Dort, wo bis vor kurzem noch grünes Kunststoff-Moos an der Wand hing, sind jetzt Schwarz-Weiß-Zeichnungen vom Marktplatz, von der Veste oder auch von Coburgs historischen Stadttoren zu sehen. Statt bunter und noch dazu blinkender LED-Lichter dominiert ein warmer, gemütlicher Ton im gesamten Raum. Die Lampen, die über den Tischen baumeln, sind von den weißen, etwas altmodisch wirkenden Schirmchen befreit. Und auf den zwei großen Flachbildschirmen werden künftig keine laufend wechselnden Landschaftsbilder mehr aus der Karibik oder Kanada zu sehen sein, sondern – zumindest jetzt im Winter – ausschließlich Bilder von einem knisternden Kamin.
Kurzum: Im Coburger Ratskeller wurde kräftig aufgeräumt. Die Zeiten, in denen hier eine mexikanische Restaurantkette angesiedelt war, sind vorbei. Das neue Pächter-Duo Helen Thumerer und Nima Khorsandi will stattdessen zurück zu den Wurzeln. Ja, modern darf es gerne sein, wie sie erklären, aber der besondere Charakter der traditionsreichen Räume soll nicht verloren gehen.
Mitte Oktober hatten Helen Thumerer und Nima Khorsandi den Zuschlag als neue Pächter bekommen. Seitdem haben die beiden nicht nur viel geräumt, sondern auch am neuen Konzept gefeilt. Schneller als gedacht ist jetzt alles fertig. Die Eröffnung, die eigentlich für den 1. Dezember angepeilt war, kann deshalb bereits an diesem Freitag, 28. November, erfolgen.
Gastronomie statt Grundschule
Ein erstes Test-Essen mit Familie und Freunden ist zwar erfolgreich verlaufen, wie zu hören ist. Dennoch steigt vor allem bei Helen Thumerer die Anspannung. Dazu muss man wissen: Die 26-Jährige hat sich für einen sehr mutigen Schritt entschieden. Noch bis vor kurzem hat sie Grundschullehramt studiert. Bevor es jetzt ans Referendariat gegangen wäre, steigt sie aber lieber voll in die Gastronomie ein – nachdem sie bereits sechs Jahre lang nebenbei in der Sportsbar „Wohnzimmer“ im Steinweg gearbeitet hat. Dort kam auch der Kontakt mit Nima Khorsandi zustande, dem das „Wohnzimmer“ gehört.
„Ich lebe für die Gastronomie“, sagt Helen Thumerer. Weil sie sehr viel Spaß am Umgang mit Menschen habe, fühle es sich für sie „manchmal gar nicht wie Arbeit“ an. Okay, für die vergangenen fünf Wochen mag das nicht gelten. Aber diese Vorbereitungszeit ist ja fast überstanden, bald kommen die ersten Gäste.
Nima Khorsandi: Gastro-Erfahrung in Coburg und Würzburg
Nima Khorsandi ist mit seinen 44 Jahren auch noch relativ jung. Zu einer Institution in der Gastro- und vor allem auch Event-Branche ist er trotzdem längst geworden. Bereits im Alter von 22 Jahren hatte er begonnen; mit 24 eröffnete das „Wohnzimmer“ in Coburg. Heute besitzt er in Würzburg gleich vier Bars und Kneipen, außerdem veranstaltet er – zusammen mit Enrico Pizzato – in Coburg das Schlossplatzfest, das Weinfest und aktuell auch das Winterfest auf dem Albertsplatz.
Dass er eines Tages auch mal ein Gasthaus betreiben würde, habe er selbst nicht gedacht, sagt Nima Khorsandi. Doch als die Stadt Coburg für den altehrwürdigen Ratskeller einen neuen Pächter suchte, fand er das sehr reizvoll. Zusammen mit Helen Thumerer bildet er nun ein Duo, das natürlich sehr unterschiedlich ist. „Aber wir ergänzen uns prima“, sagt Helen Thumerer. Der eine stehe für viel Erfahrung, die andere für frischen Wind.
„Fränkisches Essen mit Pfiff“
Dieser Mix lässt sich auch auf die Speisekarte übertragen: Sie enthält traditionsreiches, fränkisches Essen mit dem einen oder anderen Pfiff. In der Eigenwerbung wird das wie folgt beschrieben: „Wir servieren regionale Klassiker, Brotzeit und vegetarische und vegane Gericht – frisch, ehrlich und bezahlbar.“
Die Speisekarte gilt ganztägig und das auch noch an allen sieben Tagen in der Woche. Sogar die mehr als sechs verschiedenen Bratengerichte werde es täglich geben. Weitere Besonderheiten auf der Karte sind zum Beispiel original Wiener Schnitzel vom Kalb, die Coburger Bratwurst zubereitet als Currywurst sowie – für Veganer – Seitanbraten in Biersoße.
Coburger Ratskeller setzt auf fränkische Biere
Apropos Bier: Auch hier setzen Helen Thumerer und Nima Khorsandi auf Regionales. Vom Fass wird es Mönchshof und Sturms geben; aus der Flasche kommen bis zu zehn weitere Biere dazu, die allesamt fränkisch sind. Auch viele weitere Getränke kommen aus der näheren Umgebung: etwa der Coburger Hoflikör von der benachbarten Hof-Apotheke, diverse Säfte aus Bad Rodach sowie Gin aus Rödental. Die Weine liefert Wein Oertel aus Coburg.
Spiel-Ecke für Kinder
Gäste, die im neuen Ratskeller lediglich etwas trinken wollen – sei es ein Bier oder ein Kaffee –, sind ebenfalls willkommen. Für sie gibt es jenseits der Tische einen gemütlichen Bereich mit Stehtischen. Wichtig ist dem neuen Pächter-Duo auch eine kleine Spiel-Ecke für Kinder gewesen.
Insgesamt verfügt der Ratskeller über rund 120 Sitzplätze im Hauptraum; weitere 30 bis 35 Plätze gibt es in der separaten Ratsstube. Im Sommer sind in der Außengastronomie rund 80 Plätze möglich.
Die Suche nach ausreichend Personal ist erstaunlich leicht gefallen, wie Nima Khorsandi erzählt. Er glaubt, dass dies nicht zuletzt an der guten Adresse gelegen haben könnte: „Viele sind heißt auf den Ratskeller!“ Ums Essen werden sich vier Köche plus Küchenhilfen kümmern; insgesamt können Helen Thumerer und Nima Khorsandi auf einen Pool aus 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (überwiegend in Teilzeit) zurückgreifen.
“Wir wollen auch die Coburger wieder in den Ratskeller holen!
”
Nima Korsandi hat beobachtet, dass in den vergangenen Jahren vor allem Touristen im „Ratskeller“ eingekehrt sind. Mit dem neuen Konzept soll die Zielgruppe deutlich erweitert werden: „Wir wollen auch die Coburger wieder in den Ratskeller holen!“ Vielleicht helfen dabei ja auch die Empfehlungen der drei Coburger Bürgermeister, die auf der Speisekarte extra ausgewiesen sind: Oberbürgermeister Dominik Sauerteig empfiehlt Fränkischen Sauerbraten mit Coburger Klößen und Wirsing; der Tipp des Zweiten Bürgermeisters Hans-Herbert Hartan ist das Original Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat; Dritter Bürgermeister Can Aydin legt den Gästen die Coburger Klassiker Brotzeitplatte ans Herz.
Ratskeller in Coburg
- Wiedereröffnung des Ratskellers in Coburg: Freitag, 28. November
- Künftige Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 23 Uhr
- Besonderheit: durchgehend warme Küche
- Weitere Informationen: ratskeller-coburg.com
Braten und Soße mit Pfiff gibt es auch in der Folge „Lokale Lokale“:



































