Die Brücke an der Coburger „Südzufahrt“ ist ein riesiger, über 200 Meter langer Beton-Koloss: 1970 wurde sie gebaut, und bis heute ist sie das Herzstück entlang der wichtigsten Stadteinfahrt nach Coburg.
Doch die Brücke entwickelt sich so langsam zu einem Sorgenkind. Denn zuletzt sind immer mehr Mängel aufgetreten. Bereits im Jahr 2022 war der Zustand sogar als „ungenügend“ eingestuft worden. Es erfolgen zwar regelmäßig Reparaturarbeiten, wie seitens der Stadt versichert wird. Doch um die Statik des Bauwerks nicht noch zusätzlich zu belasten, wurde im August 2024 für alle Fahrzeuge die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h auf 50 km/h heruntergesetzt.
Das wird aber nicht ausreichen, um die Brücke dauerhaft zu schützen und zu erhalten.
Ausgehend von einer Anfrage der FDP wurden zur Sitzung des Coburger Stadtrats am Donnerstag sehr viele Informationen zur Südzufahrt veröffentlicht – und dazu, wie es mittelfristig weitergehen soll.
Brücke in Coburg hat keine Zukunft mehr
Zunächst einmal wurde in der Antwort auf die FDP-Anfrage betont, dass für den Unterhalt der Brücke ausschließlich die Stadt Coburg zuständig ist. Somit müssen auch alle damit verbundenen Kosten von der Stadt gestemmt werden.
Als sich 2022 bei einer turnusmäßigen Prüfung der sehr schlechte Zustand zeigte, wurde eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung in Auftrag gegeben. Ein Ingenieurbüro kam zu dem Ergebnis, dass eine Komplett-Instandsetzung der Brücke aus wirtschaftlicher Sicht nicht
sinnvoll sei. Denn selbst, wenn die größten Mängel immer wieder beseitigt würden, hätte die Brücke keine große Zukunft mehr. Laut Einschätzung des Ingenieurbüros würde die sogenannte Restnutzungsdauer nur noch bis zum Jahr 2040 reichen.
Experten empfehlen deshalb einen Neubau, der ein echtes XXL-Projekt wäre. Alleine die Dauer des Planungs- und Genehmigungsverfahrens wird auf 10 bis 15 Jahre geschätzt.
Aber wie lange noch hält die Brücke? Vorausgesetzt, dass verschiedene Maßnahmen wie zum Beispiel die Verschärfung des Tempolimits ergriffen werden, halten Experten eine „Restnutzungsdauer“ von „mindestens zehn Jahren“ für „möglich“.
Zu diesen besagten Maßnahmen gehört zumindest zum jetzigen Zeitpunkt aber noch keine Tonnagenbeschränkung. Genau darüber hatte sich nämlich die FDP in ihrer Anfrage gewundert: Warum sollen alle Fahrzeuge langsamer fahren, während der Lkw-Verkehr sogar noch zunimmt? Mehr noch: Aus „politischen Kreisen“ werde speziell der Firma Brose nahegelegt, als Zufahrt zum Firmengelände nicht das Weichengereuth zu nutzen, sondern die Südzufahrt.
„Engmaschige Überwachung der Brückenkonstruktion“
In der am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf die FDP-Anfrage heißt es unter anderem, dass es erst dann zu einer Tonnagenbeschränkung kommen müsse, wenn sich der bauliche Zustand der Brücke weiter verschlechtert. Davon werde aktuell aber nicht ausgegangen. Zugleich wird eine „kontinuierliche, engmaschige Überwachung der Brückenkonstruktion“ versichert.
Südzufahrt: Wann kommt ein Neubau?
Die Antwort auf die FDP-Anfrage enthält noch den Hinweis, dass die Verwaltung „in Abstimmung mit dem Oberbürgermeister“ bereits an einer langfristigen Lösung arbeite. Wörtlich heißt es: „Die Perspektive für einen Brückenneubau ist langfristig gesehen eine notwendige und sinnvolle Investition in die Infrastruktur der Region.“ Ein Neubau würde zudem die Chance bieten, die Brücke an „moderne technische und verkehrliche Anforderungen“ anzupassen.
So hat die Südzufahrt in ihrer jetzigen Konstellation bekanntlich ein großes Manko: Wer sie als „Ausfahrt“ benutzt, gelangt über sie ausschließlich in Richtung Süden. Eine Anbindung an die Achse Weichengereuth, die in nördlicher Richtung zur Stadtautobahn führt, gibt es hingegen nicht. Sprich: Vielleicht lässt sich ein neues Bauwerk dergestalt konzipieren und bauen, dass es zusätzliche Verkehrsströme bedienen kann.
Die Antwort auf die FDP-Anfrage wurde am Donnerstag im Stadtrat lediglich zur Kenntnis gegeben. Nachfragen gab es nicht, so dass auch keine Aussprache stattfand.

















