Sie jagen im Dunkeln und orientieren sich mit Ultraschall: Bei der Europäischen Bat Night auf der Plassenburg sind die Fledermäuse am Samstagabend für einige Stunden ins Rampenlicht gerückt. Der LBV zeigte, warum die Burg für die Tiere eine besondere Bedeutung hat und wie jeder zu ihrem Schutz beitragen kann.
Zu Anschauungszwecken
Mika ist vorbereitet. Der Sechsjährige hat seine Taschenlampe mitgebracht, schließlich soll es auf Fledermaussuche gehen. Erst einmal aber schaut er sich am Stand des Kulmbacher Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) genau an, was Winfried Bloche ihm zeigt: eine tote Fledermaus, die der Naturschützer zu Anschauungszwecken dabeihat.
Fasziniert betrachtet Mika die feinen Gliedmaßen. „Wir hatten auch schon mal eine in der Wohnung“, erzählt er. „Die war genau über dem Fernseher und ich frage mich, wie die hereinkam.“
Mit dieser Frage ist er nicht allein. Was tun, wenn sich einer der nächtlichen Flugkünstler ins Wohnzimmer verirrt? „Keine Panik: Licht aus und Fenster weit auf“, rät Katrin Geyer vom Kulmbacher LBV. In aller Regel finde das Tier von alleine wieder hinaus.
Solche praktischen Tipps gehören ebenso zur Europäischen Bat Night wie Informationen über Lebensweise und Gefährdung der Tiere. Seit fast 30 Jahren beteiligt sich der LBV daran. Auf der Plassenburg hat die Veranstaltung einen besonderen Bezug zum Ort: Die weitläufigen Keller gehören zu den bedeutendsten Winterquartieren für Fledermäuse in Bayern. 13 von etwa 25 Arten in Bayern überwintern hier, darunter Mopsfledermaus, Großes Mausohr und Wasserfledermaus.
Fledermäuse suchen sich für den Winterschlaf Spalten, Ritzen und Winkel, in denen sie mitunter kaum zu entdecken sind. Im Winterschlaf fahren Fledermäuse ihren Stoffwechsel weit herunter und zehren von ihren Fettreserven. Werden sie aufgeschreckt, steigt ihr Energieverbrauch – ausgerechnet zu einer Jahreszeit, in der ihre Nahrung fehlt. Denn alle heimischen Fledermäuse ernähren sich von Insekten.
Wie erstaunlich die Tiere sind, zeigte Erich Schiffelholz bei seinen Vorträgen in der Burgkapelle. Eine Zwergfledermaus etwa ist so klein, dass sie bequem auf einen Daumen passt. Ihre normale Körpertemperatur im aktiven Zustand liegt bei rund 40 Grad. Für Schiffelholz sind Fledermäuse ein „Wunderwerk der Natur“
Definitiv keine Blutsauger
Ihr Leben spielt sich größtenteils im Verborgenen ab. Genau das macht sie für viele geheimnisvoll – und sorgt bis heute für falsche Vorstellungen. „Leider hält sich hartnäckig das Bild vom Blutsauger“, sagt Katrin Geyer. Mit der Bat Night wolle der LBV deshalb auch Berührungsängste abbauen.
Bei Greta und Isabella braucht es dazu nicht viel Überzeugungsarbeit. Die sieben und zwölf Jahre alten Schwestern basteln beim Spielmobil des Kreisjugendrings eigene Fledermäuse. Echte haben sie schon öfter gesehen, „um die Laterne bei unserem Grundstück“. Isabelle findet die Tiere „süß“. Greta war zunächst skeptischer: „Aber als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich keine Angst mehr.“
Während die Kinder im Schönen Hof beim Landkreis-Spielmobil basteln, spielen oder sich Fledermausmotive ins Gesicht schminken lassen, geht es am LBV-Stand auch darum, weshalb die Tiere Unterstützung brauchen. Viele von ihnen leiden darunter, dass ihre Quartiere verschwinden. Dächer und Fassaden werden saniert, Fugen und Ritzen verschlossen.
Gleichzeitig macht ihnen der Rückgang der Insekten als Nahrungsgrundlage zu schaffen. Dabei könne jeder mit einfachen Mitteln etwas tun, sagt Geyer: Fledermauskästen bieten Ersatzquartiere, naturnahe Gärten mit heimischen Pflanzen und möglichst vielen Insekten schaffen Nahrung. Auch ein Gartenteich hilft. Und nicht jede Ritze an einem Gebäude müsse zwangsläufig verschlossen werden.
Wie aufwendig Fledermausschutz sein kann, zeigt das LBV-Projekt „Hilfe für Hufis“, auf das Winfried Bloche aufmerksam macht. Es widmet sich der Großen und Kleinen Hufeisennase in der Frankenalb. Beide Arten sind selten und auf geeignete Quartiere angewiesen. Der LBV hat bereits Gebäude für ihren Schutz gesichert und sucht nach weiteren Quartieren. Über eine Webcam lässt sich zudem das Leben der Tiere beobachten.
Beeindruckende Flugkünste
Auf der Plassenburg selbst haben die Fledermäuse europäischen Schutzstatus: Gemeinsam mit der Festung Rosenberg in Kronach zählt das Winterquartier zu den regionalen FFH-Gebieten. Einige Fledermausarten fliegen mehrere Hundert Kilometer zwischen Sommer- und Winterquartier.
Wie beeindruckend ihre Flugkünste sind, zeigt sich schließlich, als es dunkel wird. Taschenlampen werden eingeschaltet, Bat-Detektoren machen die für menschliche Ohren nicht wahrnehmbaren Ultraschallrufe hörbar. Schon die erste Führung in die Keller stößt auf großes Interesse, ebenso die spätere Tour durch die Kasematten.
Dann kommt der Moment, auf den vor allem die Kinder gewartet haben. Im Bereich des Christiansportals brechen Hunderte Fledermäuse zum nächtlichen Jagdflug auf. Und wer Fledermäuse bis dahin vor allem mit Vampirgeschichten verbunden hat, dürfte sie seit diesem Abend mit anderen Augen sehen.













