Für ein Leben als Angestellter fühlt sich Kilian Hoock einfach nicht gemacht. Es ist nicht so, dass es der 36-Jährige aus Bamberg nicht versucht hätte. Aber so unterschiedlich die Jobs auch waren, genervt haben sie Hoock am Ende alle. „Ich bin eher für Selbstverantwortung“, sagt er.
Hoock ist studierter Philosoph. Seine Einstellung zum Leben aber gleicht mindestens so sehr der von Künstlern. Den auch die kennen weder Chefs noch Hierarchien. Und noch etwas teilt Hoock mit ihnen. Ein Einkommen, das am Ersten eines jeden Monats verlässlich auf dem Konto landet, haben weder er noch sie.
Das ist der Preis der Freiheit. Einerseits. Andererseits will sich Hoock weder mit den eignen prekären Lebensumständen abfinden noch mit denen von Künstlerinnen und Künstlern. Mit seiner neuen Galerie glaubt Hoock jetzt für beides eine Lösung gefunden zu haben. "Alles ein Mal“ heißt die Galerie. Im Herbst 2023 hat Hoock sie am Fuß des Kaulbergs eröffnet.
Kilian Hoock will die Bamberger Kunstszene unterstützen
Mit "Alles ein Mal" wagt sich Hoock nicht nur auf das dünne Eis der Selbstbeständigkeit. Er versteht seine Galerie gleichzeitig als Plattform, die Kunst und Kommerz zusammenführen soll. In diesem Sinne ist die Galerie zu gleichen Teilen Verkaufsraum und Leistungsschau der Bamberger Kunstszene.
Denn in Bamberg arbeiten und leben sie alle, denen Hoock in seiner Galerie eine Wand freiräumt. Das ist kein Zufall, sondern Programm: "Ich will mit meiner Galerie ausdrücklich die Akteure der Bamberger Kunstszene unterstützen"." Sie heißen Kurt Tubanisch, Sabrina Catowiez, Ignacio Basaure, Barbara Bollerhoff oder Alexander Vasilyev.
Nicht immer handelt es sich um Einzelstücke, in den allermeisten Fällen aber schon. Im Namen seiner Galerie spielt Hoock mit dem Kunstwerk als Original und der Aura, die es verströmt: „Alles ein Mal“.
Auf eine verbindliche kuratorische Handschrift verzichtet Hoock. Stattdessen triumphiert die stilistische Vielfalt. In seiner Galerie finden sich Großformatiges neben Kleinformatigem, Ölgemälde neben Fotografien, Abstraktes neben Gegenständlichem, Politisches neben Kreatürlichem. Ein von Darius Götsch fotografiertes Eichhörnchen etwa ist für 50 Euro zu haben.
Überhaupt die Preise: Bamberg ist kein Hotspot der zeitgenössischen Kunst. Dafür fehlen der Stadt die Museen und die Messen, dazu fehlt ihr in den Augen von Hoock aber auch eine gesellschaftliche Schicht, die ihr soziales Prestige durch den Kauf hochpreisiger Kunst stabilisiert.
Eine Skulptur von Ignacio Basaure kostet 3000 Euro
Stattdessen legt Hoock sein Augenmerk vor allem auf die Mittelschicht. Eine, die Kunst kaufen und besitzen möchte. Eine, die sich dafür aber weder verschulden noch auf den nächsten Familienurlaub verzichten möchte. Zwischen 10 Euro und 3000 Euro kosten die Objekte in der Hoocks Galerie.
Für zehn Euro gibt es eine als Unikat gestaltete Postkarte von Alexander Vasilyev, für 3000 Euro Ignacio Basaures Skulptur "Painting with Soul".
Auf einer abstrakteren Ebene arbeitet Hoock mit seiner Preispolitik an einer Demokratisierung des Kunsterwerbs. „Kunst soll für möglichst viele erschwinglich sein“, sagt Hoock.
Als zweite große Zielgruppe hat Hoock die Touristen definiert. Sie sollen in seiner Galerie finden, was sie später mit wohligem Gefühl an ihren Aufenthalt in Bamberg zurückdenken lässt. Das können etwa die großformatigen, im Geiste der Pop-Art gemalten Bilder von Markus Heger sein.
Aus dem Meer der Formen und Farben treten darauf die einschlägigen Sehenswürdigkeiten der Stadt hervor. Hegers künstlerisches Verfahren mag nur wenig subtil sein. Ihre Wirkung auf den Betrachter verfehlen die Bilder freilich nicht.
Hoock behält vom Verkaufspreis eine Provision
Die Künstler und Künstlerinnen dürfen in Hoocks Galerie präsentieren, was sie selbst für gelungen und marktfähig halten.
Eine Miete von den Künstlerinnen und Künstlern verlangt Hoock nicht. Stattdessen behält er von den Verkaufspreisen eine Provision ein. Auf diese Weise finanziert er sich und seine Galerie. Wie hoch diese Provision ist, sagt er nicht: „Das ist eine Sache zwischen den Künstlern und mir.“
Die letzten Monate liefen für Kilian Hoock nicht so gut
Die ersten Monate nach der Eröffnung liefen gut, die Zeit vor Weihnachten dagegen blieb hinter den selbst gesteckten Erwartungen zurück. „Und jetzt im Januar fehlen die Touristen“, sagt Hoock.
Er klagt nicht. Er sucht die Schuld auch nicht bei anderen, etwa den Künstlern und ihren Werken. Selbstständigkeit bedeutet auch, sich von unternehmerischen Durststrecken nicht entmutigen zu lassen. So sieht das Hoock.
Zwei Jahre gibt sich Kilian Hoock. Bis dahin will er von seiner Galerie leben können. Das wünscht sich Hoock nicht nur selbst. Das wünscht er auch den Bamberger Künstlerinnen und Künstlern. „Denn das hieße ja“, sagt Kilian Hoock, „dass bis dahin viele ihrer Werke verkauft worden sind.“
Adresse:
Alles ein Mal
Am Pfahlplätzchen 6 in Bamberg
geöffnet von dienstags bis samstags,11 bis 18 Uhr
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