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Elternsein
Wie man Kinder besser erzieht
Job, Familie, Kindererziehung, keine Zeit mehr für sich selbst. Wie auf diesem Symbolbild kommen junge Eltern dabei schnell an ihre Grenzen.
Job, Familie, Kindererziehung, keine Zeit mehr für sich selbst. Wie auf diesem Symbolbild kommen junge Eltern dabei schnell an ihre Grenzen. // Thinkstock
Coburg – Was soll nur aus den Kindern werden? Zukunftsängste, zu viele Ratgeber, zu wenig Bauchgefühl machen es Eltern oft schwer, richtig zu erziehen. Aber wie geht „richtig erziehen“?

Jetzt haben wir es schwarz auf weiß. Der deutsche Ethikrat hat im November verkündet: „In der Pandemie hätten die Belange und Belastungen der jüngeren Generation nicht ausreichend Beachtung erfahren“. Für die Vorsitzende des Coburger Kinderschutzbundes ist diese Erkenntnis, wie für viele Eltern und Pädagogen, nichts Neues. Bettina Dörfling geht soweit, dass sie sagt: „Wenn wir die Erwachsenen wären, die Kinder in ihrem Umfeld brauchen, gäbe es die Aussage des Ethikrates nicht.“

Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wäre

Mehr noch: „Wenn wir die Erwachsenen wären, die das familiäre und soziale Netzwerk, das Kinder brauchen, pflegen, würden wir es nicht hinnehmen, dass jedes siebte Kind von Armut betroffen ist. Die Gesundheitsfürsorge wäre finanziell besser aufgestellt, so dass es genügend Plätze in Kinderkliniken gibt. Es wären mehr Therapieplätze vorhanden und gäbe keine Wartezeiten.“

Was ist richtig?

Was aber brauchen Kinder nun wirklich von erwachsenen Menschen?  Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Coburg Stadt und Land spricht alle an, die Kinder beim Großwerden begleiten und die im Leben von Kindern eine Bedeutung haben sollten: Opa, Oma, Tante/Onkel, Bezugspersonen in der Kita, Turnlehrer, Klassenlehrer, Freundin der Mutter, Freund des Vaters.

Heiterkeit vermitteln ist wichtig
Heiterkeit vermitteln ist wichtig // Melanie Abel

Wir haben die Sozialpädagogin nach den Kompetenzen gefragt, die wichtig sind: „Kinder brauchen Erwachsene, die dafür sorgen, dass ihr eigenes Leben (immer wieder) heiter ist. Dadurch wird auch das Leben von Kindern heiter und unbesorgt.“ Zuhören und sich Zeit nehmen, die Bedürfnisse der Kinder erkennen, nach Kompromissen suchen – all das seien wichtige Kompetenzen für ein gutes Erziehen, sagt sie.

Sich Zeit nehmen für Spiel, Spaß, Abenteuer (die Welt entdecken außerhalb der Haustür) und Gespräche bestärke Kinder in ihrem Selbstvertrauen. „Eltern sollten Zorn, Trauer und Wut ihrer Kinder akzeptieren und sich auf die Suche nach dem Grund dieser Emotion machen“, meint Dörfling. Klar sei auch, dass Erwachsene verstehen müssen, dass Kinder Zeit brauchen.

Mal die Welt mit Kinderaugen sehen, erleichtere das Miteinander. Und ganz entscheidend: Die Geduld, die es braucht, um ein Kind so anzunehmen, wie es ist.

Grenzen und Regeln sind wichtig

Grenzen bieten dem Kind Schutz und Halt. Sie geben dem Kind Orientierung und Sicherheit. Sie regeln das Zusammenleben in der Familie. In dem Kurs „Starke Eltern – starke Kinder“, der über Jahre in Coburg stattgefunden hat (derzeit allerdings nicht) wird vermittelt, für was es Grenzen in der Erziehung braucht:

• Um Konflikte zu vermeiden, müssen Regeln für das Zusammenleben klar und für alle verständlich formuliert werden.

• Regeln und Grenzen können so verhindern, dass Bestrafungen nötig werden, dass alltägliche Situationen eskalieren und immer wieder neu diskutiert und ausgehandelt werden müssen.

• Regeln und Grenzen geben dem Kind einen geschützten Freiraum, in dem es sich bewegen kann und darf.

• Regeln und Grenzen sollten mit allen Beteiligten ausgehandelt werden. Sie hängen eng mit den eigenen Bedürfnissen zusammen und müssen diese berücksichtigen. Sie sollen auch die Wünsche der       Erziehenden bewusst mit einbeziehen.

Vorgehen: Grenzen erkennen, formulieren und konsequent einhalten! Weniger ist hier oft mehr.

Beim Spielen entscheidet das Kind

Respekt und Unvoreingenommenheit sind wichtige Voraussetzungen, um gemeinsam mit dem Kind zu spielen. Das bedeutet: Dem Kind beim Spielen die Initiative überlassen. Nicht erwarten, dass es Spielsachen, die in den Augen von Erwachsenen förderlich wären, auch attraktiv findet.

Das Kind sollte nicht zu Aktivitäten gedrängt oder überredet werden („Komm, rutsch doch auch mal, schau, der Junge dort ist viel kleiner als du und kann das schon!“). Muss das Spiel unterbrochen werden, sollte dies unbedingt rechtzeitig angekündigt werden: „Bitte kommt zum Ende, wir müssen in fünf Minuten gehen, weil wir ja noch den Papa abholen wollen!“

Wichtig: Spielen können Kinder meistens besser als Erwachsene, deshalb darf man sie in geeigneter Umgebung dabei sich selbst überlassen. Kindliches Spiel braucht Zeit, Raum und Ruhe. Deshalb sollten Störquellen wie Fernseher oder Radio ausgeschaltet sein.

Murren und Meckern ist normal

Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen fällt es oft schwer sich an Regeln zu halten. Eine Unterstützung bietet die Konsequenz, die auf eine Regelübertretung folgt. Doch Konsequenz soll nicht als Strafe empfunden werden. Sie darf nicht verletzen, demütigen oder am Wachsen hindern. Konsequenz muss eine echte Hilfestellung bieten.

Voraussetzungen dafür:

• Die Regel muss bekannt sein.

• Die Regel muss einhaltbar sein.

• Regeln und Grenzen müssen gemeinsam mit dem Kind vereinbart und begründet werden.

Das ist umso wichtiger, je älter die Kinder werden. Denn: Sofern sie über Beschlüsse, die sie selbst betreffen, mitentscheiden können sind sie auch eher bereit, sie einzuhalten.

• Die Konsequenz, die auf eine Regelübertretung erfolgt, muss bekannt und im optimalen Fall gemeinsam besprochen worden sein. Dies dient auch dem Schutz vor impulsiven Reaktionen der Eltern. Sie können dann gelassen auf die Vereinbarung hinweisen.

„Auch wenn Eltern diese Hinweise berücksichtigen: Ein Freudenausbruch der Kinder ist nicht zu erwarten. Murren und Meckern ist ganz normal. Den Mut, sich unbeliebt zu machen, brauchen gute Eltern manchmal. Sie machen damit ihrem Kind ein Geschenk“, ermutigt Bettina Dörfling Eltern.

„Bis einer heult“

Rivalität und Eifersucht, die sich meist auf das nächst jüngere Geschwisterkind beziehen, gehört zum normalen kindlichen Verhalten. Auch die besten Eltern können sie nicht vermeiden. Auf ein solches Verhalten können Eltern folgendermaßen reagieren:

• Bereits vor der Geburt des Geschwisterkindes das ältere Kind einbeziehen, mit ihm über die anstehenden Veränderungen sprechen.

• Das ältere Kind „Baby“ spielen lassen.

• Das ältere Kind in die Pflege des jüngeren Kindes einbeziehen.

• Dem älteren Kind Geschichten darüber erzählen, wie es selbst als Baby war; gemeinsam Babybilder anschauen und ihm eigene Zeit schenken.

 

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