Kampf gegen Krebs
„Will nicht sterben": Junge Mama gibt nicht auf
Nicole Krieger ist krank. Doch sie gibt nicht auf – für ihren Sohn und ihren Lebensgefährten Christoph Dörfler. Die sind zugleich ihr größter Halt. Um der Eggolsheimer Familie beizustehen, bittet der FT über seinen Spendenverein „Franken helfen Franken“ um Hilfe.
Nicole Krieger ist krank. Doch sie gibt nicht auf – für ihren Sohn und ihren Lebensgefährten Christoph Dörfler. Die sind zugleich ihr größter Halt. Um der Eggolsheimer Familie beizustehen, bittet der FT über seinen Spendenverein „Franken helfen Franken“ um Hilfe.
Foto: Christoph Dörfler
Eggolsheim – Der Krebs ist zurück, schon wieder und böser als zuvor. Jetzt steht sie vor der Entscheidung ihres Lebens.

Eigentlich wollten wir uns bei Nicole Krieger zu Hause treffen. Gemütlich in ihrem Wohnzimmer sitzen, unser Gesprächsthema ist ohnehin ergreifend genug. Aber ihr Körper hat andere Pläne. Länger als geplant muss sie im Krankenhaus bleiben.

Also telefonieren wir, nur kurz, und reden über die Krankheit, die ihr Leben im Griff hat. Über ihre Familie, die ihr Ein und Alles ist. Über den Tod. Und darüber, dass sie keinesfalls aufgeben möchte.

Der Krebs ist zurück – schlimmer denn je

Nicole Krieger ist 39 Jahre alt, Ende Juni wird sie 40. Ob sie diesen Tag freudig begehen kann, entscheiden die kommenden Wochen. Bisher ist der Mai kein guter. „Der Krebs in Lunge und Gebärmutter ist gewachsen, der in der Leber zurück“, erzählt sie mit zitternder Stimme.

Sie schluchzt. Fasst sich aber, das ist durchs Telefon zu spüren. Ihr Sohn spielt im Hintergrund mit Papa Christoph Dörfler, sie albern. Ablenkung ist alles. Für den Dreijährigen möchte sie stark sein. Und muss es.

Nicole Krieger will kämpfen: „Name ist Programm“

Dann ist es ruhig. Sekunden vergehen, schließlich sagt sie: „Ich will nicht aufgeben! Für meinen Sohn, meine Familie. Aber ob ich noch eine Chemotherapie überlebe, weiß ich nicht. Ich fühle mich zu schwach.“

Dabei kam und kommt aufgeben für Nicole Krieger nicht in Frage. „Der Name ist Programm“, sagt ihr Lebensgefährte. Hörbar voller Stolz.

Sandkastenliebe und größter Halt

Die beiden kennen sich bereits aus dem Sandkasten, verlieren sich aber 20 Jahre lang aus den Augen. Irgendwann erkennen sie sich auf Facebook, treffen sich, verlieben sich. Nicole Krieger bringt bereits eine Tochter in die junge Familie mit, aber sie wollen ein gemeinsames Kind. Es klappt nicht.

Was folgt, sind mehrere Hormonbehandlungen und Aufenthalte in der Kinderwunschklinik. Schließlich klappt es doch, vor etwa drei Jahren kommt ihr Sohn auf die Welt.

Januar 2021: Diagnose Krebs

Das erkämpfte Glück scheint perfekt. „Doch noch fühlten wir uns nicht komplett“, erzählt Christoph Dörfler. Noch ein Kind also? Wieder ohne Erfolg, dann kommt es noch schlimmer. Es ist Januar 2021, als Nicole Krieger die alles verändernde Diagnose erhält: Krebs.

„Los ging es in der Lunge und in der Leber“, erinnert sich die 39-Jährige. Die erste Chemotherapie verläuft gut, der Leberkrebs ist zurückgedrängt. „Leider dauerte es nicht lange bis zur nächsten Schocknachricht: Gebärmutterkrebs.“ Auch im Kopf wurden Metastasen festgestellt. Seither bestimmen Chemotherapien und endlose Klinikaufenthalte die junge Familie.

Immer wieder Rückschläge

Immer wenn es kleinere Erfolge zu feiern gäbe, drücken neue Rückschläge aufs Gemüt. So erst kürzlich: „Die Ärzte räumen mir nicht mehr viel Zeit ein“, sagt sie. Wieder schluchzt sie. Will weiter stark bleiben, was ihr immer schwerer zu fallen scheint. Das Gespräch strengt sie an. Mich auch.

Nun steht Nicole Krieger vor der schwierigsten und zugleich schwerwiegendsten Entscheidung überhaupt. Abwarten und sich die letzten Monate bis zum Tod so erträglich wie möglich gestalten? Sich doch durch die Chemotherapie quälen, ohne Gewissheit auf Erfolg?

„Ich kämpfe weiter“, sagt sie. Diesmal schluchzt sie nicht. Sie klingt entschlossen. Als dritte Möglichkeit – und letzten Hoffnungsträger – würden ihr alternative Heilverfahren bleiben. „Die aber sind kostspielig und die Krankenkassen übernehmen sie meist nicht“, sagt Christoph Dörfler.

Spendenkampagne für junge Familie

Dabei ist das Leben in Krankheit sowieso teuer und voller Entbehrungen. Für die auf Heilung Hoffende, die Familie, das gesamte Umfeld. Christoph Dörfler kann nicht viel tun, Krebs heilt sich nicht mit schönen Worten. „Aber ich tue, was ich kann, helfe und unterstütze, so gut es geht.“

Im Internet hat er bereits eine Spendenkampagne gestartet, dort ist auch schon einiges zusammengekommen. „Wir sind überwältigt von soviel Anteilnahme“, sagt sie. Es klingt fast, als lächle sie kurz.

Alternative Therapien: Letzte Hoffnung?

Mit dem Geld wollen sie Verdienstausfälle kompensieren, den immer teurer werdenden Alltag bestreiten. Und handeln können, falls sie doch eine alternative Therapie finden. Sie haben keine Zeit zu verlieren, erste Gespräche laufen bereits.

Nach all dem und wenn der Krebs es zulässt, stünde noch ein Kurztrip nach Barcelona auf dem Zettel. Ein Herzenswunsch Nicoles, ihren Onkel nach vielen Jahren wieder einmal zu besuchen. Hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Update vom 10. Juni 2022: Leider ist Nicole einige Wochen nach unserem Gespräch verstorben. Die FT-Redaktion wünscht den Hinterbliebenen herzliches Beileid.

 

Lesen Sie auch:

 

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: