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Am Freiherr-von-Stockmar-Platz
Wenn Bauzäune Kunden fernhalten – ein Stoffladen leidet
Barbara Schramm und Luigi Mingolla vor ihrem Laden in der Webergasse 6
Der Vorinhaber und seine Nachfolgerin umgeben von Bauzäunen: Barbara Schramm und Luigi Mingolla stehen vor Schramms Stoffladen in der Coburger Webergasse. // Foto: Jonas Christmann
Coburg – Es soll Coburgs grünes Wohnzimmer werden. Momentan ist der Stockmar-Platz mehr Betonwüste als Verweiloase. Ganz zu Lasten von Barbara Schramms Stoffgeschäft. Über ihren Kampf gegen die Verzögerungen.

Wo ist der Eingang in diesem Chaos? Etwas ratlos steht eine ältere Kundin mit ihrer weißen, defekten Nähmaschine vor dem Stoff- und Nähmaschinenladen von Barbara Schramm. Endlich angekommen im Geschäft, in der Webergasse gleich neben dem Parkhaus Mauer, beruhigt Schramm ihre leicht verzweifelte Kundin. Sie sei nicht die einzige, die aktuell Probleme hat, den Eingang zu finden. „Das geht auch meinen Stammkunden so.“ 

Beinahe versteckt, hinter Bauzäunen, Absperrschranken, Geröll und Kabeln, hängt über einem Schaufenster ein blau-weißes Schild mit der Aufschrift „Nähmaschinen Mingolla“. Es braucht ein kundiges Auge, um den schmalen Gang zur Tür schnell zu entdecken – ohne extra außen herumzulaufen. „Einfach eine blöde Situation“, wie es die 61-jährige Barbara Schramm formuliert. 

Baustelle Coburger Webergasse
Aktuell ist sie mehr Betonwüste als grüne Wohlfühloase: Die Baustelle am Freiherr-von-Stockmar-Platz dauert länger als geplant. // Foto: Jonas Christmann

Freiherr-Von-Stockmar-Platz: Bauende verschiebt sich um mehr als ein Jahr

Die „blöde Situation“ beginnt 2024. Der Freiherr-Von-Stockmar-Platz soll restauriert und zu Coburgs „grünen Wohnzimmer“ werden, wie es die Stadt auf ihrer Webseite verlauten lässt – mit neuen Belags- und Grünflächen, Sitzmodulen, Beleuchtung und Bepflanzung. Laut dem Grünflächenamt der Stadt Coburg sollten die Bauarbeiten im Sommer 2024 beginnen und gegen Ende 2024 fertiggestellt werden. Jedoch: „Die Arbeiten mussten aufgrund einer schwierigen Marktsituation und unzureichenden Angeboten mehrfach ausgeschrieben werden.“ Dadurch habe sich die Bauzeit grundsätzlich verschoben, so das Grünflächenamt. Im März 2025 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen.

Neues, geplantes, voraussichtliches Ende: September 2025; im Oktober 2025 soll dann die Begrünung folgen. 

Vorinhaber Luigi Mingolla kann es nicht nachvollziehen

So eine Situation sei tödlich, so könne ein kleines Geschäft nicht überleben, findet Luigi Mingolla, der den Laden vor mehr als 25 Jahren gegründet hat. Die Suche nach einem Nachfolger beschreibt der 70-Jährige als „sehr schwierig“, froh sei er gewesen, als vor drei Jahren klar wurde, „dass der Laden mit der Barbara weitergeht – und jetzt werden solche Steine in den Weg gelegt“. Er sei zwar kein Bauexperte, aber dennoch findet er: „Die Baustelle müsste längst fertig sein.“ 

Nähmaschinen, erklärt Mingolla, „sind schwer zu tragen“.  Vor der Baustelle hätten Kunden direkt vor dem Geschäft parken können. Entsprechend kurz war der Weg in den Laden. Und jetzt in Baustellenzeiten müssten die Kunden im Parkhaus Mauer parken. „Dann fragen sich die Kunden – wie komme ich jetzt mit der Nähmaschine in den Laden?“ Hinzu kommt die triste Baustellen-Optik, das steinerne Geröll, die eisernen Zäune: „Die Leute denken sich doch, der Laden hier ist dicht.“ Seine Nachfolgerin ergänzt einen Gedanken ihrer Kunden: „Was ist das für ein Labyrinth?“

Barbara Schramm, Inhaberin Mingolla Nähmaschinen in der Webergasse
Babara Schramm sitzt in ihrem Stoffladen und nimmt die Hände zusammen. Sie sagt, es müsse sich was ändern, sonst halte sie nicht mehr lange durch. // Foto: Jonas Christmann

Nähmaschinen Mingolla droht finanzieller Kollaps

Erst hätten Verlegeplatten ihr Schaufenster zu getackert und so den Kunden die Sicht auf den Laden versperrt. Dann der Kampf um den Bauzaun. Der ziehe sich zum Glück inzwischen nicht mehr so weit nach hinten. Und dann diese Schriftzüge, direkt neben den Öffnungszeiten: Inzwischen bedeckt Barbara Schramm ihre Schaufensterflächen selbst mit weißen Pappschildern und der knallroten Info: „Geöffnet, Webergasse 6.“ Eine Aktion wie ein Hilferuf: „Ich will die Kunden darauf aufmerksam machen, dass es uns noch gibt.“

Finanziell, erzählt sie, laufe es für sie nicht mehr so gut. Das sei ganz einfach: „Ich habe erhebliche Einbußen.“ Luigi Mingolla ergänzt, es laufe immer mal besser, mal schlechter: „Aber wenn es nur noch schlecht läuft, dann läuft es irgendwann gar nicht mehr.“ Seine Nachfolgerin nickt.

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