Energiekosten
Klinikum Kulmbach sorgt sich wegen Gaspreisen
Das Klinikum Kulmbach hat bereits viel getan, um Energie zu sparen. Betten leer stehen zu lassen, wie hier während der Corona-Pandemie, hilft nicht.
Das Klinikum Kulmbach hat bereits viel getan, um Energie zu sparen. Betten leer stehen zu lassen, wie hier während der Corona-Pandemie, hilft nicht.
Foto: Archiv/Christine Fischer
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Kulmbach – Das Kulmbacher Klinikum sorgt sich wegen enorm steigender Gaspreise ab dem nächsten Jahr.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat Alarm geschlagen. Preissteigerungen auf dem Energiemarkt, ob Strom oder Gas, aber auch massiv teurere Einkaufspreise im Bereich des medizinischen Bedarfs brächten Kliniken im ganzen Land zunehmend in Existenznot. 40 Prozent der deutschen Krankenhäuser sehen laut DKG ihre Situation so gefährdet, dass Insolvenzen drohen, 60 Prozent seien bereits in den roten Zahlen.

Personalmangel kommt hinzu

Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG, sieht schwarz, wenn kein Inflationsausgleich kommt: „Krankenhäusern droht die Schließung aus wirtschaftlichen Gründen, der Personalmangel gefährdet die Versorgung, die Kliniken erwarten horrende Rechnungen für Gas und Strom, und das alles in Erwartung einer Herbst- und Winterwelle.“ Die Politik schaue zu, wie Kliniken ins Straucheln geraten.

Das Kulmbacher Klinikum zählt laut Geschäftsführerin Brigitte Angermann derzeit noch zu den Glücklichen in einer Situation, die auch sie mit Sorge betrachtet. „Für 2022 haben wir noch gute Preise, weil wir langfristige Verträge abgeschlossen hatten. Aber die laufen zum Jahresende aus, was Gas angeht. Für das nächste Jahr sieht es dementsprechend schlecht aus. Wir müssen mit immens steigenden Preisen für Gas rechnen.“

Beim Strom hingegen habe das Klinikum so etwas wie eine „Schonfrist“, weil bereits ein Vertrag für das kommende Jahr abgeschlossen wurde: „Da sind wir noch auf der sicheren Seite.“ Doch Grund für eine völlige Entwarnung sei das auch für das Kulmbacher Klinikum nicht. „Es wird uns mit ziemlicher Sicherheit mit siebenstelligen Beträgen treffen, außer es kommt der Preisdeckel, den die EU angekündigt hat.“

Zertifiziertes Umweltmanagement

Das Klinikum Kulmbach hat seit 20 Jahren ein zertifiziertes Umweltmanagement und setzt sich Jahr für Jahr Umweltziele. Die technischen Anlagen seien auf dem neuesten Stand, viele Maßnahmen seien ergriffen worden, um Energie zu sparen. „Deshalb sind weitere Einsparungen durch Reduzierung der Verbräuche nur in geringem Umfang möglich.“

Angermann spricht von einer Belastung, betont aber: „Wir sind nicht in der Existenz gefährdet, wie das bei anderen Krankenhäusern der Fall ist, die seit Jahren negative Ergebnisse schreiben und jetzt umso mehr in die Bredouille kommen.“

Einfach die Preise erhöhen, das geht nicht im Gesundheitssystem. Was Krankenhäuser verrechnen dürfen, ist per bundeseinheitlich festgelegten Fallpauschalenkatalog definiert. Die Geschäftsführerin erklärt dazu: „Wir haben einen staatlich regulierten Erlös. Da kann nur die Bundesregierung kurzfristige finanzielle Hilfen beschließen um das Problem über einen Inflationsausgleich möglichst schnell zu lösen.“

Die explodierenden Energiepreise seien nur das eine, die Sachkosten im medizinischen Bereich das andere. „Wir spüren die Preiserhöhungen an allen Ecken und Enden, bei den Arzneimitteln, beim medizinischen Sachbedarf, bei Lebensmitteln und Logistikkosten und dies bereits während der gesamten Pandemie.“ Als Beispiel nennt Angermann den Einkauf von Skalpellen. Dafür müsse inzwischen der dreifache Preis bezahlt werden.

Düstere Aussichten

Die DKG malt ein düsteres Bild, um ihre Forderung nach Inflationsausgleich zu unterstreichen und beruft sich auf eine Umfrage. Demnach können 96 Prozent der Krankenhäuser die gestiegenen Kosten nicht mehr aus den laufenden Einnahmen bezahlen. „Ein Krankenhaus mittlerer Größe wird nach aktuellen Berechnungen 2023 mehr als sechs Millionen Euro mehr für Gas und Strom bezahlen, als im Jahr 2021. Mehrausgaben in Millionenhöhe, die nicht gedeckt sind. Allein das macht auf alle Kliniken hochgerechnet einen Fehlbetrag von rund vier Milliarden Euro. Insgesamt gehen wir für das Jahr 2023 von einer Unterdeckung von zehn Milliarden aus.“

 

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