lebenswert, den wir als junge Familie sehr zu schätzen lernten: Coburg ist eine Stadt mit international prägender politischer Historie – man kann stolz auf seine Vergangenheit sein, Coburg hat sich international einen Namen gemacht. Coburg hat eine gepflegte, saubere, romantische Innenstadt – ich finde Coburg schön und sympathisch. Coburg hat ein umfangreiches Angebot an Kitas, Schulen und Gymnasien – als Eltern fühlt man seine Kinder pädagogisch gut versorgt. Coburg hat eine Hochschule die national ihresgleichen sucht, nicht nur in Bezug auf die vorhandenen Fachrichtungen – der Transfer von Wissen in die Praxis hilft im Unternehmen, auch in Bezug auf Sekundärausbildung und berufsbegleitende Studiengänge.
Coburg ist Heimat international bedeutender wirtschaftlicher Player, hat aber auch einen breiten Mittelstand und bietet daher Karrierechancen und anspruchsvolle Gesprächsebenen. Coburg hat ein Umland mit hohem Freizeitwert, in dem traumhafte Spaziergänge auf gut angelegten Wegen möglich sind. Coburg hat kurze und übersichtliche Wege – das reduziert Transferzeiten und erhöht den Freizeitwert. Coburg hat eine hohe gefühlte Sicherheit, hier hat man auch nachts keine Bedenken, auf die Straße zu gehen – okay, inzwischen ist das leider mit Einschränkungen zu sehen.
Coburg ist eine wohlhabende Stadt – sie kann sich manches leisten, was in anderen Städten längst dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. In Coburg kann man sich das Leben noch leisten, Wohnraum ist bezahlbar. Coburg bietet Kultur auf unterschiedlichstem Niveau, und auch Subkultur, öffentlich subventioniert, aber auch privat initiiert und finanziert, und je nach Laune ist für jeden was dabei.
Coburg ist bodenständig. Oberfranken eben. Das Reale zählt. Man zeigt sich aber auch weltoffen. In Coburg kennt man sich, grüßt und respektiert sich. Coburg ist Treffpunkt, privat wie wirtschaftlich. Coburg hat noch viel zu entdecken. Auch nach mehr als 30 Jahren finde ich immer wieder neue interessante Aspekte.
All dies trägt in Summe dazu bei, Coburg als außerordentlich liebenswert zu empfinden. Also warum in die Ferne schweifen? Und wenn man doch mal was anderes sucht, dann ist der Flughafen Nürnberg nicht weit – und nicht lange später kommt man gerne nach Coburg zurück.
Nun engagieren Sie sich auch in der Kommunalpolitik. Geschieht dies, weil Sie mit der jetzigen Kommunalpolitik nicht zufrieden sind?
Ist nicht jeder manchmal verwundert und unzufrieden ob bestimmter Entscheidungen und wahrgenommener Ergebnisse der Politik im Allgemeinen, der nationalen wie der kommunalen? Im Großen und Ganzen kann ich der Kommunalpolitik keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil. Sie scheint sich aber jüngst in meiner subjektiven Wahrnehmung aufgrund von Haushaltsrestriktionen auf Maßnahmen in unterschiedlichsten Bereichen zu fokussieren, die sicherlich de jure freiwillige Zuwendungen opfert, zu Lasten von Bereichen der Gesellschaft, die dadurch Sanktionen erfahren, die in ihrer sozialen Wirkung nicht den Einsparungen gegenüber stehen. Hier stehen ein paar 1000 Euro an ungeeigneter Stelle eingespart einem kollateralen Imageschaden gegenüber.
Als ein Unternehmer, der insolvente Unternehmen restrukturiert hat, kenne ich dieses Dilemma nur zu gut. Ob sich meine subjektive Wahrnehmung tatsächlich in den objektiven Fakten widerspiegelt, wage ich heute nicht zu beurteilen. Man mag mit bestimmten Dingen unzufrieden sein, hat sich aber der Macht des Faktischen zu beugen. Diese Unzufriedenheit bietet aber andererseits immense Motivation zu versuchen, mit eventuell auch unkonventionellen Mitteln an einer Veränderung der Situation zu arbeiten, die Ursache hierfür war.
“Dass mich Coburg so in seinen Bann zieht, hätte ich Anfang der 90er Jahre, als ich aus beruflichen Gründen hierherkam, nicht erwartet.
”
Wollen Sie 2026 für den Coburger Stadtrat kandidieren?
Ich bin „Pro Coburg“ beigetreten, um mich mit dem Thema Kommunalpolitik stärker und detaillierter zu beschäftigen, Insights und Fakten zu erfahren und Prozesse kennenzulernen, die jenseits der in Social-Media-Kanälen verbreiteten oder sonst kolportierten Ebene liegen. In die Tiefe zu gehen und nicht an der Oberfläche zu kratzen.
Ich bin stets Macher und Umsetzer gewesen und war immer unpolitisch – gerade heraus, fakten- und lösungsorientiert. Diplomatisch ja, wenn dies den Sachzielen dienlich war. Berechnende Politik zu machen war mir stets zuwider. Ob auf dieser Basis eine fruchtbare Arbeit in einem Gremium mit 40 Köpfen zu Gunsten unserer Heimatstadt möglich ist, kann ich heute nicht abschließend beurteilen, ausschließen möchte ich es allerdings nicht.












