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Mehr Schatten für Coburg
Stadtrat gibt grünes Licht für Platanen am Stadthaus!
Platanen statt Pflasterhitze: Coburgs Marktplatz könnte bald grüner werden. Doch der Denkmalschutz steht dem Vorhaben kritisch gegenüber.
Platanen statt Pflasterhitze: Coburgs Marktplatz könnte bald grüner werden. // Julia Scholl
Coburg – Platanen statt Pflasterhitze: Coburgs Marktplatz soll bald grüner werden. Der Denkmalschutz steht dem Vorhaben kritisch gegenüber. Doch der Stadtrat gibt sein Okay.

Update (24. Juli):

„Die beste Zeit einen Baum zu pflanzen war vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt“, zitiert Stefan Sauerteig (SPD) ein Kinderbuch. Diese Meinung war wohl eine Mehrheit der Stadträte, denn mit drei Gegenstimmen hat das Gremium am Donnerstag beschlossen, dass im Herbst 2025 sieben Platanen vor das Stadthaus gepflanzt werden. Auch wenn es durchaus Kritik gab, dass man sich mit der Entscheidung über den Denkmalschutz hinwegsetzt. 

Ursprünglicher Artikel: 

Der Marktplatz ist im Sommer ein heißes Pflaster, das ist jedem Besucher klar. Zeitgleich ist er aber auch Dreh- und Angelpunkt nicht nur für den Wochenmarkt, sondern auch für andere Veranstaltungen wie das Samba-Festival. Jetzt soll ein Plan umgesetzt werden, der im Sommer für mehr Aufenthaltsqualität sorgen soll. Denn vor das Stadthaus soll unter anderem als Schattenspender eine Reihe von Platanen gepflanzt werden. Gegenwind gibt es unter anderem vom Denkmalschutz.

Marktplatz Coburg, Stadtansichten
Platanen statt Pflasterhitze: Coburgs Marktplatz könnte bald grüner werden. // Christoph Winter

Die Ursprünge dieses Vorhabens liegen schon eine Weile zurück. 2022 hatte Grünen-Stadtrat Michael Dorant, einen Antrag mit dem Titel „Standortgutachten für mehr Bäume in der Innenstadt“ gestellt. Daraufhin hat das Grünflächenamt federführend für die Verwaltung ein Gutachten erstellt und mit Fokus auf die engere Altstadt mögliche Baumstandorte ermittelt und vorgestellt. Einer davon: der Marktplatz – genauer, der Bereich vor dem Stadthaus.

Kosten: 125.000 Euro

Hier sollen nun noch im Herbst 2025 sieben Platanen entlang des Stadthauses gepflanzt werden. Kosten: 125.000 Euro. Allerdings besteht die Hoffnung auf eine Förderung aus dem Förderprogramm der KFW „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“, erläutert Bernhard Ledermann, Leiter des Grünflächenamtes, am Dienstag im Finanzsenat. „Sollten das Projekt unter die Förderbedingungen fallen und die entsprechenden Bundesmittel noch verfügbar sein, ist ein Zuschuss in Höhe von 80 Prozent bis 90 Prozent der Kosten denkbar.“

Zwei Hindernisse könnte für die Förderung noch geben: Zum einen der Zeitplan, denn umgesetzt werden soll das ganze schon im Herbst dieses Jahres – zum anderen, dass die Denkmalpflege keine formelle Zustimmung gibt.

Sieben Platanen sollen hier gepflanzt werden. Darunter soll nach wie vor Außengastronomie stattfinden können.
Sieben Platanen sollen hier gepflanzt werden. Darunter soll nach wie vor Außengastronomie stattfinden können. // Stadt Coburg

Denkmalschutz: Früher gab es dort keine Bäume

Im Gegensatz zu Feuerwehr und Samba-Veranstalter hat die Denkmalschutzbehörde tatsächlich Einwände geäußert. 

„Die bedeutendsten Plätze und Gassen (Markt und davon ausgehende Hauptachsen) sind die schützenswertesten Bereiche des Altstadtensembles und in ihrem derzeitigen Erscheinungsbild zu erhalten“, sagt Katrin Weber, Denkmalschutz bei der Stadt. Aus historischer Sicht seien Innenstädte bis ins späte 18. bis 19. Jahrhundert nicht von Bäumen geprägt gewesen, begründet sie.

Platanen statt Pflasterhitze: Coburgs Marktplatz könnte bald grüner werden. Doch der Denkmalschutz steht dem Vorhaben kritisch gegenüber.
Platanen statt Pflasterhitze: Coburgs Marktplatz könnte bald grüner werden. Doch der Denkmalschutz steht dem Vorhaben kritisch gegenüber. // Julia Scholl

„Im Urkataster oder historischen Stadtansichten sind Bäume in aller Regel nicht zu finden. Erst mit der Abtragung und Begrünung von Wehranlagen hielten Bäume in die Städte Einzug. In Coburg ist das im Bereich des Altstadtrings entlang der Stadtmauer gut erkennbar.“

Laut Martin Brandl, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege sei der Marktplatz mit den Gebäuden und dem Albertdenkmal von gerade „wahrzeichenhafter Bedeutung und Identitätswirkung“ und sollte von zusätzlichen Ausstattungselementen, die es zudem historisch nie gab, frei bleiben.

Platanen statt Pflasterhitze: Coburgs Marktplatz könnte bald grüner werden. Doch der Denkmalschutz steht dem Vorhaben kritisch gegenüber.
Platanen statt Pflasterhitze: Coburgs Marktplatz könnte bald grüner werden. Hier sollen statt den Bäumen in Kübeln bald sieben Platanen in den Boden gepflanzt werden. // Julia Scholl

Die Einwände verwundern CSB-Stadtrat Gerhard Amend: „Ich finde es klasse, dass die Bäume dahin kommen. Ja, sie waren nicht immer da, aber die Bedürfnisse der Zeit sind immer wieder berücksichtigt worden.“ Er ist der Meinung, dass man Denkmalschutz auch dynamisch betrachten müsse.

Auch Wolfgang Weiß (Grünen) befürwortet die Pläne: „Es ist ein prominenter Aufschlag für eine Neugestaltung der Innenstadt.“

Zustimmung im Finanzsenat

FDPler Michael Zimmermann hingegen ist kein Fan: „Grundsätzlich habe ich Bäume sehr gern, am liebsten freiwachsend.“ Ihm gefalle nicht, dass die Bäume gestutzt sein sollen. Er sehe kaum einen Unterschied zur aktuellen Lösung – den Bäumen in Kübeln – und stimmt gegen den Antrag.

Bei den restlichen Mitgliedern des Finanzsenates stößt der Plan auf Zustimmung. Der Antrag wurde bei einer Gegenstimme beschlossen, muss aber auch noch vom Stadtrat abgesegnet werden. Doch mit Blick auf die deutliche Zustimmung im Finanzsenat gilt eine Zustimmung auch des Stadtrats als sehr wahrscheinlich. Anschließend kann das Projekt in die Umsetzung gehen. 

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