0
Gastronomie in Coburg
Wechsel in Traditionsgasthaus in Coburg
Die „Loreley“  in der Herrngasse zählt zu den ältesten Gasthäusern in Coburg. Markant ist auch die  reich bemalte Fassade. Das namensgebende „Loreley“-Gemälde im Hausflur gibt es allerdings nicht mehr.
Die „Loreley“ in der Herrngasse zählt zu den ältesten Gasthäusern in Coburg. Markant ist auch die reich bemalte Fassade. Das namensgebende „Loreley“-Gemälde im Hausflur gibt es allerdings nicht mehr. // Oliver Schmidt
Coburg – Wird aus der „Loreley“ ein chinesisches Lokal? Die Wirtsleute nehmen Stellung zu Gerüchten – und kündigen tatsächlich Veränderungen an.

Es ist kurz nach 10 Uhr an diesem Mittwoch in der „Loreley“. In der Küche des traditionsreichen Gasthauses geht’s noch ganz gemächlich zu, denn die ersten Gäste werden erst zur Mittagszeit erwartet. Draußen jedoch, in den sogenannten sozialen Medien, brodelt es längst, und zwar in der Gerüchteküche: „Habt ihr schon gehört? Aus der ,Lore‘ wird bald ein chinesisches Restaurant!“ Nicht wenige setzen das mit einem Untergang des Abendlandes gleich: Gibt es in einem der ältesten Wirtshäuser Coburgs also künftig Peking-Ente statt Sauerbraten und Glasnudeln statt Klöße?

Privat wie beruflich ein unzertrennliches Paar: Tanja und Jakob Stadlmeyer hatten zunächst den Festungshof, ehe sie im April 2012 „die Lore“ übernahmen.
Privat wie beruflich ein unzertrennliches Paar: Tanja und Jakob Stadlmeyer hatten zunächst den Festungshof, ehe sie im April 2012 „die Lore“ übernahmen. // Oliver Schmidt

„So ein Blödsinn“, sagen Tanja und Jakob Stadlmeyer, die seit April 2012 die „Loreley“ gepachtet haben. Im Gespräch mit dem Tageblatt kündigen die beiden aber an, dass sie kürzer treten wollen. „Ich werde nächstes Jahr 70“, erklärt Jakob Stadlmeyer, „und ich hatte nicht vor, noch mit 90 am Herd zu stehen…“

Wer ist der neue Wirt?

Zusammen mit dem Eigentümer des Gebäudes in der Herrngasse konnte auch schon ein Nachfolger gefunden werden. Der Name soll noch nicht verraten werden, doch bei der Suche war es eine zentrale Bedingung, dass in der „Lore“ weiterhin eine gutbürgerliche Küche angeboten wird. Das, was Tanja und Jakob Stadlmeyer in den vergangenen gut zehn Jahren aufgebaut haben, soll jetzt nicht einfach über Bord geworfen werden. Um das sicher zu stellen, bleiben Tanja und Jakob Stadlmeyer sogar in beratender Funktion erhalten. Ebenso kann der neue Pächter, der außerhalb Coburgs bereits gastronomische Erfahrung gesammelt hat, auf den Kern des jetzigen „Lore“-Teams zurückgreifen. Allen voran bleibt auch Küchenchef Thomas Stammberger, der seit mehr als 30 Jahren ein treuer Wegbegleiter der Stadlmeyers ist.

Corona verschärft die Lage

Dass gutes Personal das A und O eines funktionierendes Lokals ist, haben viele Gastronomen auch schon vor Corona gewusst. Doch die Pandemie hat die Lage noch einmal verschärft. „Auch wir haben in den vergangenen zwei Jahren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren, weil sie sich etwas anderes gesucht haben“, erzählen Tanja und Jakob Stadlmeyer. Deshalb musste das Gasthaus in der jüngsten Zeit auch immer mal wieder recht kurzfristig geschlossen bleiben. „Ja, die vergangenen zwei Jahre waren krass“, sagt Jakob Stadlmeyer – und aus seinem Munde klingt das auch deshalb so wuchtig, weil er nun einmal ein Vollblut-Gastronom ist, der mittlerweile auf sage und schreibe 55 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann.

Koch im Kaufhaus „Mohren“

Zu Beginn seiner gastronomischen Laufbahn war Jakob Stadlmeyer in den 1970er Jahren sogar schon einmal als Chefkoch in der „Loreley“ tätig. Es folgten Stationen in der Goebel-Kantine sowie im damaligen Restaurant des Kaufhauses „Mohren“ in der Coburger Spitalgasse. Weil Stadlmeyer es schaffte, diesem Kaufhaus-Restaurant zu einem richtig guten Ruf zu verhelfen, wurde die Coburger Hofbräu (später zu „Paulaner“ gehörend) auf ihn aufmerksam und bot ihm 1989 die Bewirtschaftung des Festungshofs an. Jakob Stadlmeyer griff zu, und erlebte „die beruflich wie privat schönste Zeit überhaupt“, wie er sagt. Der Zusatz mit dem „privat“ liegt vor allem daran, dass er sich eines Tages in eine Mitarbeiterin namens Tanja verliebte… Seit 1994 sind die beiden ein unzertrennliches Paar.

Großbrand kurz nach der Eröffnung

Gemeinsam entschieden die beiden dann auch, den Festungshof Ende 2011 aufzugeben. Doch aus der kleinen Pause, die sie sich eigentlich gönnen wollten, wurde nichts. Denn der neue Eigentümer der „Loreley“ wollte die beiden unbedingt haben. Nach einer umfassenden Innen- wie Außensanierung ging es im April 2012 los. Und nur wenige Wochen später entging die „Loreley“ beim Großbrand an Pfingsten nur knapp einer Feuerkatastrophe.

Nachfolger wird eingearbeitet

Trotzdem überwiegen jetzt die positiven Erinnerungen. „Es war zwar immer viel Arbeit, aber es hat uns viel Spaß gemacht“, sagt Jakob Stadlmeyer. Ebenso freut er sich jetzt aber auf etwas mehr Freizeit. Gemeinsam mit „seiner“ Tanja will er vor allem einige Reisen unternehmen. Eine besondere, berufliche Herausforderung steht außerdem noch ab 1. November an: Er will mithelfen, seinen Nachfolger einzuarbeiten. Die richtige Übergabe soll dann im Laufe des kommenden Jahres erfolgen.

Warum heißt die „Loreley“ in Coburg eigentlich „Loreley“?

Hintergrund Die „Loreley“ war auch immer schon bei den Akteuren des benachbarten Landestheaters sehr beliebt. Problem: Wenn diese nach einer Vorstellung kamen, fanden sie oft nur noch im Hausflur Platz. Damit es dort etwas schöner ist, brachten die Theatermaler Max und Gotthold Brückner um 1852 ein Gemälde an, das den Rhein mit der Loreley zeigte. So wurde es bald zu einem geflügelten Begriff, sich „bei der Loreley“ zu treffen. 1860 erfolgte die offizielle Umbenennung von Gasthaus „Herrnbeck“ in „Loreley“.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!