Vorhang auf für Forchheims Innenstadt. Groß im Bild ist die Fußgängerzone in der Hauptstraße zu sehen, einige Einkaufsbummler, geschäftige Einzelhändler, vereinzelt verwaiste Schaufenster. So weit, so gewöhnlich für eine in den ländlichen Raum gebettete Kleinstadt des 21. Jahrhunderts. Die Haupthandlung dieses klassisch anmutenden Dramas spielt sich aber hinter den Kulissen ab.
1. Akt: Die Exposition
Wir schreiben das Jahr 2017. Forchheims Innenstadt hat zwar einiges zu bieten, kämpft aber mit üblichen Problemen durch Leerstand, fehlende Vernetzung und ausufernden Onlinehandel. Die Verwaltung will handeln und ruft nach einem Helden.
Mit Elena Büttner ist es im April 2018 eine Heldin, die der Innenstadt verheißungsvoll zu neuem Ruhm verhelfen soll. Was sie auch tut. Dann, keine drei Jahre später, droht Ärger. Aus den Reihen des Stadtrates hagelt es Kritik an der Arbeit der Citymanagerin. Zu viel Digitales, zu wenig Vernetzung, mahnt die CSU, zu wenig Durchsetzungsvermögen sehen die Freien Wähler.
2. Akt: Die Spannung steigt
Nach teils harscher Kritik an ihrem Wirken scheint Elena Büttner samt ihres riesigen Aufgabenzettels aus der Schusslinie zu sein. Vieles stößt sie an, an ersten Baustellen werkelt sie fleißig, knüpft (endlich) zarte Bande mit den Innenstädtlern. Die Händler sind entzückt, die Tadelnden werden leiser.
Szenenwechsel, September 2021: Elena Büttner kündigt. Für viele überraschend. An der früheren Kritik könne es nicht liegen, da sind sich alle Akteure einig. Auf die tragische Heldin warteten wohl höhere Aufgaben an anderer Stelle. Die Königsstadt schluckt die bittere Pille, was will sie auch tun.
SPD-Oberbürgermeister Uwe Kirschstein höchstselbst kümmert sich seither um innenstädtische Belange. Ein Dauerzustand solle das aber nicht werden, zu wichtig die Aufgabe, ohnehin zu eng getaktet der Terminkalender des Stadt-Chefs. Eine neue Heldin muss her. Oder ein Held.
Also schreibt die Stadt flugs neu aus, bis Ende Januar 2022 können sich Bewerber melden, verspricht das Stellenangebot. Wer bestenfalls Uni-Abschluss, praktische Erfahrungen und überdurchschnittliche Eigeninitiative nachweist, darf unter anderem Marketingkonzepte sowie ein Innenstadtleitbild erstellen, Akteure vernetzen, Leerstände managen und die Kaufkraft steigern.
Fürs Meistern dieser Herkulesaufgaben winken neben der Wertschätzung noch für die Entgeltgruppe TVöD 10 je nach Einstufung 3492,26 bis zu (eher unwahrscheinlichen) 4950,36 Euro.
3. Akt: Überraschende Wendung
Es finden sich Bewerber. Eigentlich gar nicht wenige. Sie absolvieren mehrere Auswahlrunden, die besten Drei will die Verwaltung den Stadträten zwecks finaler Auswahl persönlich vorstellen. Die Suche scheint ihrem Ende zuzugehen.
Umso überraschender die Nachricht, die aus der jüngsten nicht öffentlichen Sitzung des Personalausschusses durchsickert: Einer der Potenziellen überlegt es sich vorab anders, die restlichen zwei erhalten vom Ausschuss den Daumen nach unten. Stattdessen soll die Stelle des Citymanagers noch einmal ganz neu ausgeschrieben werden. Statt einer zeitnahen Nachbesetzung nun also ein Verweilen in der Übergangslösung. Der Verzug dürfte Stadt, Händler und Bürger wohl weitere wertvolle Monate kosten.
OB Kirschstein, selbst nicht im Ausschuss aktiv, berichtet im Nachgang zerknirscht vom „Wunsch der Mehrheit nach einer Nachschärfung des Profils“. Er zeigt sich verwundert, habe man doch längst gemeinsam entschieden, was für diese Stelle nötig sei, wie das Profil des oder der Neuen auszusehen habe und wie die Frage zu beantworten wäre, was diese Person tun solle. „Ich dachte, das passt so“, sagt Kirschstein.
Anscheinend tut es das nicht.
4. Akt: Das retardierende Moment
„Wir haben uns mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Stelle mit einem geschärften Profil noch einmal auszuschreiben.“ Immerhin, so führt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Manfred Hümmer, und damals einer der lauteren Kritiker der Performance der Citymanagerin fort, wolle man die Stelle adäquat nachbesetzen.
Eine Dauerlösung solle es sein. Die CSU etwa wünsche sich laut Josua Flierl darüber hinaus eine Person mit „passenden Charaktereigenschaften“, kommunikativ und erfahren mit Bock aufs „Klinkenputzen“. Der akademische Titel? „Nicht so wichtig.“
Klingt machbar. Und doch scheint es noch weit weg, bis der Personalausschuss keinen Personal-Ausschuss mehr zu befürchten hat. So drastisch will es keiner sagen. Es tut auch keiner. Aber, resümiert Manfred Hümmer: „Die schlimmste Lösung wäre es, mangels Alternativen die erstbeste Person zu nehmen.“
5. Akt: Katastrophe – mit Lösung?
In den kommenden Tagen wolle man sich auf Fraktionsvorsitzendenebene zusammensetzen und erneut beratschlagen, welche Waffen der neue Held oder die neue Heldin im Kampf um Forchheims Innenstadt zu Felde führen soll. Oder, so die alternative Lesart, wie es endlich gelingt, den Job geeigneten Bewerbern schmackhaft zu machen.
Bis dahin schallt es aus verschiedenen Ecken des Rathauses: Keine Sorge, das Citymanagement liege nicht brach, die Stadt kümmere sich darum. Das nächste Mal versammeln sich die Personalsachverständigen des Stadtrates am 12. Mai. Ob es eine neue Stellenausschreibung bis dahin an die Anschlagtafel schafft, ist unsicher. Immerhin hoffen alle handelnden Personen auf eine baldige Vollstreckung. Den vorerst letzten Akt des Stückes.
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