Für junge Leute ist es selbstverständlich: Sie setzen sich ins Auto, in den Zug oder das Flugzeug und können in alle Länder der EU reisen. Ohne Probleme, ohne Aufwand. Ein Personalausweis genügt. Das war nicht immer so.
„Ohne Frage, Europa hat uns mehr Reisefreiheit gebracht.“ Stefan Schaffranek (68) ist seit rund 50 Jahren in der Tourismus-Branche tätig und weiß, wovon er spricht. Er hat mit seinem Kulmbacher Reisebüro die Veränderungen hautnah miterlebt, die nach seinen Worten mit dem Maastricht-Vertrag 1993 ihren Anfang nahmen.
Visum war für Polen oder Ungarn erforderlich
Schaffranek blickt dabei auf die Öffnung des ehemaligen Ostblocks. „Vor der EU gab es noch viele Länder, in die man nur mit Visum einreisen konnte, zum Beispiel Polen oder Ungarn.“ Dazu musste im Vorfeld der Reise das Konsulat des jeweiligen Landes aufgesucht werden, um den Antrag zu stellen. Die Konsulate befanden sich in der Regel in deutschen Großstädten wie Frankfurt, München oder Berlin. Neben dem Aufwand wurden Kosten in Form von Gebühren fällig.
Nicht zu vergessen die Grenzkontrollen. Ein populäres Beispiel aus der „guten alten Zeit“: Wer mit dem Auto oder Bus nach Griechenland reisen wollte, der musste mit mehreren Grenzkontrollen rechnen. Auf der gängigen Route in Österreich, Slowenien, Jugoslawien und Griechenland.
Eine Reise mit vielen Währungen
Und im Zweifelsfall, so Schaffranek, mussten je nach Aufenthaltsdauer in den Ländern verschiedene Währungen getauscht werden – in Österreich der Schilling, in Slowenien der Tolar, in Jugoslawien der Dinar und in Griechenland der Drachme.
„Das ist vielen Leuten so gar nicht mehr bewusst“, sagt der Reiseexperte mit Blick auf die Einführung des Euro, der solche Aktionen inzwischen überflüssig macht. Nicht zu vergessen die schlechteren Kurse, wenn man das verbliebene Urlaubsgeld wieder zurück in D-Mark tauschen wollte.
Reisen in der EU: Nur ein Personalausweis nötig
Auch ist heute für Reisen innerhalb der EU ein Personalausweis ausreichend. Früher war teilweise ein Reisepass erforderlich. Der 68-Jährige erinnert sich an eine Gruppenreise mit 100 Personen Mitte der 1970er Jahre nach Budapest. „Damals brauchten alle Reisepässe und ein Visum, das etwa 20 Mark pro Person kostete. Dazu Antragsformulare und Devisenwechsel." Alles vorbei. „Heute nimmt man seinen Personalausweis und setzt sich in den Flieger.“
Das Gleiche galt für Reisen nach Oberschlesien, die Heimat vieler Flüchtlinge. Auch der Besuch dort war nur mit einem Visum möglich. Inzwischen unvorstellbar. „Man fährt jetzt einfach mit dem Auto hin.“
Ungeahnte Möglichkeiten für Beitrittsländer
Die Zugehörigkeit zur Europäischen Union brachte aber nicht nur den reiselustigen Deutschen Vorteile, sondern auch den Beitrittsländern. So eröffneten sich für „wunderbare Länder wie Litauen und Estland“ ungeahnte Möglichkeiten in Sachen Tourismus.
Aktuell zeichne sich eine positive Entwicklung für Albanien ab, das als Beitrittskandidat gerade stark in den Fokus von Urlaubern gerate. „Das touristische Interesse an dem Land ist stark gestiegen.“
Neue Fluggesellschaften und neue Routen
Es hat sich aber auch viel hinter den Kulissen getan, was normale Reisende gar nicht groß mitbekommen. Schaffranek nennt hier die Deregulierung des Flugverkehrs. Während früher die einzelnen Staaten die Hoheit über ihren Flugraum hatten, wurde der Flugraum durch die EU ebenfalls geöffnet. Was die Gründung neuer Fluggesellschaften – inklusive der Billigflieger – sowie ein erweitertes Angebot und neue Flugrouten zur Folge hatte.
Was für Reisebüros zudem ein wichtiger Punkt ist: der erhöhte Verbraucherschutz bei Flugverspätungen und -ausfällen. Die Entschädigungen seien ganz klar geregelt.
Passagierrechte: Keine versteckten Kosten mehr
Ebenso wurden die Passagierrechte gestärkt, es gebe keine versteckten Kosten mehr. Bei der Buchung müsse ersichtlich sein, was an zusätzlichen Steuern oder Zuschlägen anfalle.
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Was für Millionen Urlauber jedes Jahr eine Erleichterung ist – egal, wo und wie sie in der EU unterwegs sind – ist die Smartphone-Nutzung, im Fachjargon Roaming genannt. Denn es ist der EU zu verdanken, dass die Nutzung des Handys in einem EU-Land das gleiche kostet wie im Heimatland.
Telefonieren in der EU kostet so viel wie Zuhause
Wer eine Flatrate gebucht hat, kann also ohne Mehrkosten auch im Urlaubsland so lange telefonieren, wie er will. Früher sind dafür teils massive Roaminggebühren angefallen, weiß Schaffranek aus eigener Erfahrung.
Schaffranek hat all diese Entwicklungen mit seinem Reisebüro hautnah miterlebt. Nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführer im Jahr 2022 ist er immer noch halbtags tätig und unterstützt seine Töchter nach Kräften, die das Geschäft weiterführen. Und er ist schon gespannt, was sie noch mit der EU erleben werden.
Der Wahl-o-Mat ist nicht mehr erreichbar
Seit 2002 gibt es den Wahl-O-Mat der bpb. Er hat sich zu einer festen Informationsgröße im Vorfeld von Wahlen etabliert. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, finden Sie hier die Informationen zum Wahl-o-Mat.
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