Herausforderungen sind da, um gemeistert zu werden. Mögen die Hürden noch so groß sein, irgendwo findet sich immer ein Weg. Diesen Grundsatz lebt Johannes Grasser eigentlich vom ersten Tag seines Lebens an.
Sonst hätte er es im vergangenen Oktober wohl nicht vollbringen können, als im Rollstuhl sitzender Tetraspastiker den Zuckerhut in Rio de Janeiro zu besteigen – gemeinsam mit einem Helferteam, das ihn mehrere hundert Meter die Steilwand hinaufschleppte.
Es war nur eines seiner sportlichen Projekte der vergangenen Jahre. Aber wohl das prägendste. Die Intention dahinter: Machen können, was jeder macht. Handicap hin oder her.
„Rio hat mich an meine körperlichen Grenzen gebracht. Im Rückblick ist mir klar geworden, was ich meinen Begleitern und mir zugemutet habe: zu viel“, sagt der 32-Jährige.
Kinofilm kommt
Aus dem Kletterabenteuer ist eine begleitende Film-Dokumentation entstanden, noch in diesem Jahr soll der Streifen in ausgewählten Kinos laufen – womöglich auch im Rahmen der in Bamberg Station machenden European Outdoor Film Tour im November.
Beim Neujahrsempfang in seiner fränkischen Heimatstadt hatte Grasser Anfang des Jahres die Zuhörer mit einer frei vorgetragenen Rede in seinen Bann gezogen, fast eine Stunde sprach der Sportwissenschaftler aus seinem Leben, humorvoll und pointiert, gern mit dem Finger in der Wunde.
Die sportlichen Projekte sind da Mittel zum Zweck: Aufmerksamkeit schaffen. Dazu dient auch die Ende vergangenen Jahres im Buchenhandel erschienene Autobiografie „Mich bremst niemand aus.“
Zur Para-Surf-WM nach Kalifornien
Auch wenn die Besteigung des Zuckerhuts bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen hat und er nun manches in Frage stellt – von seinen sportlichen Projekten hat sich der gebürtige Bamberger noch lange nicht verabschiedet. Statt auf einen Gipfel geht es nun aber wieder ins Wasser.
Sein Ziel: Im Herbst bei den Para-Surf-Weltmeisterschaften im kalifornischen Huntington Beach an den Start gehen. Bereits vor einigen Jahren hatte sich Grasser ein eigenes Surfbrett gebaut, um sich in den Wellen des Nordatlantiks den Traum vom Surfen zu erfüllen.
Liegend statt stehend
Der Unterschied: Damals stand er auf dem Board und hielt sich an zwei senkrechten Stangen fest. Bei der Para-WM würde er allerdings in einer Liegend-Kategorie starten.
In der Mitte des Bretts befindet sich eine Schale, damit Körper und Schwerpunkt stabil sind, Hände und Arme werden zum Steuern benutzt. Im Wasser schiebt ihn ein Begleiter (Pusher) in die Welle, ein weiterer (Catcher) wartet in Ufernähe und wäre schnell griffbereit.
In den vergangenen Wochen haben sie viel getüftelt und sahen sich nach Trockenübungen und Einheiten im Schwimmbad auf einem vielversprechenden Weg. Ein Probelauf im Meer mit echten Wellen verlief dann allerdings ernüchternd.
„Ich bin immer wieder vorn übergekippt und habe einen Nosediver gemacht. Wir müssen an der Positionierung arbeiten, nur ist das leicht gesagt, wenn man das Brett nicht oder nur sehr selten unter realen Bedingungen testen kann“, sagt Grasser.
Noch haben er und seine Mitstreiter aber einige Wochen Zeit, um an den richtigen Stellschrauben zu drehen. „Jetzt wollen wir umso mehr, dass es klappt.“















