Es sind nur noch wenige Wochen bis zum Annafest 2024, ganz Forchheim und große Teile Frankens freuen sich bereits auf die nächste Auflage. Nicht fehlen dürfen neben Riesenrad und Lebkuchenherz traditionell allerhand Maß, Seidla, Schoppen und Kurze.
Und mehr? Seit 1. April gilt in Deutschland das vor allem in Bayern sehr umstrittene Cannabisgesetz, das unter anderem den öffentlichen Konsum von Marihuana und Haschisch unter Auflagen erlaubt. Viele fragen sich daher, ob dies nun auch am Annafest erlaubt sein wird. Gibt's zur Maß also heuer einen Joint?
Neue Annafestverordnung enthält Passus zu Cannabis
Zufällig passend läuft in diesem Jahr die 20 Jahre gültige Annafestverordnung aus, weswegen Ordnungsamtsleiter Klaus Backer den Stadtratsmitgliedern im Haupt-, Personal- und Kulturausschuss (HPKA) am Donnerstagabend eine aktualisierte Fassung zur Abstimmung vorlegt. Neben einigen kleineren, eher formellen Änderungen sticht vor allem ein Punkt in der fünfseitigen Verordnung ins Auge.
Unter Paragraf 9, Absatz 1, findet sich unter dem Titel „Auf dem Annafestgelände ist insbesondere untersagt, ..." eine lange Liste mit Dingen, die Besucherinnen und Besuchern nicht erlaubt sind. Waren es in der alten Verordnung noch die zehn Verbote des Annafests, hat das Ordnungsamt nun einen elften Punkt eingefügt. Und zwar, dass der Konsum von Cannabisprodukten auf dem Annafestgelände untersagt ist. Backer begründet das damit, dass der zu beachtende Jugendschutz auf einem Volksfest dieser Größe nicht kontrolliert und damit folglich nicht sicher eingehalten werden könne.
Diese Verordnung gilt jedoch ausschließlich während der Zeit des Annafestes, während des restlichen Jahres habe das Ordnungsamt keine Handhabe, betont Backer. Im Gespräch mit einigen Wirten habe er jedoch erfahren, dass manche ankündigen, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Cannabis auf ihren Kellern verbieten zu wollen.
FDP-Mann Tino Reichardt fordert Diskussion heraus
Im Prinzip herrscht über das Ansinnen, keine Joints auf dem Annafest zu dulden, auch im politischen Gremium Einigung, aber nach dem Wortbeitrag des FDP-Gruppensprechers Tino Reichardt wird es doch kurz emotional. Und zwar fordert Reichardt süffisant und mit Absicht überspitzt, dass nach dieser Argumentation auch der Konsum von Alkohol verboten werden und man das ebenfalls in die Verordnung aufnehmen möge. „Wenn man die Vorbildfunktion schon ins Feld führt, dann doch bitte für alle Rauschmittel", sagt er. Alles andere sei albern.
Sogleich streckten sich viele Hände nach oben, Wortbeitrag um Wortbeitrag (vor allem aus den Reihen von CSU und Freie Wähler) attackieren den Liberalen ob seiner Aussage. Das geht eine Zeit lang hin und her, bis Ausschussvorsitzende Annette Prechtel (FGL) sich genötigt sieht, die Herren wieder zum eigentlichen Thema zurückzuholen.
Das gelingt, schließlich wird die vom Ordnungsamt vorgelegte Fassung der neuen und wieder 20 Jahre gültigen Annafestverordnung mit dem zusätzlich eingefügten Cannabisverbot von fast allen angenommen - trotz Tino Reichardts symbolträchtigem Nein.
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