0
Vorsitzende hört auf
Nächster Rückzug in Coburger CSU
Seit 2020 für die CSU im Coburger Stadtrat und seit 2021 Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Coburg-Mitte: Christina Vatke. Für den Vorsitz kandidierte die 36-Jährige jetzt nicht mehr.
Seit 2020 für die CSU im Coburger Stadtrat und seit 2021 Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Coburg-Mitte: Christina Vatke. Für den Vorsitz kandidierte die 36-Jährige jetzt nicht mehr. // F. Deáky
Coburg – Christina Vatke ist nicht mehr Vorsitzende des Ortsverbands Mitte. Sie nennt dafür in erster Linie private und berufliche Gründe. Doch sie verteilt auch einen kleinen Seitenhieb Richtung Kreisverband.

Im Juli 2021 war Christina Vatke an die Spitze des CSU-Ortsverbands Coburg-Mitte gewählt worden. Die damals 32-Jährige galt als große Hoffnungsträgerin ihrer Partei. Vor ein paar Monaten gab es sogar Spekulationen, sie könnte bei der Kommunalwahl im März 2026 als Oberbürgermeisterkandidatin für die Coburger CSU ins Rennen gehen. Doch dann wurde der erfahrene Fraktionsvorsitzende Hans-Herbert Hartan (67) zum OB-Kandidaten gekürt.

Und jetzt hört Christina Vatke auf!

Am Freitagabend standen bei der Hauptversammlung des CSU-Ortsverbands Coburg-Mitte turnusmäßige Neuwahlen an. Doch bereits in ihrem Geschäftsbericht hatte Christina Vatke erklärt, wie Teilnehmende dem Coburger Tageblatt berichten, dass sie kein weiteres Mal für den Vorsitz kandidieren werde.

Ortsverband ist noch größer geworden

Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, wie sie sagte, denn sie hätte das Amt immer mit viel Freude und Herzblut ausgeübt. Nicht ohne Stolz verwies sie darauf, dass der ohnehin größte Ortsverband innerhalb des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt unter ihrer Führung noch weiter gewachsen sei. Außerdem habe man mit dem „Forum“ eine Veranstaltungsreihe etabliert, zu der mittlerweile zwischen 80 und 120 Besucherinnen und Besucher kommen. Bei diesen Foren wird im Beisein von Experten über aktuelle Themen wie beispielsweise Ärzteversorgung, Energiepolitik oder Künstliche Intelligenz diskutiert.

Zeitlicher Aufwand ist zu groß

Für ihren jetzigen Rückzug nannte Christina Vatke in erster Linie private und berufliche Gründe. So habe sie vor kurzem als Filialleitern einer überregionalen Bank noch weitere Aufgaben übertragen bekommen. Diese Aufgaben seien auch mit einem weiteren Zeitaufwand verbunden. Zugleich sei sie Mutter, Stadträtin sowie Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung für krebskranke Kinder Coburg. Sprich: Es wäre einfach zu viel, dann auch noch weiterhin den Ortsverband Coburg-Mitte zu führen. 

Anspielung auf Generalabrechnung von René Boldt?

In ihrer letzten Rede als Vorsitzende merkte Christina Vatke dann aber auch noch an, dass ihrer Meinung nach „Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit“ immer wichtiger werden sollten in der Politik – „und auch in der CSU.“ Sie könne dies erkennen an den vielen „Kindergartenspielchen“.  Was genau sie damit meinte, sagte sie nicht. Aber natürlich erinnerte diese Formulierung an die jüngste Generalabrechnung von René Boldt. Als der vor gut einer Woche seinen Posten als Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Coburg-Süd aufgab, sagte er unter anderem: „Ich muss mir keine Kindergartenspiele von Max Forkel antun.“ Maximilian Forkel gehört zum Führungsteam des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt.

Ihr Amt als Coburger Stadträtin möchte Christina Vatke noch bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode ausüben. Sie plane aber, wie es bei der Versammlung am Freitagabend hieß, bei der Kommunalwahl 2026 nicht mehr für den Stadtrat zu kandidieren.

Mathias Zimmer ist neuer Vorsitzender

Anders als beim Ortsverband Coburg-Süd, der nach dem Austritt fast des gesamten Vorstands jetzt erst einmal führungslos ist, konnte im Ortsverband Coburg-Mitte bereits eine Nachfolgeregelung für Christina Vatke gefunden werden: Mathias Zimmer wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt. Kurios: Der 60-Jährige war schon einmal Vorsitzender eines CSU-Ortsverbands, allerdings von Coburg-Ost. Von 2014 bis 2020 war er außerdem Mitglied des Coburger Stadtrats.

Rücktritt auch im Westen?

Unruhe scheint derweil auch im CSU-Ortsverband Coburg-West zu herrschen. Dort war zwar erst vor wenigen Wochen Helge Kienel als Vorsitzender wiedergewählt worden. Doch nun ist er offenbar zurückgetreten. Offiziell bestätigt hat er dies noch nicht. Auf Nachfrage des Coburger Tageblatts hat Helge Kienel aber eingeräumt, dass er eine weitere Mitgliederversammlung einberufen hat. Um was es dabei gehen soll, wolle er zum jetzigen Zeitpunkt aber öffentlich noch nicht sagen.

HINTERGRUND: CSU/JC-Fraktion im Coburger Stadtrat

Bei der Kommunalwahl 2020 hatte die CSU acht Sitze im neuen Coburger Stadtrat errungen – damit war man nur etwas kleiner als die SPD, die auf neun Sitze gekommen war.

Doch die CSU-Mitglieder Maximilian Forkel und Kurt Knoch, die über die Liste der „Jungen Coburger“ (JC) in den Stadtrat eingezogen waren, gingen eine Fraktionsgemeinschaft ein. Daraufhin war die neu gebildete CSU/JC-Fraktion mit zehn Sitzen auf einmal die stärkste Kraft im Coburger Stadtrat.

Die Mitglieder der CSU/JC-Fraktion in alphabetischer Reihenfolge (Stand: Mai 2020):

  • Antoinetta Bafas
  • René Boldt
  • Roland Eibl
  • Andreas Engel
  • Maximilian Forkel
  • Hans-Herbert Hartan
  • Barbara Kammerscheid
  • Kurt Knoch
  • Christina Vatke
  • Birgit Weber

Einen ersten Aderlass gab es im Herbst 2024: Andreas Engel, der als Parteiloser auf der CSU-Liste kandidiert hatte, erklärte einen Austritt aus der CSU/JC-Fraktion. Somit waren es nur noch neun.

Mitte Mai 2025 ist René Boldt aus der CSU ausgetreten. Es wird damit gerechnet, dass er bis zur nächsten Stadtratssitzung im Juni 2025 auch die CSU/JC-Fraktion verlässt.

Birgit Weber hat bereits vor längerem angekündigt, bei der Kommunalwahl 2026 nicht mehr anzutreten. Jetzt erfolgte der Rückzug von Christina Vatke.

Spekuliert wird, dass auch Antoinetta Bafas aufhören könnte – sie hatte bei der Kommunalwahl 2020 ebenso wie ihr Lebensgefährte Andreas Engel auf der CSU-Liste kandidiert, ohne aber CSU-Mitglied zu sein.

Fest gesetzt für die Kommunalwahl 2026 ist somit nur noch die Hälfte der ursprünglichen Fraktion: Hans-Herbert Hartan, Roland Eibl, Barbara Kammerscheid – sowie Kurt Knoch und Maximilian Forkel.

 

Inhalt teilen
  • kopiert!