Zwischen Elektronikfachhändler, Tiernahrungsgeschäft und Baumarkt schlägt am Bamberger Laubanger auch das Herz der Literatur. Dort hat unter dem Dach der Bamberger Verlagsgruppe der Kinder- und Jugendbuchverlag Magellan sein Quartier bezogen.
Ende 2023 zieht Magellan mit anderen Verlagstöchtern in ein neues Gebäude. Die Arbeiten auf einem nahe gelegenen Grundstück sind fortgeschritten, ein Baukran ist von weit her zu sehen.
Der Neubau steht symbolisch für einen Verlag, der an seine Zukunft glaubt.
Das Gros ihres Umsatzes bestreitet die Bamberger Verlagsgruppe mit dem Verkauf von Schulbüchern. Gebündelt ist dieses Geschäft im Verlag C.C. Buchner.
Die Wachstumspotenziale im Geschäft mit den Schulbüchern hielt Gunnar Grünke allerdings schon vor vielen Jahren für nahezu ausgereizt. „Der öffentliche Etat liegt in Bayern seit 2004 bei 40 Euro pro Kind und Schuljahr“, sagt der Geschäftsführer der Verlagsgruppe.
Mit Grünke und Rebscher fanden sich zwei Suchende
Dass die beabsichtigte Diversifizierung in einem Kinder- und Jugendbuchverlag Gestalt annehmen sollte, war ein Ergebnis von Umständen und Timing. „Wenn mir damals einer ein stimmiges Konzept für einen Reisebuchverlag vorgestellt hätte, wäre es ein Reisebuchverlag geworden“, sagt Grünke.
Es kam anders.
Im Jahr 2012 kreuzten sich die Wege von Grünke und Ralf Rebscher. Nach Jahren in der Kinder- und Jugendbuchbranche trug sich Rebscher mit dem Gedanken an einen eigenen Verlag. Für seine Pläne suchte Rebscher nach einem starken Partner. In Grünke und der Bamberger Verlagsgruppe glaubte er diesen gefunden zu haben. „Es hat einfach gepasst“, sagt Rebscher.
Der Magellan Verlag wurde 2012 gegründet
Ende 2012 wurde Magellan als Tochter der Verlagsgruppe ins Leben gerufen. Rebscher wurde Geschäftsführer. Er ist es bis heute.
Zehn Jahre später beschäftigt Magellan 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für das Geschäftsjahr 2021 bilanziert der Verlag einen Umsatz von 5,3 Millionen Euro. Den Gewinn bezeichnet Rebscher als „auskömmlich“.
Knapp 90 Prozent seiner Bücher verkauft Magellan in Deutschland. Laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels fielen 2021 knapp 19 Prozent des Gesamtumsatzes im Buchhandel auf Kinder- und Jugendbücher. Größer ist nur die Bedeutung der Belletristik.
Die Platzhirsche heißen Carlsen, Ravensburger und Oetinger. Das Marktforschungsinstitut Media Control ordnet Magellan auf Platz 19 ein. Berücksichtigt wurde der 2021 bilanzierte Jahresumsatz von etwa 130 Kinder- und Jugendbuchverlagen in Deutschland und Österreich.
„Ich glaube, wir haben einiges richtig gemacht“, sagt Verlagschef Grünke.
Ein fränkischer Verlag? Ja und nein
Magellan ist ein fränkischer Verlag in dem Sinne, dass das Gros der Arbeit in Bamberg geleistet wird. Hier fällt die Entscheidung, welche Manuskripte zu Büchern werden und welche nicht. Hier werden Manuskripte anschließend lektoriert und die Buchcover entworfen. Nur Korrektur gelesen und gedruckt werden die Bücher anschließend woanders.
Kein fränkischer Verlag ist Magellan in dem Sinne, dass der Standort die literarische Identität bestimmen würde. Zwar schreiben für Magellan auch fränkische Autoren wie Tanja Kinkel oder Suza Kolb. „Aber das hat was mit ihrer Qualität zu tun und nichts damit, dass sie aus Franken kommen“, sagt Grünke.
Von Flöhen und dem "Stampfosaurus"
Magellans Portfolio beinhaltet Spiele, Bilderbücher, Kinderbücher, Jugendbücher. Sie heißen „Auf welchem Po hüpft der Floh?“, „Der Stampfosaurus“ oder „Küsse im Sommerregen sind auch nur nass“.
Kinder- und Jugendbücher gehorchen eigenen Gesetzen. Diese beginnen mit der Herausforderung, dass sich Autorinnen und Autoren in die Welt von Leserinnen und Lesern hineinversetzen müssen, die mehrere Jahrzehnte jünger sind.
Gleichzeitig müssen sich auch Eltern und Großeltern angesprochen fühlen. Denn meist sind sie es, die im Namen ihrer Kinder und Enkel die Bücher auswählen.
Kinderbüchern gehorchen eigenen Gesetzen
Zu den umsatzstärksten Magellan- Büchern zählt Suza Kolbs Reihe „Die Haferhorde“. Die Liebe zu Pferden scheint jungen Leserinnen und Lesern generationenübergreifend in der DNA zu stecken.
Ungeachtet dieser genretypischen Konventionen stellt sich die Frage gesellschaftlicher Verantwortung für einen Kinder- und Jugendbuchverlag in besonderem Maß. So stecken in den Büchern von Magellan eine Vielzahl von Hautfarben, Ethnien und Rollenmodelle. Stichwort Diversität, Stichwort gendersensible Geschlechterverhältnisse.
Einen Erziehungsauftrag beansprucht Magellan trotzdem nicht. Zwar literarisiert etwa Natasha Friend in ihrem Jugendroman „No Game. Jetzt ist Schluss mit Schweigen!“ Leitmotive der „Me too“-Debatte, was Magellan mit dem Attribut „empowernd“ bewirbt.
"Fridays for Future" zertrümmerte Gewissheiten
Auf der anderen Seite hat Magellan bislang weder ein Buch über Corona noch über den russischen Angriffskrieg veröffentlicht. Lieber ließ Magellan auf eigene Kosten eine deutsch-ukrainische Übersetzungshilfe drucken und verteilen.
„Wir wollen die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen möglichst genau abbilden“, sagt Rebscher. Insbesondere die „Fridays for Future“-Bewegung zertrümmerte das von der Gesellschaft denkfaul konstruierte Bild von der unpolitischen Jugend.
In Romanen wie „Auf der Tonnenseite des Lebens“ trägt Magellan dem ökologisch bewegten Lebensgefühl vieler Jugendlicher Rechnung.
Der Magellan Verlag lässt nicht in Asien herstellen
Gleichzeitig ist der Natur- und Klimaschutz für Magellan mehr als nur ein vom Zeitgeist diktiertes Thema, das den Absatz von Büchern verspricht. Diese Feststellung ist Rebscher und Grünke wichtig.
Das ökologische Bewusstsein des Verlags spiegele sich in Kooperationen mit Naturschutzorganisationen und auch in unternehmerischen Entscheidungen. So lässt Magellan seine Bücher in Deutschland und dem benachbarten europäischen Ausland drucken. „Wir wollen unseren ökologischen Fußabdruck so klein halten wie möglich“, sagt Rebscher.
Rebscher: "Magellan gehört zum gehobenen Segment"
Die Kostenvorteile einer nach Asien ausgelagerten Herstellung schlägt Magellan in den Wind. Über die Folgen für die Preisbildung ist sich Rebscher im Klaren. Bilderbücher kosten im Schnitt 15 Euro, Kinderbücher zwölf Euro, Jugendromane knapp unter 20 Euro. „Die Bücher von Magellan gehören sicherlich zum gehobenen Segment“, sagt Rebscher.
Er wolle, sagt Rebscher dies gern in einem umfassenderen Sinne verstanden wissen.
Lesen Sie auch:















