Die Wählergemeinschaft Pro Coburg darf sich über prominenten Zuwachs freuen: Antoinetta Bafas, die Kulturbeauftragte des Stadtrats, hat sich der Gruppierung ebenso angeschlossen wie ihr Lebensgefährte Andreas Engel, der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Coburg (IHK).
Die bröckelnde CSU/JC-Fraktion
Bei der Kommunalwahl 2020 waren beide über die CSU-Liste in den Stadtrat gewählt worden. Anschließend hatte die CSU mit den Jungen Coburgern (JC) eine gemeinsame, zunächst zehnköpfige Fraktion gebildet. Doch Ende 2024 begann diese Fraktion zu bröckeln: Andreas Engel erklärte seinen Austritt. Der IHK-Präsident begründete dies damals mit seinem „Selbstverständnis der Überparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit“, das er für nicht mehr vereinbar halte mit der Zugehörigkeit zu einer parteipolitischen Fraktion.
Antoinetta Bafas hatte erst Mitte September 2025 die CSU/JC-Fraktion verlassen und sich bislang zu den Hintergründen nicht geäußert. – Ein weiterer Verlust, den die CSU/JC-Fraktion zwischendurch zu beklagen hatte, war der Austritt von René Boldt. Der ehemalige CSU-Kreisvorsitzende hat sich mittlerweile der Gruppierung Freie Wähler-CSB um Christian Müller und Gerhard Amend angeschlossen.
Antoinetta Bafas und Andreas Engel haben sich für einen anderen Weg entscheiden: Sie gehen gemeinsam zur Wählergemeinschaft Pro Coburg.
Bafas und Engel erklären ihren Wechsel
In einer Pressemitteilung von Pro Coburg wird Antoinetta Bafas wie folgt zitiert: „Ich habe mich immer für das Miteinander in unserer Stadt engagiert, insbesondere im kulturellen Bereich – welcher ja per Definition unabhängig sein muss. Bei Pro Coburg finde ich in der Tat die Idee einer rein bürgerlichen Gemeinschaft aus allen Bereichen der Gesellschaft, die direkte Mitgestaltung ermöglicht, ganz ohne Parteizwänge.“
Auch Andreas Engel äußert sich zu seinem Wechsel: „Ich verstehe mich als unabhängiger, ausgleichender Gestalter und engagiere mich mit Herzblut überparteilich für meine Coburger Heimat. PRO Coburg steht für eine Politik, die zuhört, verbindet und die Menschen und die Region parteiunabhängig in den Mittelpunkt ihres Handelns stellt. Für mich der richtige Ort, um Verantwortung zu übernehmen und Kräfte zu bündeln.“
Jürgen Heeb: „Zwei engagierte Persönlichkeiten“
Jürgen Heeb, der Fraktionsvorsitzende von Pro Coburg, zeigt sich in einer Stellungnahme sehr erfreut über den Zuwachs: „Mit Antoinetta Bafas und Andreas Engel gewinnen wir zwei engagierte Persönlichkeiten, die unsere Werte teilen: Unabhängigkeit, Bürgernähe und lösungsorientiertes Arbeiten. Dass wir nun mit sieben Sitzen ebenso zweitstärkste Fraktion im Stadtrat sind, zeigt, wie stark das Vertrauen in parteifreie Politik in Coburg gewachsen ist.“
Machtgefüge im Coburger Stadtrat
Der Wechsel von Antoinetta Bafas und Andreas Engel zur Wählergemeinschaft Pro Coburg hat voraussichtlich auch Auswirkungen aufs Machtgefüge im Stadtrat. Dass die CSU/JC-Fraktion jetzt nur noch aus sieben Personen besteht, ist das eine. Das andere ist, dass gleichzeitig Pro Coburg wächst: Bei der Kommunalwahl 2020 hatte die Wählergemeinschaft fünf Sitze im Coburger Stadtrat errungen – damit war sie hinter CSU/JC (10), SPD (9) und Grünen (6) lediglich die vierstärkste Kraft. Dank des Beitritts von Bafas und Engel verfügt die Pro-Coburg-Fraktion jetzt über sieben Sitze und damit über genau so viele wie geschrumpfte CSU/JC.
Das bedeutet: Die Sitzverteilung in mehreren Senaten müsste sich verändern, weil Pro Coburg nun – gemäß ihrer neuen Stärke – mehr Sitze zustehen als bisher. Das letzte Wort hat hierzu allerdings der Stadtrat.
Sitz für Pro Coburg im Theaterausschuss
Eine weitere Änderung, die kommen könnte, betrifft den einflussreichen Theaterausschuss. In dieses siebenköpfige Gremium darf der Stadtrat drei Mitglieder entsenden, und zwar jeweils eines aus den drei stärksten Fraktionen. Bislang waren die drei stärksten Fraktionen: SPD (entsenden Petra Schneider), CSU/JC (entsenden Hans-Herbert Hartan) und die Grünen (entsenden Wolfram Haupt). Dank des Beitritts von Bafas und Engel gehört nun aber Pro Coburg zum Kreis der drei stärksten Fraktionen. Sprich: Eigentlich steht ihnen ein Platz im Theaterausschuss zu. Sollte der Stadtrat auch hier den Weg für eine neue Sitzverteilung frei machen, dürfte wohl, wie zu hören ist, Andreas Engel für Pro Coburg in den Theaterausschuss gehen. Seinen Platz verlieren würde dann Wolfram Haupt.














