0
Stoffgeschäft Coburg
Nachfolge gefunden: Sein Wunsch war ihr Traum
Schlüssel gegen Kinderkleidchen: Barbara Schramm ist Schneiderin und Nähmaschinenfan. Sie übernimmt das Geschäft von Luigi Mingolla, der nach 25 Jahren aufhören will.
Schlüssel gegen Kinderkleidchen: Barbara Schramm ist Schneiderin und Nähmaschinenfan. Sie übernimmt das Geschäft von Luigi Mingolla, der nach 25 Jahren aufhören will. // Simone Bastian
Coburg – Barbara Schramm und Luigi Mingolla hatten sich vor Jahren aus den Augen verloren. Ein Bericht im Coburger Tageblatt brachte sie nun wieder zusammen.

Es war kurz vor Weihnachten 2021, als Luigi Mingolla dem Coburger Tageblatt seinen großen Wunsch schilderte: Das 25-jährige Bestehen seines Nähmaschinengeschäfts feiern und bei dieser Gelegenheit an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergeben. Denn Mingolla hatte das Rentenalter erreicht, wollte aufhören.

Doch gleichzeitig hätte es ihn geschmerzt, das Geschäft ganz aufzugeben. Auch seine Kunden: Als es hieß, er werde womöglich schließen, schafften viele ihre Nähmaschinen noch einmal zu Mingolla für eine letzte Durchsicht. „Sogar bis aus dem Raum Fürth“, sagt er.

Barbara Schramm hatte seit langem tief im Innern den Wunsch gehegt, sich mit einem Stoff- und Nähgeschäft selbstständig zu machen. Aber sie hatte auch einen guten Job in einem Bamberger Textilunternehmen – warum sollte sie wechseln? Weil es ihr Traum war, sagt sie. „Jetzt oder nie. Es hat alles zusammengepasst. In fünf Jahren hätte mir mit der Frage keiner mehr kommen brauchen.“

Die Tochter las es in der Zeitung

Ihre älteste Tochter, die in Buch am Forst wohnt, hatte die Geschichte von Luigi Mingolla in der Zeitung gelesen und die Mutter informiert: „Das wär’ doch was für dich.“

Hinzu kommt, dass Barbara Schramm und Luigi Mingolla sich eigentlich schon lange kennen: Schramm, gelernte Schneiderin, hielt vor etwa 20 Jahren Nähkurse für Mingollas Kunden. Weil die 58-Jährige aber aus privaten und beruflichen Gründen vor einigen Jahren von Coburg wegging, riss der Kontakt ab.

Zweimal sprachen sie miteinander, klärten, was sie beide wollten als Geschäftsinhaber und mögliche Nachfolgerin. „Ich werde den Laden übernehmen, wie er ist, und die Kunden weiterhin so betreuen“, verspricht Barbara Schramm. Mit einem Unterschied: Als Schneiderin kann sie ihren Kunden auch Tricks verraten und Tipps geben fürs Nähen und nicht nur für den Umgang mit der Nähmaschine.

Technik, die begeistert

Mit den Geräten kennt sie sich aus. „Schon als Vierjährige hab ich die Nähmaschine meiner Mutter zerlegt.“ Und als die Mutter schimpfen wollte, habe der Vater gesagt: „Lass nur, sie baut sie auch wieder zusammen.“ Mechanik, Maschinen – das habe sie schon immer interessiert, sagt Barbara Schramm.

Als Schneiderin hat sie ohnehin mehrere Maschinen zuhause. Sie wartet sie selbst. Von daher waren die zwei wesentlichen Standbeine des Ladens kein Problem für sie: Verkauf, Reparatur und Wartung von Nähmaschinen, Verkauf von Stoffen. Das dritte Standbein ist der Stickservice, den sie weiterhin anbieten will: Namen oder Logos auf Handtücher und andere Textilien sticken.

Ob sie auch das vierte Standbein, den Bügelservice, so weiterführt wie das Ehepaar Mingolla, weiß Regina Schramm noch nicht. Vielleicht schafft sie sich ja ein anderes Standbein – im Schaufenster hängt schon ein gepunktetes Kinderkleidchen mit doppeltem Volant, von ihr selbst genäht.

„Nähmaschinen waren immer mein Traum“

Vor Jahren hatte sie sich schon einmal mit einer Änderungsschneiderei selbstständig gemacht, dann aber wieder als Angestellte im Kleidungshandel gearbeitet. Nun wagt sie erneut den Sprung in die Selbstständigkeit, wird von Scheßlitz nach Coburg ziehen und freut sich auf das, was vor ihr liegt.

„Ich könnte mich auch auf die Rente vorbereiten, aber Nähmaschinen waren schon immer mein Traum.“ Seit Wochen lässt sie sich von Luigi Mingolla an den Samstagen in die verschiedenen Modelle einweisen, von mechanisch bis elektronisch. „Inspektionen kann sie schon alleine“, sagt der 68-Jährige stolz.

Ihn freut, dass Barbara Stamm das Geschäft mit der gleichen Grundhaltung weiterführen will wie er und seine Frau es aufgebaut haben: „Mit Fleiß und Zuverlässigkeit.“ In der ersten Zeit will der seiner Nachfolgerin noch bei Bedarf zur Seite stehen, aber absehbar nicht mehr, sagt er. Denn im Garten in Scherneck hat der gebürtige Italiener zahlreiche Feigen verschiedener Sorten zu betreuen – er will herausfinden, welche er dauerhaft in seinen Garten pflanzen kann, weil sie das Klima hier vertragen.

Der Laden wird bleiben, wo er ist (im Erdgeschoss des Parkhaus Mauer), ebenso wie der Name „Nähmaschinen Mingolla“. Nur, dass ab 1. Juni eben Barbara Schramm hinter der Theke steht. „Wir hatten immer zu tun“, sagt Mingolla, nun schon zurück blickend. „Wir waren immer ausgelastet durch unsere Vielseitigkeit.“

 

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!