Der Truck, mit dem Melanie Glover durch den US-Bundesstaat Virginia fährt, ist relativ klein. Die Leidenschaft, die sie in dieses Projekt steckt, ist aber um so größer. Schon möglich, dass sich manche Menschen wundern, wie jemand auf die Idee kommt, im Land der Burger und Hot Dogs ausgerechnet deutsche Küche anzubieten. Der Ausruf „What the hell?“ (zu deutsch: „Was zum Teufel?“) wäre trotzdem nicht angebracht. Stattdessen müsste es heißen: „What the Schnitzel“. Denn das ist der Name des Trucks und der Firma. Vorher hatte Melanie Glover in den USA bereits einen kleinen Cateringbetrieb, den sie „Coburger Bistro“ nannte – in Erinnerung an ihre Heimatstadt.
Zwei große Lieben haben im bisherigen Leben von Melanie Glover zu entscheidenden Wendungen geführt: die Liebe zum Kochen und die Liebe zu einem Mann. Ihre Ausbildung zur Köchin absolvierte sie, als sie mit Nachnamen noch „Eller“ hieß, im Restaurant Kräutergarten in Coburg. Danach arbeitete sie im Gasthof Fink im Coburger Stadtteil Lützelbuch, der damals von ihren Großeltern betrieben wurde (und heute von ihrem Onkel). Dann lernte Melanie einen Amerikaner kennen, der Ende der 1990er Jahre in Würzburg seinen Militärdienst leistete. Die beiden verliebten sich und heirateten – und als die Militärzeit von Mister Glover vorüber war, sahen die beiden ihre gemeinsame Zukunft in den USA.
Start mit „Coburger Bistro“
Zunächst wurde Florida zur neuen Heimat. Es folgte ein Umzug nach Georgia und schließlich nach Reston in Virginia. Selbst wenn Melanie Glover inzwischen geschieden ist: Die Liebe zum Kochen ist geblieben. Irgendwann hatte sie dann die Idee zum besagten „Coburger Bistro“. Sie bot dort deutsche Küche an: „Schnitzel, Schweinshaxen, Bratwürste – oder auch Waffeln, Gulaschsuppe und Rumkugeln.“
Verkaufsanzeige auf Facebook
Was der Köchin immer ganz wichtig war und auch noch immer ist: „Ich amerikanisiere mein Essen nicht! Ich koche so, wie ich es in Coburg gelernt habe.“ Obwohl sie ihr Catering eigentlich nur im erweiterten Freundeskreis anbot, sprach es sich in und um Reston sehr schnell herum, dass es da eine gute Köchin aus „good old germany“ gibt. Das wiederum spornte Melanie Glover an, den nächsten Schritt zu wagen: „Auf Facebook habe ich Anfang 2023 eine Anzeige gesehen: Zum Verkauf angeboten wurde ein Burger-Truck.“ Zunächst habe sie die Anzeige ignoriert. Doch als sie von Freunden zwei Monate später darauf hingewiesen wurde, dass der Truck noch immer zu haben ist, schlug sie zu.
Schwarz – Rot – Gold
Viel umbauen musste sie im Fahrzeug zum Glück nicht. Stattdessen konnte sie sich darauf konzentrieren, das Fahrzeug optisch schön herzurichten. Das Logo besteht aus drei Buchstaben: WTS – die Abkürzung für „What the Schnitzel“. Der komplette Truck wird von den Farben Schwarz, Rot und Gold dominiert. Noch viel spannender ist aber natürlich ein Blick auf die Speisekarte: Es gibt – jeweils als Sandwich in einem frischen Ciabattabrötchen – griechisches Schnitzel, mexikanisches Schnitzel oder auch Schnitzel Hawaii.
Der persönliche Favorit von Melanie Glover ist „The Korean“. Bei diesem koreanischen Schnitzel wird das panierte Fleisch mit scharfem Kimchi, also fermentiertem Gemüse, belegt. Auch eine hausgemachte Knoblauchsauce kommt dazu. „Diese Schärfe passt sehr gut zum Ciabattabrötchen“, findet Melanie Glover und kritisiert bei dieser Gelegenheit die meisten anderen Brötchen, die es in Amerika gibt: „Die sind so lätschert!“ Und noch ein Hinweis ist ihr wichtig: „Mein Kimchi ist ohne Fischsoße.“ Denn in den USA gebe es viele Menschen mit Allergien, und Allergergien rund um Fischprodukte seien besonders weit verbreitet. Auf die steigende Zahl der Vegetarier nimmt sie ebenfalls Rücksicht: „Bei mir gibt’s auch Käsespätzle!“ Auf Wunsch werden diese mit einer vegetarischen Jägersoße gereicht.
Unterwegs auf Oktoberfesten
Egal, ob der „WTS“-Truck in einem bestimmten Wohngebiet steht oder vor einem Einkaufszentrum oder einer Schule Station macht: Die Speisen von Melanie Glover kommen an. „Aktuell werde ich auch ständig für Oktoberfeste gebucht“, sagt sie und lacht: „In Amerika werden zurzeit überall Oktoberfeste gefeiert!“ Klar, dass dann ein Truck mit deutschen Gerichten besser passt als ein Burger- oder Hot-Dog-Verkauf. „Deutsches Essen ist in Amerika grundsätzlich sehr beliebt“, sagt Melanie Glover, „allerdings kennen die meisten nur Bratwurst und Sauerkraut.“
Kontakt in die alte Heimat
Apropos Bratwurst: In Coburg ist Melanie Glover zwar nur noch selten, doch zumindest telefonisch hält sie regelmäßig Kontakt zur Familie. Auf die Frage, ob sie im fernen Amerika etwas vermisst, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Die Coburger Bratwurst!“ Außerdem: „ein gutes Schäufele mit Coburger Klößen“.
Übrigens: Ihre Verbundenheit zur alten Heimat geht sogar so weit, dass es auch auf der Internetseite von „WTS“ (whattheschnitzel.com) Coburger Spuren zu entdecken gibt. So tauchen in der Bildergalerie zwischen den diversen Schnitzel-Variationen und dem hausgemachten Kartoffelsalat plötzlich auch Fotos von der Veste und vom Coburger Marktplatz auf – und vom Gasthof Fink in Lützelbuch. Und wer ist der junge Mann, der auf einem Foto zusammen mit Melanie Glover lachend vor dem Truck zu sehen ist? „Das ist mein Sohn Devin“, erzählt sie stolz. Der 22-Jährige habe ebenfalls viel Spaß am Kochen und helfe ihr deshalb bei „What the Schnitzel“.
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