Die Industrie- und Handelskammer zu Coburg (IHK) lässt nicht locker. Ein möglicher, vierspuriger Ausbau der Bundesstraße 4 im Bereich des Weichengereuths soll erneut auf die Tagesordnung der politischen Gremien. Das erklärte am Montag IHK-Präsident Andreas Engel.
Ausbau liegt seit 2020 auf Eis
Während vor allem Wirtschaftsvertreter seit längerem einen solchen Ausbau des Straßenstücks zwischen Südzufahrt und Frankenbrücke fordern, hatte der damals neu gewählte Coburger Stadtrat das Projekt im Jahr 2020 auf Eis gelegt.
Ein vierspuriger Ausbau des Weichengereuths steht aber noch immer im Bundesverkehrswegeplan, und dort sogar in der Kategorie „vordringlicher Bedarf“. Sprich: Der Bund würde die Maßnahme umsetzen und auch komplett finanzieren – vorausgesetzt, die Maßnahme ist in der Region erwünscht.
Ob der Ausbau in der Region erwünscht ist, wollte die IHK jetzt mit einer repräsentativen Umfrage herausfinden. Mit der Umfrage betraut wurde niemand Geringeres als das renommierte Forschungsinstitut Dimap aus Bonn. Das Institut ist vor allem durch sein Tochterunternehmen Infratest Dimap bekannt, das regelmäßig im Auftrag der ARD die Wahlprognosen erstellt.
Für die Coburger IHK sollte nun also herausgefunden werden, wie die Bevölkerung – und zwar sowohl in der Stadt als auch im Landkreis Coburg – zu einem möglichen Ausbau des Weichengereuths steht. Dazu wurden zwischen Mitte August und Mitte September insgesamt 1003 Personen befragt; zu 90 Prozent geschah dies telefonisch, der Rest antwortete innerhalb eines Online-Panels.
Robert Mühle, Senior Advisor von Dimap, war am Montag persönlich nach Coburg gekommen, um die Ergebnisse vorzustellen.
„Gute Verkehrsinfrastruktur ist wichtig“
Bei der Frage, wie wichtig eine gute Verkehrsinfrastruktur für die wirtschaftliche Entwicklung in Coburg sei, antworteten 70 Prozent mit „sehr wichtig“ und 25 Prozent mit „eher wichtig“. „Das sind hohe Werte“, so Robert Mühle.
Dann ging es konkret um die Bundesstraße 4 im Bereich des Weichengereuths. Folgende These wurde formuliert: „Es muss gewährleistet sein, dass die Menschen ohne Staus gut in die Stadt kommen (z.B. zur Arbeit, zum Einkaufen, ins Krankenhaus). Deshalb Ausbau!“ Dieser These stimmten 75 Prozent der Befragten zu - 23 Prozent stimmten ihr nicht zu.
Eine weitere These lautete: „Es muss eine vernünftige Interessensabwägung geben, aber im Zweifel hat die wirtschaftliche Entwicklung des Raumes Coburg Vorrang! Deshalb Ausbau!“ Dieser These schlossen sich 64 Prozent der Befragten an - 28 Prozent konnten sich ihr nicht anschließen.
Im Bemühen um ein repräsentatives Ergebnis gab es auch andersherum formulierte Thesen. Zum Beispiel: „Mit dem Ausbau der B4 wird die Verkehrsbelastung zunehmen. Deshalb kein Ausbau!“ Dieser These folgten nur 29 Prozent der Befragten - 66 Prozent lehnten die These ab.
Zwei Drittel für einen Ausbau
Am spannendsten war dann aber wohl die Abschlussfrage: „Wie stehen Sie nun persönlich – alles in allem – zu einem vierspurigen Ausbau der B4?“ Ergebnis: 42 Prozent waren „dafür“ und weitere 24 Prozent zumindest „eher dafür“. Das Lager der Befürworter entspricht also mit 66 Prozent exakt zwei Dritteln.
Mit 67 und 66 Prozent lagen hier übrigens die Umfrageergebnisse zwischen den Befragten in der Stadt und denen im Landkreis praktisch gleichauf. Einige Unterschiede gab es laut Robert Mühle hingegen bei den Altersgruppen. Tendenz: Die jüngeren Befragten stehen einem Ausbau etwas skeptischer gegenüber. Konkretes Beispiel an folgender These: „Unternehmen, Gewerbetreibende und Beschäftigte fordern den Ausbau der B4, da sonst die Wirtschaft in Coburg Schaden nimmt! Deshalb Ausbau!“ Insgesamt lag hier die Zustimmung bei 58 Prozent (und 34 Prozent stimmten nicht zu). Bei den unter 35-Jährigen fiel das Ergebnis mit 47 Prozent zu 41 Prozent deutlich knapper aus.
Robert Mühle machte noch auf eine weitere Besonderheit im Zusammenhang mit dieser These aufmerksam: Befragte, die gar keinen Bildungsabschluss haben oder maximal Hauptschule, stimmten mit 64 Prozent zu. Bei den Befragten mit mindestens Abitur lag die Zustimmung nur bei 51 Prozent. „Es gibt eine gewisse Reserviertheit im akademischen Milieu“, analysierte Robert Mühle.
Aufgegliedert nach der Parteienpräferenz wurde laut Robert Mühle festgestellt: Bei Anhängern von CSU und FDP ist der Wunsch nach einem vierspurigen Ausbau höher als im Durchschnitt. Eine hingegen „abgeschwächte Zustimmung“ sei bei Anhängern der SPD festzustellen. Relativ „pari pari“ sei das Meinungsbild im Lager der Grünen.
„Hinter den Thesen stecken Fakten“
Zum Vorwurf von Weichengereuth-Anwohnern, wonach die Umfrage nicht auf Grundlage von Fakten durchgeführt worden sei, entgegnete Robert Mühle: „Hinter den einzelnen Thesen stecken ja Fakten!“
Lesen Sie hier Reaktionen von Anwohnern aus dem Weichengereuth:
Andreas Engel wiederum betonte, dass die IHK „neutral“ an das Thema herangegangen sei. Denn: „Wir wollen das Thema versachlichen und ent-emotionalisieren!“ Dazu gehöre auch die gewählte Vorgehensweise: Erst wollte man das Ergebnis der Umfrage abwarten. Und nun, da eine „eindeutige Position“ erkennbar sei, sehe dies die IHK als „Auftrag, das Thema nicht ad acta zu legen.“ Stattdessen wolle und werde man das Thema jetzt „weiter vorantreiben“. So würden als Nächstes der Coburger Stadtrat und der Oberbürgermeister sowie der Coburger Kreistag und der Landrat über die Umfrageergebnisse informiert.
Aufgrund der Umfrageergebnisse sieht Andreas Engel die politischen Gremien in der Verantwortung, sich erneut mit einem vierspurigen Ausbau des Weichengereuths zu beschäftigen. Der IHK-Präsident gibt auch nicht die Hoffnung auf, dass der Coburger Stadtrat seine Meinung gegenüber 2020 noch einmal ändern könnte. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Engel am Montag.
Mit Blick darauf, dass in eineinhalb Jahren – also im März 2026 - bereits ein neuer Stadtrat gewählt wird, machte der IHK-Präsident aber auch eines deutlich: „Die IHK hat kein Interesse, dass daraus ein Wahlkampfthema wird.“
„Lebensader“
Grundsätzlich wies Andreas Engel aber noch einmal auf die Bedeutung der Bundesstraße 4 im Bereich des Weichengereuths hin. Dieser 1,7 Kilometer lange Straßenabschnitt sei eine „wichtige Trasse mit vielfacher Bedeutung“; das Weichengereuth sei „Lebensader“ sowie „Verbindungsachse für Landkreisbürger, die in die Stadt Coburg fahren“. Zusätzliche Bedeutung erhalte es mit Blick auf den geplanten Klinik-Neubau, der eine „störungsfreie und zeitgemäße infrastrukturelle Erschließung“ benötige, so Engel, insbesondere für den Verkehr aus südlicher Richtung.
Doch das Weichengereuth sei eben auch ein „Flaschenhals“, wie Andreas Engel es nannte. Ein Flaschenhals, der die Menschen seit mehr als 30 Jahren „umtreibt“. Denn sowohl südlich als auch nördlich anschließend ist die B4 jeweils vierspurig.
Auch der Coburger Oberbürgermeister hat sich zur Umfrage der IHK geäußert:
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