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Angespannte Lage
Klinikum Forchheim: Kommt ein vierter OP-Saal?
Die Lage in bayerischen Kliniken bleibt angespannt.Gleichzeitig warnen Experten bereits vor einer neuen Corona-Welle im Herbst. Auch aus Forchheim wird noch von Engpässen berichtet – vor allem bei geplanten Operationen. Abhelfen könnte ein Gerücht.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Lage in bayerischen Kliniken bleibt angespannt.Gleichzeitig warnen Experten bereits vor einer neuen Corona-Welle im Herbst. Auch aus Forchheim wird noch von Engpässen berichtet – vor allem bei geplanten Operationen. Abhelfen könnte ein Gerücht. // Stephan Großmann
Forchheim – Verschobene Termine, Operieren bis in die Nacht – ein Patient berichtet Alarmierendes. Die Klinik hüllt sich in Schweigen.

Eine Pandemie in Sommerruhe kann nicht darüber hinwegtäuschen: Die Lage in bayerischen Kliniken bleibt angespannt. Dass dies an Forchheim nicht spurlos vorübergeht, hat der 71-jährige Paul Nerb vor Kurzem erfahren.

Wegen einer Not-OP an der Galle lag er eigenen Angaben nach einige Tage im hiesigen Klinikum. „Ich wurde bestens versorgt. Aber ich beobachtete, dass abends noch emsiger Betrieb herrschte. Ich fragte nach: Bis in die Abendstunden werde operiert, sagte man mir.“ Der ehemalige Mediziner arbeitete selbst jahrzehntelang in Kliniken, kennt sich aus. „Das ist schon ungewöhnlich“, sagt er.

Nachwirkungen der Hochinzidenzen?

Es ist noch gar nicht lange her, da zwangen die hohen Inzidenzen deutschlandweit Chirurgen zum Absagen geplanter Operationen. Zum Teil mussten Patienten gleich mehrfach vertröstet werden. Um Kapazitäten zu schaffen für Notfälle und den etwaigen Corona-Supergau. Der blieb zum Glück aus.

Corona: Personalmangel spitzt sich zu

Die Belastungen aber waren auch so hoch genug, der Personalmangel spitzte sich zu. So war etwa Ende März von 770 Beschäftigen im Forchheimer Klinikum ein Drittel nicht im Dienst.

Seit einigen Wochen entspannt sich die Corona-Lage leicht, die OP-Pläne füllen sich wieder. Nun müssten die aufgeschobenen Termine nachgeholt werden. Hierfür werde auch in der Nacht operiert, wie Nerb in Erfahrung gebracht haben will. Patienten müssten demnach lange nüchtern bleiben, Personal baue erneut Überstunden auf. Ein Teufelskreis.

Offizielle Antwort bleibt aus

Hinter vorgehaltener Hand spricht man von „Normalzustand“, berichtet Klinikkenner Nerb. Dem FT gegenüber möchte sich offiziell keiner äußern, auch die Klinikleitung übt sich trotz mehrmaligen Nachfragen in Stillschweigen.

Aktuell wird groß angebaut, bis August 2023 soll das Klinikum 1700 Quadratmeter mehr Platz zur Verfügung haben. Zum Beispiel für interventionelle Kardiologie und Intensivüberwachungspflege. Und einen vierten OP-Saal?

Antrag wohl schon beim Gesundheitsministerium

Laut Paul Nerb und dem Forchheimer Bürger Forum (FBF) sei ein solcher bereits im Gespräch, es liege sogar schon ein Förderantrag beim Gesundheitsministerium in München. Nur: Über Wohl und Wehe des Antrags sei wohl noch nicht entschieden worden. Die Antwort der Klinik-Leitung bleibt auch hierzu schmallippig: „Kein Kommentar“.

Ein vierter Operationssaal wäre ein großer Gewinn für das Klinikum und den gesamten Landkreis, ist sich Nerb sicher. Und doch stellt sich eine andere Frage: Gäbe es ausreichend Personal? Viele Mediziner und Pflegekräfte sind nach mehr als zwei Jahren Corona ausgelaugt. Im ganzen Land, sicher auch in Forchheim.

Personalknappheit bleibt akut

Zwar sagte Klinik-Chef Sven Oelkers dem FT im März, unter anderem eine „Ausbildungsoffensive“ starten zu wollen. Kurzfristig sei er aber auf Stammpersonal angewiesen. Das wiederum bedeutete: Ein etwaiger neuer OP könne nur ein erster Schritt sein. Es braucht auch Personal, das darin arbeiten kann.

Krankenhaustrend der BKG: Wenig optimistisch

Der aktuelle Krankenhaustrend der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) liest sich wenig optimistisch. Demnach ließe sich die „Personalknappheit weder kurzfristig noch mit Blick auf die kommenden Jahre vollständig beheben“.

Weiter heißt es, zwei von drei Kliniken schrieben 2021 rote Zahlen. Nun werden noch Medizinprodukte teurer und Energiekosten steigen – die BKG warnt vor Versorgungskrisen ab Herbst.

Auch in Forchheim? Unklar. Aber nicht unwahrscheinlich. Selbst wenn sich die OP-Gerüchte bewahrheiten sollten. Bis zum Herbst werden sie wohl noch keine Entlastung bieten können.

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