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Pumpen laufen
Fischsterben: Hoffnung im Naherholungsgebiet Kieswäsch
Henry Scherm und Gabriel Rochholz vom Fischereiverein Kulmbach haben die Aufgabe, die toten Fische aufzusammeln. Beide Jugendliche sind geschockt über die Vielzahl.
Henry Scherm und Gabriel Rochholz vom Fischereiverein Kulmbach haben die Aufgabe, die toten Fische aufzusammeln. Beide Jugendliche sind geschockt über die Vielzahl. // 
Kulmbach – Der Sauerstoffwert in der Kieswäsch ist nicht mehr kritisch, aber tote Fische müssen noch länger eingesammelt werden

Hoffnungsschimmer am Oberhof: Der Sauerstoffgehalt steigt, der Wind sorgt für ein Kräuseln im Wasser und belüftet den See. Noch einschließlich heute sind die drei Hannibal-Pumpen der THW-Ortsgruppen aus Kronach, Naila und Pegnitz sowie kleinere Pumpen vor Ort. Dann sollte das Schlimmste überstanden sein.

Wenige Spaziergänger, Kiosk ist aber auf

Touristen verirren sich derzeit nicht an die Kieswäsch. Denn die Katastrophe hat sich herumgesprochen. Lediglich wenige Spaziergänger sind unterwegs. Trotzdem sind etliche Tische am Kiosk besetzt. Sheila Grebner und Markus Boos haben kaum Zeit, zu sprechen. Sie tischen Kaffee und Kuchen, Bier und Wienerle auf. Business as usual – fast ein ganz normaler Ferientag. Die Stammgäste sind da, einige Ausflügler. Manche wussten von der Katastrophe noch gar nichts.

Der kleine Emilio kommt seit Sonntag jeden Tag an den Oberauhof. „Ich will auch zum THW“, sagt der Dreijährige. Jeden Tag möchte er die großen Pumpen anschauen. Er bewundert die Männer, die sie bedienen. Nadine Reichert und Dominik Bauer erfüllen dem kleinen Technikfreak gerne den Wunsch. Ein Eis gibt es obendrein.

Es schmeckt dem kleinen Emilio. Denn übler Geruch liegt – entgegen anderslautenden Gerüchten – nicht in der Luft. Es ist fast wie immer am Oberauhof. Nur, dass nicht gebadet wird und keine Gäste rund um den See liegen. Der Dreijährige kann genau erklären, was passiert ist. „Die Fische haben zu wenig Sauerstoff“, sagt er.

Im Bereich des Kiosks ist kaum etwas von der Logistik, die im Hintergrund abläuft, zu spüren. Die Kiosk-Gäste sehen lediglich die blauen Zelte des THW, die Autos und natürlich die riesigen Pumpen, die rund um den See postiert sind. Man sieht, dass sie mit riesigen Rohrleitungen Wasser umwälzen. Die kühlen Temperaturen helfen und der aufkommende Wind kräuselt die Wasseroberfläche. „Das ist schon mal gut. Der Wind hilft auch ein bisschen“, sagt Gerald Kummer vom Fischereiverein.

Gerald Kummer vom Fischereiverein zeigt eine Brachse. Neben Zander und Barschen haben vor allem Brachsen nicht überlebt. Sonny Adam
Gerald Kummer vom Fischereiverein zeigt eine Brachse. Neben Zander und Barschen haben vor allem Brachsen nicht überlebt. Sonny Adam // 

Gerald Kummer hat eigentlich Urlaub. Und weil er Fische liebt, war er bereits morgens beim täglichen Jourfix mit Oberbürgermeister Ralf Hartnack und allen Vertretern aller beteiligter Ämter zugegen. „Der Schaden ist natürlich immens, aber eben nicht zu beziffern. Schätzungsweise haben wir schon vier Tonnen Fisch raus“, sagt Kummer. Doch die Hoffnung, dass schon bald wieder Normalität einzieht, ist groß. Denn die aktuellen Messwerte liegen bei vier bis sechs Milligramm Sauerstoff pro Liter. Das bedeutet: über dem kritischen Bereich. Fische sterben meistens dann, wenn der Wert unter drei Milligramm pro Liter sinkt.

Doch von einem Normalwert ist der See noch etwas entfernt. „Man muss einfach schauen, wie sich alles entwickelt“, sagt Kummer.

Kummer war es auch, der am Sonntagabendalarm schlug. „Ich habe gesehen, wie die Aale alle versucht haben, ins Rohr mit Frischwasser zu schwimmen. Es gab einen richtigen Ansturm“, erklärt Kummer. Wenig später wurden dann die ersten toten Fische entdeckt.

Brachsen wurden panisch

Besonders stark betroffen waren Zander, aber auch Barsche und Brachsen. „Die Brachsen sind ja relativ große Fische. Sie brauchen viel Sauerstoff. Wenn Sauerstoff fehlt, werden sie panisch – das verschlimmert die Situation“, sagt Kummer. Aber auch Aale und Karpfen waren betroffen, sogar einige Hechte. „Wir haben rund 25 Jahre alte Graskarpfen raus. Die waren 1,20 Meter lang und wogen 30 Pfund. Das ist natürlich schade“, sagt Kummer.

Aktuell sammelt die Fischereijugend die toten Fische auf. Mit Eimern laufen Henry Scherm (13) und Gabriel Rochholz (15) das Ufer ab. Die meisten Exemplare sind Brachse. „Das betrifft einen schon. Das ist schon schlimm“, sagt Henry Scherm.

Viele Fische haben rote Einblutungen, fast wie Blutergüsse. Sie können auf extreme Atemnot hindeuten. Dabei steigt der Blutdruck in den feinen Gefäßen der Haut und der Flossen; kleine Gefäße können geschädigt werden. Allerdings kommen auch andere Ursachen wie erhöhte Ammoniak- oder Nitritwerte oder bakterielle Infektionen infrage. Gewissheit wird es erst in einigen Tagen geben. Das Umweltamt ist eingebunden und ermittelt die genaue Ursache für das Fischsterben am Oberhof.

An Tag drei fährt Gewässerwart Martin Schmidt vom Fischereiverein Kulmbach mit dem Kalkboot Richtung Schilf. Denn durch den Wind werden viele tote Fische ins Schilf getrieben. Auch sie sollen entsorgt werden. Die Container werden täglich geleert.

Werte sind besser geworden

Andrea Bohl, Pressesprecherin der Stadt Kulmbach, teilte am Dienstagnachmittag mit, dass die Hilfemaßnahmen mit den drei riesigen Hannibal-Pumpen der THW-Ortsgruppen Kronach, Naila und Pegnitz und weiteren kleineren Pumpen erst einmal bis heute liefen, um das Wasser am Oberhof umzuwälzen. „Wir beobachten die Werte. Und die sind schon besser geworden“, sagte Bohl.

Auch der Verwaltungsrat für den Oberhof, Rainer Ludwig, sieht sich um. Er ist erst aus dem Urlaub zurückgekommen und sofort zum See geeilt. „Das was passiert ist, ist schrecklich. Aber ich bin beeindruckt, wie die Rettungskräfte zusammenarbeiten. Wir tun alles Mögliche, um die Situation schnell wieder in den Griff zu bekommen. Und dann müssen wir natürlich Ursachenforschung betreiben“, sagt Ludwig und verweist auf die Erhebungen durch Professor Klaus Hagen.

Die Kioskbetreiber Sheila Grebner und Markus Boos indes jammern nicht. „Wir haben ganz normal geöffnet“, betonen sie. Und natürlich hoffen sie, dass sich die Situation bald wieder bessert und der See wieder ins Gleichgewicht kommt. Es sieht gar nicht so schlecht aus ...

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