„Ihr seid ja quasi mit dem Feuerwehrschlauch aufgewachsen. Aber ich, der Jungfeuerwehrmann, bin Quereinsteiger“, scherzt Thomas Meyer. Der 61-Jährige ist Vorsitzender des Feuerwehrvereins Neunkirchen am Brand und blickt lachend in die Runde aus Kommandant Thomas Heinlein, dessen Stellvertreter Johannes Buttler und Gruppenführerin Sabrina Ratzel. Meyer erzählt, dass er 2012 mit seiner Frau nach Neunkirchen am Brand gezogen sei.
Eine außergewöhnliche Aktion
Als er im September 2018 früh aus dem Haus trat, war er überrascht, denn da stand ein roter Zehn-Liter-Eimer vor seiner Tür, auf dem ein außergewöhnliches Verhalten im Brandfall beschrieben war: Man solle die Feuerwehr rufen und etwa zehn Minuten abwarten. Wenn keiner kommt, den Löschkübel mit Wasser füllen und bei großem Feuer die Nachbarn informieren und eine Kübelkette bilden.
Außerdem stand zu lesen: „Sollten Ihnen diese Anweisungen merkwürdig vorkommen, lesen Sie bitte die beiliegenden Informationen.“ Auf denen stand, dass auch die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen aus Ehrenamtlichen bestehe und dringend Unterstützung brauche. Ein V.I.P.-Ticket lud zu einem Mach-mit-Tag ein.
Inspiration aus Norddeutschland
Meyers Nachbarn hatten ebenfalls einen solchen Eimer vor der Tür. „Wir hatten Probleme, Aktive zu finden. Die Jungen haben andere Interessen, deshalb wollte ich Leute, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben und bei denen sich die lange Ausbildung lohnt“, erzählt Thomas Heinlein. Er hatte von einer Löscheimeraktion von einer Feuerwehr in Norddeutschland gehört und wollte das auch hier umsetzen.
Bürgermeister Martin Walz, der zu jedem Einsatz mit dem Rad fährt und eine eigene „Feuerwehr-Bürgermeister“-Weste hat, und die Gemeinderäte aus Neunkirchen waren gleich begeistert und unterstützten die Aktion, denn die Eimer für jeden Haushalt im Ort sollten alleine schon 2200 Euro kosten. Die Feuerwehrleute bereiteten abends die Eimer vor und verteilten sie nachts vor jedes Haus. „Dann warteten wir ab, ob überhaupt jemand zum Termin kommen würde“, berichtet Heinlein. Die Aktion war ein Erfolg, denn statt der erwarteten sechs Interessenten kamen 21.
100 Stunden Ausbildung
„Quereinsteiger sollten keine Angst haben, denn die Feuerwehr bietet für jeden was. Egal wie alt man ist oder welchen Beruf man hat“, sagt Meyer. Er schwärmt davon, wie toll er aufgenommen wurde und wie schön die Gemeinschaft sei. „Die Ausbildung hat 100 Stunden gedauert und hat Spaß gemacht. Auch mir als totalen Anfänger“, fügt er hinzu. Die Feuerwehr Neunkirchen am Brand kann immer noch Aktive brauchen. Wer Interesse hat, kann montags ab 19.30 Uhr ins Feuerwehrhaus kommen.
Statistik der FFW Neunkirchen am Brand
Einteilung
Zum Bezirk 31 gehören die Feuerwehren Neunkirchen, Rosenbach, Ebersbach, Grossenbuch, Ermreuth, Rödlas, Hetzles, Dormitz, Kleinsendelbach, Steinbach und Schellenberg.
Mitglieder
Kommandant ist Thomas Heinlein, Vorsitzender des Vereins Thomas Meyer. Insgesamt hat die Wehr 65 Aktive.
Ausbildung
Aktuell befinden sich zehn Mitglieder im ersten Teil ihrer Grundausbildung. In der Truppe der FFW Neunkirchen am Brand sind zudem 31 Atemschutzgeräteträger, 18 Maschinisten, 13 Gruppenführer und drei Zugführer.
Einsatzfahrzeuge
Mehrzweckfahrzeug, Hilfleistungslöschgruppenfahrzeug 20, Löschgruppenfahrzeug 20, Gerätewagen Logistik 2
Nachwuchs
Der FFW Neunkirchen am Brand gehören 25 Kinder und 13 Jugendliche an.
Einsätze
Im vergangenen Jahr gab es 58 Einsätze.
Kurzinterview mit Sabrina Ratzel
Ich bin bei der Feuerwehr, weil …
ich gerne Menschen helfe und technisch interessiert bin. Außerdem bin ich ein sehr aktiver Mensch. Hier gibt es eine unglaubliche Kameradschaft. Gut finde ich auch, dass unter dem Helm alle gleich sind.
Das wünsche ich mir von anderen:
Ein größeres Verständnis für das, was wir tun. Wir helfen ehrenamtlich. Das tun wir gern. Es ist aber nicht in Ordnung, wenn wir bei unseren Einsätzen blöd angemacht werden. Und es fehlt uns Nachwuchs.


















