Die Industrie- und Handelskammer zu Coburg (IHK) befürwortet seit jeher einen vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 4 im Bereich des Weichengereuths. Jetzt wird diese alte Forderung noch einmal neu untermauert, und zwar mithilfe einer Umfrage. Denn: Bei der IHK ist man der Meinung, dass diese Umfrage klar zeige, dass sich eine deutliche Mehrheit der Coburger Bevölkerung ebenfalls einen vierspurigen Ausbau wünsche.
Den Bericht zur IHK-Umfrage lesen Sie hier:
Conrad Schmöe, der im Weichengereuth wohnt, sieht dies komplett anders. Grundsätzlich ist er der Meinung, wie er auf Anfrage des Coburger Tageblatts erklärt, dass ein vierspuriger Ausbau die Entwicklung und den Lebenswert der Stadt „erschlagen“ würde. Er kritisiert aber auch ganz konkret die Umfrage der IHK, die er für „nicht aussagekräftig“ und deshalb für „wenig hilfreich“ hält.
Unter anderem ist Conrad Schmöe der Meinung, dass mit Suggestivfragen gearbeitet worden sei. Er zitiert den größten Fragenkomplex, dessen vollständiger Text wie folgt lautet: „Wir haben Meinungen der Befürworter und Gegner des Ausbaus zusammengefasst. Es handelt sich dabei nicht um Fakten“.
Kritik an Fragestellung
Conrad Schmöe und auch viele seiner Nachbarn würden sich fragen: „Wie sollen Bürgerinnen und Bürger der Stadt Coburg sich eine Meinung zum Ausbau oder Nichtausbau des Weichengereuths bilden, wenn sie keine Fakten erhalten, sondern nur ,Thesen und Ansichten'?“
Auch die Abschlussfrage hält Conrad Schmöe für bedenklich. Die lautet: „Wie stehen Sie nun persönlich – alles in allem – zu einem vierspurigen Ausbau der B4?“ Conrad Schmöe kommentiert dies erneut mit einer Gegenfrage: „Will die IHK vielleicht gar nicht, dass die Bürger anhand von Fakten entscheiden?“
Fakten gegen Gefühle?
IHK-Präsident Andreas Engel habe, wie sich Conrad Schmöe erinnert, in der bisherigen Diskussion immer betont, er wolle „Fakten gegen Gefühle“ setzen. Für umso erstaunlicher hält es Schmöe nun, dass die Umfrage auf „keinerlei Fakten“ setze, sondern nur auf Gefühle. In diesem Zusammenhang verweist Carsten Schmöe auch auf folgende Frage: „Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach für die wirtschaftliche Entwicklung in Coburg eine gute Verkehrsinfrastruktur, also die gute Erreichbarkeit von Stadt und Land mit Auto und ÖPNV?“ Kurios: Dem würde sogar Conrad Schmöe zustimmen. Aber: „Im Gegensatz zur IHK glauben wir nicht, dass das Wohl und Wehe unserer großartigen Coburger Unternehmen vom Ausbau gut eines Kilometers Straße abhängt.“
Conrad Schmöe führt als Beleg seines Standpunkts die Situation der vergangenen drei Jahre an: Denn aufgrund von Bauarbeiten sei die sogenannte Stadtautobahn zwischen Frankenbrücke und der Abfahrt zur Gaudlitz-Kreuzung seit mittlerweile drei Jahren in beiden Richtungen nur einspurig befahrbar. „Das ist zweifellos sehr nervig“, sagt Conrad Schmöe, „aber es geht keinem Unternehmen deshalb schlechter.“
Ein weiterer Kritikpunkt von Conrad Schmöe ist, dass in der Umfrage gar nicht darüber informiert werde, wie das Weichengereuth ausgebaut werden soll. Denn bei einem Ausbau, wie er zuletzt geplant war, würden zwei Ampeln den Verkehrsfluss „massiv negativ beeinflussen“, wie Conrad Schmöe befürchtet.
Für eine „intelligente Lösung“
Conrad Schmöe, der nach eigenen Angaben „im Namen vieler Anwohner“ spricht, ist sich sicher, „dass alle Fakten gegen einen vierspurigen Ausbau des Weichengereuths sprechen“. Denn: „Es geht hier nicht um Partikularinteressen, sondern darum, dass ein vierspuriger Ausbau die Entwicklung der Stadt Coburg – unserer Stadt – massiv negativ beeinflussen würde.“
Wichtig ist Conrad Schmöe der Hinweis, dass er und die weiteren Anwohner ja nicht gegen bauliche Verbesserungen im Weichengereuth seien. Sie seien aber für eine „intelligente Lösung, die die Entwicklung und den Lebenswert unserer Stadt nicht erschlägt“.
Auch der Coburger Oberbürgermeister hat sich zur Umfrage der IHK geäußert:
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