Komplett in kräftiges Blau getaucht, kommt die „Infinity“-Bar daher. In dem einen Eck steht ein spaciger Sessel, an der Wand ist Platz für Polaroid-Fotos. Madeline Seit und Denise Herdegen haben der Bar ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Gleich zwei Gastro-Betriebe haben die beiden kürzlich im Coburger Steinweg übernommen – die ehemalige „Rockbar 36“ und die Bar und Lounge „Chicas“.
Schon länger gab es Gemunkel, dass Nicole Kirchner-App sich nach knapp 17 Jahren aus der Gastro-Szene in Coburg zurückziehen wollte. Ende des Jahres sahen die beiden Frauen, die bereits im „Chicas“-Team waren, dann ihre Chance. „Wir wussten, dass Nicole Nachfolger sucht und haben dann einfach gesagt, dass wir uns das vorstellen können“, sagt Denise Herdegen. Ihre Idee stößt auf Unterstützung. Kennengelernt haben sich die beiden über die Arbeit im „Chicas“. „Es hat von Minute eins einfach gepasst“, sagt die 29-jährige Denise Herdegen.
„Rockbar 36“ wird zu „Infinity“
In der Coburger Branche findet die Veränderung Unterstützung. „Klar hört man auch mal 'oh, doch so jung', aber das war eher positiv überrascht“, erzählt Denise Herdegen. Auch das Team, das die beiden übernommen haben, habe die Veränderung zwar überrascht, aber im positiven Sinne. „Es hat sich im Team eigentlich nichts verändert. Wir arbeiten immer auf Augenhöhe und das läuft gut“, sagt Denise Herdegen.
Im „Chicas“ bleibt soweit alles beim Alten. Doch für die „Rockbar 36“ wollen die beiden einen Neustart. „Wir wollten uns etwas von dem Fokus auf ‚Rock‘ lösen, deshalb auch der neue Name“, sagt die 26-jährige Madeline Seit. Mit der Neuausrichtung wollen die beiden die Zielgruppe erweitern und auch wieder mehr Leute in den Steinweg locken. „Wir wollen, dass die Leute wieder gerne in den Steinweg gehen“, sagt Denise Herdegen.
Nachtleben-Branche im Umbruch
Zuletzt gab es viel Bewegung in der Coburger Nachtleben-Szene. Im vergangenen Jahr musste die „Hilde“ schließen, weil das Gebäude saniert wird – vorerst das Ende des Techno-Clubs. Für die Bar „Prince“, gab es mit Selina Griebel eine vielversprechende Nachfolgerin. Doch im Oktober 2024 dann die Nachricht: Der Laden wird dichtgemacht. Der Grund: Der Pachtvertrag wurde nicht verlängert.
Auch aus anderen Städten hört man Sorgen um die Nachtleben-Szene. Aurélie Bergen, Geschäftsführerin des Bundesverbands deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT), kennt die Situation besonders für Diskotheken nur zu gut. „Der Konkurrenzdruck hat aufgrund des größer gewordenen medialen Angebots für die klassischen Discotheken-Gäste zugenommen“, sagt sie.
Insbesondere soziale Netzwerke und Medien deckten Angebote ab, die früher als Alleinstellungsmerkmal für Discotheken galten. Auch spiele der demografische Wandel, rechtliche und politische Rahmenbedingungen eine Rolle. „Noch nie hatte die Branche mit so großen und grundsätzlichen Themen zu kämpfen wie heute“, sagt Bergen.
“Das Betreiben einer Discothek ist komplexer und anspruchsvoller geworden und erfordert ein professionelles Management.
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„Die Branche ist dabei, sich zu erholen.“
„Das Betreiben einer Discothek ist komplexer und anspruchsvoller geworden und erfordert ein professionelles Management“, erläutert Bergen. Durch wirtschaftliche Herausforderungen und die Nachwirkungen der Pandemie würden die Gastronomie-, Event- sowie Discothekenbranche hart getroffen, sodass einige Betriebe zur Geschäftsaufgabe gezwungen waren.
„Die Branche ist dabei, sich zu erholen. Erfreulicherweise verzeichnen wir die Aufnahme von jungen dynamischen Mitgliedern, die mit neuen innovativen Konzepten laufende Geschäfte übernehmen oder neue Betriebe eröffnen“, sagt Bergen.
„Wer gesellschaftliche Trends frühzeitig erkennt und aufgreift, wer sein Konzept an die veränderten Marktgegebenheiten anpasst und sein Angebot entsprechend ausrichtet, wer auf die sich ändernden Gästewünsche eingeht, wer seinen Betrieb professionell führt, wird nach wie vor erfolgreich sein“, sagt Bergen.
Madeline Seit und Denise Herdegen gehen mit Optimismus und Tatendrang an das Projekt und wollen unter anderem mit diversen Angeboten auch wieder mehr Studierende in den Steinweg locken.


















