Die Stimmung bei der Maschinenbaufirma Zaigler ist in der Vorweihnachtszeit mehr als getrübt: Die 80 Mitarbeiter des Traditionsunternehmens in der Gummistraße bangen um ihren Job. Die Firma, die 2021 an die Gienanth Group mit Sitz in Eisenberg in der Pfalz verkauft worden ist, ist insolvent. Ende November wurde eine Sanierung in Eigenverwaltung angemeldet.
Betriebsrat: „Wir brauchen Gewissheit“
Die Belegschaft selbst hat davon aus der Presse erfahren, wurde am Freitag dann bei einer Mitarbeiterversammlung informiert. Der Arbeitgeber habe keine konkreten Perspektiven aufgezeigt, heißt es. „Für uns ist das eine schwierige und belastende Situation“, sagt Betriebsratsvorsitzender Kai Schmidt. „Wir haben hart gearbeitet und brauchen Gewissheit, wie es weiter geht.“
Betrieb in Kulmbach läuft weiter
Der Betrieb läuft vorerst weiter, die Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld bis einschließlich Januar 2024 abgesichert, teilt die Gienanth-Gruppe mit, die anschließend selbst wieder für Löhne und Gehälter aufkommen will. Das betrifft nicht nur die Belegschaft in Kulmbach, sondern auch die Beschäftigten aller weiteren von der finanziellen Schieflage betroffenen Gienanth-Gesellschaften: Auch Gienanth Group GmbH und Gienanth Sales GmbH (beide Eisenberg) sowie die Fronberg Guss GmbH (Schwandorf) sind insolvent.
„Unsere Prüfung hat ergeben, dass sich eine gemeinsame Sanierungsperspektive für die Gienanth Group am besten durch die Eigenverwaltungen realisieren lässt“, stellt Geschäftsführer Torsten Stein fest. Jetzt gelte es, „zusammen mit unseren Beratern, dem vorläufigen Sachwalter und unseren Geschäftspartnern weiter die richtigen Schlüsse aus der Situation zu ziehen und gemeinsam an der finanziellen Neuaufstellung der Gruppe zu arbeiten“, ergänzt Geschäftsführer Stephan Vrublovsky.
Sanierungsexperten sind im Boot
Bei der Insolvenz in Eigenverwaltung wird Gienanth von der Schultze & Braun GmbH & Co. KG unterstützt, einer Kanzlei, die auf Restrukturierungen spezialisiert ist. Gienanth sei ein unverzichtbarer Anbieter hochqualitativer Gussteile, sagt Sanierungsexperte Jürgen Erbe. Zum vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Jan Markus Plathner aus der Kanzlei Brinkmann & Partner bestimmt. Die bisherige Geschäftsführung aller Gesellschaften bleibt während der gesamten Sanierungsphase im Amt.
Das sind die Gründe für die Schieflage
Gienanth ist eine Gießerei-Gruppe, die sich auf die Herstellung und Veredelung hochwertiger Eisengussteile im Maschinen- und Handformverfahren spezialisiert hat. Die Firma habe mit dem jetzigen Schritt auf die gestiegenen finanziellen Belastungen reagiert, betont Stephan Vrublovsky. Die Gruppe habe finanzielle Einbußen durch die Auswirkungen der geopolitischen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Krisen zu verkraften gehabt.
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Durch die Pandemie seien Lieferketten gestört und die Verfügbarkeit wichtiger Einzelteile eingeschränkt worden. „Insbesondere unsere Kunden aus der Automobilindustrie mussten wegen der mangelnden Verfügbarkeit von Halbleitern ihre Produktionen drosseln und haben auch bei Gienanth weniger Bestellungen abgerufen“, so der Geschäftsführer. Hinzu seien Mehrbelastungen durch stark gestiegene Preise für Rohstoffe und Energie gekommen, insbesondere in Folge des Ukraine-Krieges. „Diese Steigerungen konnte Gienanth zwar an die Kunden weitergeben, jedoch nur mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung, was die Bilanz zusätzlich belastete.“
Russland-Sanktionen treffen Kulmbach
Die Sanktionen gegen Russland hätten dazu geführt, dass die Produktionsstandorte Kulmbach und Schwandorf größere Aufträge nicht mehr ausführen konnten, die für den russischen Markt bestimmt gewesen seien. Mit dem Sanierungsverfahren wolle man die Gruppe zukunftsfähig aufzustellen. „Wir wollen das Unternehmen und möglichst viele unserer Arbeitsplätze dauerhaft sichern“, sagt der Geschäftsführer. „Dafür wird Gienanth in den kommenden Monaten einen Sanierungsplan erarbeiten und nach potenziellen Investoren suchen, die bereit und in der Lage sind, unsere Unternehmensgruppe mit frischem Geld auszustatten und in die Zukunft zu führen.“
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