Veranstaltung
Grasser liest beim FT: Mit Charme und klarer Kante
Pointiert und witzig, aber nie die ernsten Töne vergessend: Johannes Grasser las am Donnerstagabend bei der Mediengruppe Oberfranken erstmals aus seiner Autobiografie vor.
Pointiert und witzig, aber nie die ernsten Töne vergessend: Johannes Grasser las am Donnerstagabend bei der Mediengruppe Oberfranken erstmals aus seiner Autobiografie vor.
Barbara Herbst
Tobias Schneider von Tobias Schneider Fränkischer Tag
Bamberg – Über sich selbst lachen können, gleichzeitig der Gesellschaft aber den Spiegel vorhalten: Bei der Premieren-Lesung aus seiner Autobiografie hinterlässt Johannes Grasser einen bleibenden Eindruck.

Das Leben von Johannes Grasser kennt offenbar nur wenige Pausen: Am Donnerstagvormittag absolvierte er in Köln noch seine täglichen und unverzichtbaren Sporteinheiten, am Abend war der Bamberger nach einer langen Zugfahrt bei der Mediengruppe Oberfranken zu Gast: Um zum ersten Mal vor Publikum aus seiner im November erschienenen Autobiografie vorzulesen.

Videosequenzen untermalten die Lesung eindrucksvoll.
Videosequenzen untermalten die Lesung eindrucksvoll.
Barbara Herbst

Ein kurzweiliger wie bewegender Auftritt, der bei vielen der rund 50 Zuhörer einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben dürfte. Ungläubiges Kopfschütteln, überraschte Lacher oder anerkennendes Klatschen begleiteten den Vortrag im FT-Gebäude.

Denn das Leben von „Johnny“ ist ein von außergewöhnlichen Umständen begleitetes. Er leidet an der schlimmsten Form einer beinbetonten Tetraspastik, und ist damit im Grunde zu Rund-um-Betreuung verdammt. Wäre da nicht die Familie und sein eigener, großer Wille, dagegen anzukämpfen.

Kein Signierwunsch blieb nach der Lesung unerfüllt.
Kein Signierwunsch blieb nach der Lesung unerfüllt.
Barbara Herbst

„Es ist mein persönlicher Krieg gegen die Spastik“, sagt Grasser. Und dieser wird mit ungewöhnlichen Therapien und exzessivem Sport geführt. „Gegen den Rat der Schulmedizin übrigens“, sagt er bei der Lesung.

Der 60-minütige Streifzug durch die unterschiedlichen Kapitel ist ein Bekenntnis für das Leben, das gegenseitige Verständnis, aber auch eine gnadenlose Abrechnung mit den herrschenden Verhältnissen in Deutschland. Der 33-Jährige versteht es, geschickt zu unterhalten, andererseits aber auch den Finger in die Wunde zu legen und jene Probleme anzusprechen, mit denen behinderte Menschen hierzulande zu kämpfen haben.

„Johnny“ bei seinem letzten sportlichen Projekt: Der Besteigung des Zuckerhuts in Rio de Janeiro
„Johnny“ bei seinem letzten sportlichen Projekt: Der Besteigung des Zuckerhuts in Rio de Janeiro
Simon Spaedtke

Beispielsweise, dass er trotz dreier hoch qualifizierter Studienabschlüsse auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hat, wie er von Firmen abgelehnt wurde, die lieber eine Strafe zahlten, anstatt ihn zu beschäftigen. „Ich habe hohe Ziele in meinem Leben und will Karriere machen, so, wie viele andere eben auch. Das wird mir leider verwehrt“, sagt Grasser – und verwirklicht sich unter anderem als Coach, Redner oder Autor.

Die Lebensfreude hat er sich nicht nehmen lassen, seine sportlichen Projekte sind auch ein Mittel zum Zweck: Er will aufrütteln. Sei es beim Surfen, beim Matschrennen in den Niederlanden oder bei der Besteigung des Zuckerhuts in Rio. Geht nicht, gibts nicht.

Ein beeindruckender Lebensweg des 33-Jährigen, der auch lange nach dem offiziellen Ende noch viele Signierwünsche erfüllte. Pausen gibt es eben nicht.

Das Buchcover der Autobiografie, seit November im Handel erhältlich.
Das Buchcover der Autobiografie, seit November im Handel erhältlich.
Riva-Verlag

Autobiografie im Handel

Ob beim Radfahren, Schwimmen, Skaten oder Klettern – Johannes Grasser ist der lebende Beweis dafür, dass mit Disziplin, hartem Training und unzerstörbarem Willen jeder seine persönlichen Ziele erreichen kann – Rollstuhl hin oder her. Am 15. November ist im Riva-Verlag sein Buch „Mich bremst niemand aus: Wie ich trotz Behinderung ein Leben voller Sport und Abenteuer führe“ erschienen. Preis: 16 Euro, Seiten: 240, ISBN-10: 3742320076

 

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