Der Marktplatz ist gut gefüllt. Vorbeilaufenden dringen direkt die Redenden in die Ohren, sticht direkt die alles dominierende Farbe Rot in die Augen. Immer wieder bleiben Passanten stehen, lauschen, viele nicken, wenige schütteln den Kopf, manche setzen sich, andere gehen weiter. Am Mittwochvormittag hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu einer Kundgebung zum Tag der Arbeit am 1. Mai in Forchheim geladen.
Bilder von der Kundgebung am 1. Mai in Forchheim
Ökumenischer Gottesdienst, dann politische Reden
Bevor die Zuhörerinnen und Zuhörer bei Bratwurst und Sonnenschirm das politische Programm absegnen, gibt es noch den echten Segen zu erteilen. Heroldsbachs Pfarrer Klaus Weigand und Forchheims Dekan Enno Weidt gestalten den Ökumenischen Gottesdienst gemeinsam, danach sprechen Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD), die stellvertretende Landrätin Barbara Poneleit (Grüne) und Manfred Kemmerth (KAB Diözesanverband Bamberg) ein paar Worte.
Etwa darüber, dass der 1. Mai für Kirschstein nach wie vor „sowohl Pflichttermin als auch Herzensanliegen“ sei oder darüber, dass es laut Poneleit „für mehr Lohn und ein gutes Leben im Alter verbindliche europäische Regeln“ brauche. Und darüber, dass sich für mehr soziale Gerechtigkeit laut Kemmerth „die Macht- und Parteiziele hintanstellen“ müssten und darüber, dass „Partei wie die AfD für Christen und Gewerkschafter nicht wählbar“ sei.
Hauptredner ist Lukas Graf vom DGB Bayern
Damit ist der Bogen gespannt zum Hauptredner des Tages, dem Bezirksgeschäftsführer des DGB Bayern Lukas Graf.
In immer wieder emotional gesteigerten Satzpointen holt er das thematisch interessierte Publikum ab. Er steigt mit der Europawahl am 9. Juni ein, bei der die antifaschistische Mehrheit in der Gesellschaft ihrer Verantwortung auch der Wahlurne gerecht werden müsse. Dann kommt er schnell zum Hauptthema: Arbeit.
„Heute ist unser Tag, heute feiern wir den Tag der Arbeit, an dem wir für unsere Rechte kämpfen“, sagt Graf. Damit meint er den DGB-Slogan: „Mehr Lohn, mehr Freizeit, mehr Sicherheit“. Er rechnet beispielsweise vor, dass deutschlandweit im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Überstunden geleistet worden seien – mehr als die Hälfte davon unbezahlt. „Das ist Ausbeutung.“ Weiter rechnet er vor, dass im vergangenen Jahr nur noch 47 Prozent der bayerischen Unternehmen an einen Tarif gebunden waren; im Jahr 2000 seien es noch 70 Prozent gewesen.
Tarifwende und Altersarmut
Altersarmut, fehlende Gleichstellung von Männern und Frauen, soziale Gefahren durch Turbokapitalismus, zu wenig Mitbestimmung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Betrieben – Graf zählt zahlreiche Baustellen auf, die sein DGB und zahlreiche andere Gewerkschaften in Deutschland beheben wollen. So fordert der DGB beispielsweise die „Tarifwende“, also dass wieder mehr Arbeitnehmer von einem Tarifvertrag profitieren können und dass Gesundheit nicht mehr profitorientiert gelebt werden dürfe.
Video: Lukas Graf vom DGB Bayern
In ganz Oberfranken hat es am 1. Mai Kundgebung gegeben, so auch etwa in Bamberg und Bayreuth. Der DGB feierte den Tag der Arbeit nach eigenen Angaben mit Hunderten Veranstaltungen auf den Straßen und Plätzen in ganz Deutschland. In Hamburg folgten dem DGB-Aufruf rund 7000 Menschen. Zu Beginn des Zugs in Berlin durch die Mitte der Hauptstadt schätzte die Polizei die Teilnehmerzahl auf 7500, bei der Zentralkundgebung in Hannover seien es mehr als 10.000 Menschen gewesen.
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