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Hermann Ulm im großen Porträt
Forchheims Landrat: Wie er sein Amt prägte – und das Amt ihn
Die größte Anspannung ist abgefallen, schon länger. Doch Forchheims Landrat Herrmann Ulm will die letzten Monaten seiner Amtszeit noch einiges schaffen. fraenkischertag.de hat er exklusiv zu sich nach Hause eingeladen und gibt Einblicke in das Seelenlebens eines leidenschaftlichen Politikers, der bald aufhört.
Die größte Anspannung ist abgefallen, schon länger. Doch Forchheims Landrat Herrmann Ulm will die letzten Monaten seiner Amtszeit noch einiges schaffen. fraenkischertag.de hat er exklusiv zu sich nach Hause eingeladen und gibt Einblicke in das Seelenlebens eines leidenschaftlichen Politikers, der bald aufhört. // Foto: Stephan Großmann
Kunreuth – Hermann Ulm ist seit 2014 Forchheims Landrat. Vor einem Jahr kündigte er aus gesundheitlichen Gründen an, sich zurückzuziehen. Nun spricht er exklusiv über die vergangenen Jahre – und seine Zukunft.

Goldgerahmte Urkunden und Dankesbriefe. Eine in Szene gesetzte Fotowand mit Bildern prominenter Gäste. Ein funkelnder Schrein über die Errungenschaften der eigenen politischen Laufbahn. All das sucht man bei Hermann Ulm daheim vergeblich. Forchheims Landrat mag es ruhiger, familiärer, bescheidener. Das Leben im Rampenlicht, das seinem Job ein Stück weit anhaftet, versucht er stets zu umgehen. So gut es geht. Doch nicht mehr lange, dann ist er auch die letzten Scheinwerfer los. Dann wandern seine Jahre als Landrat in die Geschichtsbücher. Und Ulm zurück in ein neues Leben.

Landrat Hermann Ulm: Ein Macher im Porträt

Es ist ein kalter, aber schöner Dezembertag. Der 49-jährige Hermann Ulm lädt zu sich nach Hause ein. Obwohl in jener Vorweihnachtswoche einige wichtige Entscheidungen in den Ausschüssen des Kreistages getroffen werden müssen, nimmt sich Ulm die Zeit. Im Wohnzimmer warten Lebkuchen, einige davon selbst gebacken. Dazu umrahmt duftender Kaffee die sagenhafte Kunreuther Aussicht über die Fränkische Schweiz.

Landrat Hermann Ulm
Landrat Hermann Ulm // Foto: Stephan Großmann

So mag er es am liebsten; fernab des Trubels miteinander sprechen. Lieber tiefsinnig als lautmalerisch. Lieber in Hauspantoffeln als in schicken Anzugschuhen wie üblich. Lieber ländlich als luxuriös. Er selbst sagt dazu: „Mein Luxus ist es, dass ich daheim und in der Natur bin.“

Seit November 2024 klar: Hermann Ulm wird 2026 aufhören

Der Grund für dieses (zwar nicht erste, aber vielleicht letzte) ausführliche Gespräch liegt etwas mehr als ein Jahr zurück. Ende November 2024, Kreistag Forchheim: Hermann Ulm informiert die Öffentlichkeit darüber, dass er bei den Kommunalwahlen am 8. März 2026 nicht wieder antreten wird. Es ist seine konsequente Reaktion auf gesundheitliche Probleme, die ihn vorher bereits zu einer monatelangen Pause genötigt hatten. Darum wolle er aufhören mit dem Politbetrieb, sagt er damals. Die Landkreisgesellschaft nimmt diesen Entschluss bestürzt, aber verständnisvoll auf.

Hermann Ulm macht es den Menschen schwer, ihn nicht zu mögen

Sie alle mögen Ulm, selbst seine politischen Widersacher. Der gebürtige Kunreuther macht es ihnen aber auch schwer, ihn nicht zu mögen. Große Ecken und scharfe Kanten lässt der 49-Jährige von Beginn an vermissen. Überdimensionale Angriffsflächen erst recht. Allenfalls diese stromlinienförmige und über die Maßen ruhige Art ist es, deretwegen ihn manche in seinem politischen Umfeld als „Verwalter statt Gestalter“ abstempeln wollen. Aber selbst das nur hinter vorgehaltener Hand.

Lieber abseits der großen Scheinwerfer

Für einen Mann mit Macht schlendert Ulm stets besonnen über die Bildfläche, nimmt sich eher zurück als wichtig, akzeptiert die Scheinwerfer allenfalls als notwendiges Übel des politischen Spiels. Darum arbeite er lieber konzentriert an den „vielen, sehr vielen Themen“, statt sie öffentlichkeitswirksam in die Welt zu rufen, wie er selbst sagt.   

Wie kann es sein, dass einer, der nie wirklich im Rampenlicht stehen wollte und will, das Amt des Landratsamt-Chefs anstrebte? Klar, das Reden hat Ulm gelernt. Als studierter Hauptschullehrer, später als Konrektor der Grund- und Mittelschule Kirchehrenbach und als Lehrbeauftragter für Geographie und Geographiedidaktik an der Universität Erlangen-Nürnberg. Ebenso als Kunreuths Bürgermeister (2008 bis 2014), als Chorleiter und als Papa dreier Kinder.

„Ich bin aber keiner, der sich hinstellt und einfach stundenlang drauflosreden kann“, sagt Ulm über sich selbst. Seine Reden wollten stets gut vorbereitet sein. Und weil er nicht jedes Mal selbst „bis tief in der Nacht daran arbeiten könne“, habe er zum Glück ganz tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Unterstützung, so Ulm. Abseits der Bühne mit den Menschen ins Gespräch kommen, das mochte er stets lieber. Im Bierzelt, im Chor, beim Spatenstich und beim Feuerwehrfest.

Hermann Ulm Eröffnung Annafest 2022Forchheim & Fränkische Schweiz
Immer unter Leuten: Landrat Hermann Ulm (zweiter von rechts) mit seiner Ehefrau Christine (rechts) sowie lokalen Politik-Größen bei der Eröffnung des Annafests 2022. // Foto: Barbara Herbst/ Archiv

Ulms Weg in die Politik – vorgezeichneter Zufall?

Dass Ulm überhaupt die politische Tradition seiner Familie fortsetzt, ist einigen Zufällen und der Beharrlichkeit einiger seiner Weggefährten zu verdanken. So wird er 2008 parteiloser Bürgermeister und beerbt damit seinen Vater Helmut Ulm. Statt als promovierter Geograf mit dem Schwerpunkt Regionalentwicklung komplett den wissenschaftlichen Weg einzuschlagen, biegt Ulm auf den politischen Pfad ab.

Und das um einiges erfolgreicher als erwartet. Und, vielleicht, erfolgreicher als gewollt. Schnell entdeckt die Kreis-CSU das Potenzial des gebildeten Kunreuther Bürgermeisters Marke Schwiegersohn und spannt den bis dato parteilosen Ulm für den Wahlkampf der Landratswahl 2014 ein. Das erklärte Ziel: Nach 18 Jahren Reinhardt Glauber (Freie Wähler) den Posten des Landratsamt-Chefs „endlich“ wieder fest in christsoziale Hand zu holen. Ulm willigt ein, wird CSU-Mitglied und gewinnt.

Es ist der 16. März 2014, Ulm gewinnt aus dem Stand mit mehr als 68 Prozent der Stimmen gegen Klaus Schulenburg (FW/SPD). Ulm selbst verbringt diesen Tag wie damals gewohnt beim Orgelspiel in der Kirche, mit seinem Posaunenchor – und abends mit dem Entgegennehmen der zahlreichen Glückwünsche zum Wahlsieg. „Es war schon überwältigend damals“, sagt er. Und sieht sich fortan aber in einem immer deutlicher fremdbestimmten Arbeitsalltag wieder.

Auszug aus der FT-Ausgabe vom 17. März 2014, einen Tag nach der Wahl Ulms zum Landrat.
Auszug aus der FT-Ausgabe vom 17. März 2014, einen Tag nach der Wahl Ulms zum Landrat. // Screenshot: Stephan Großmann

Ulm: „Immer gepolt, die ganze Woche aktiv zu sein“

„Ich war immer gepolt, die ganze Woche aktiv zu sein“, sagt Ulm. Schon vor seiner politischen Karriere wirkt er in zahlreichen Vereinen mit, später dann nimmt er seine Jobs als Bürgermeister und nun bis zuletzt als Landrat sehr ernst. Zu diesen Aufgaben gehören neben dem verwalterischen und politischen Tagesgeschäft einige Posten wie im Aufsichtsrat des Klinikums sowie beispielsweise der Vorsitz im Verwaltungsrat der Sparkasse und der Vorsitz im Tourismusverband.

Ulms eigenes Fazit nach zwölf Jahren Amtszeit fällt positiv aus

Insgesamt blickt Ulm zufrieden zurück auf die vergangenen zwölf Jahre als Landrat. Seine zwölf Jahre. Zum Beispiel abgeschlossener Mammutprojekte wegen, wie der Fusion der beiden Kliniken zum Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz, der Erweiterung der Realschule Gräfenberg, der Taktverdichtung bei den Landkreisbussen und der stetigen Neuerungen im Wildpark Hundshaupten.

Selbstkritisch: Was Ulm gerne noch geschafft hätte

Ganz ohne Selbstkritik will Ulm dieses Gespräch jedoch nicht beenden. So habe er „trotz intensiver Bemühungen“ manche Probleme nicht lösen können, wie er sagt. Einen besseren Takt bei der Wiesenttalbahn zum Beispiel und den noch immer nicht erledigten Radweg zwischen Kirchehrenbach und Wiesenthau. Auch ärgert ihn, dass die eigentlich über die Jahre soliden Kreisfinanzen wegen schwieriger Rahmenbedingungen nun zum Ende seiner Ära abrutschen und beispielsweise die Kreisumlage steigen lassen. 

Ein kurzer Abriss durch Hermann Ulms Landratszeit in FT-Berichten

Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
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Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
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Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
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Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute.
Eine Auswahl von Zeitungsartikeln des Fränkischen Tags während Hermann Ulms Amtszeit von 2014 bis heute. // FOTOGALERIE Screenshot: Stephan Großmann

Der Landkreis und die Flüchtlinge:  „Damals richtig entschieden“

Dem entgegen stolz zeigt er sich über die Landkreis-Bilanz der Flüchtlingsthematik. Bereits 2015 habe das Landratsamt mit dem Fokus auf breit gestreute, dezentrale Unterbringung punkten können, so Ulm. Und konnte 2022 (Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine) darauf aufbauen. Und selbst wie verhältnismäßig gut die Behörden und Menschen im Landkreis mit der beispiellosen Corona-Pandemie umgegangen sind, stimmt den 49-Jährigen rückblickend positiv.

Wenngleich die Pandemie einen Wendepunkt markierte. Großgesellschaftlich, aber auch im Forchheimer Landratsamt. „Statt unserer klassischen kommunalpolitischen Arbeit mussten wir noch Katastrophenmanagement meistern“, sagt Ulm. Bis heute sei das nie ganz verschwunden und beschäftige seither alle. Die Landkreisbürger. Die Mitarbeitenden in den Behörden. Und Ulm selbst.

Daheim, bei seiner Familie, seinen Tieren und seiner ländlichen Ruhe holt sich Hermann Ulm immer wieder die Kraft für seinen kräftezehrenden Job zurück.
Daheim, bei seiner Familie, seinen Tieren und seiner ländlichen Ruhe holt sich Hermann Ulm immer wieder die Kraft für seinen kräftezehrenden Job zurück. // Foto: Stephan Großmann

Krisenmanagement wird irgendwann zu viel – kommt die Reißleine zu spät?

Schon ohne die Multikrisen der vergangenen Jahre liegt viel Verantwortung auf den Schultern eines Landrats. Mitunter zu viel. „In diesem Amt brauchst du eigentlich zweihundert Prozent. Wenn du aber nicht einmal die hundert Prozent wirklich sicher erreichst, dann ist es besser, die Bremse zu ziehen“, sagt Ulm heute. Doch damals machte er weiter, lange. Zu lange vielleicht. Auch weil ihm das Amt stets Spaß bereitet habe. 

Ob es besser gewesen wäre, früher die Reißleine ziehen? „Das mag so sein, ja. Hilft aber jetzt im Nachhinein auch nichts“, sagt er. Wichtig sei es für ihn nun, nach vorne zu blicken. In die Zukunft. Wie die aussehe? Zur Antwort gibt es ein Lächeln, ein Achselzucken.

Was Landrat Hermann Ulm nach seinem Ausscheiden vorhat

„Ich will jetzt erst mal wirklich zur Ruhe kommen und auch wieder hoffentlich richtig fit werden. Das ist mir jetzt mal das Wichtigste“, sagt er und schielt durch die glasausgeschnittene Wohnzimmertür in den Flur, wo gerade seine Frau Christine durchhuscht. Endlich richtig viel Zeit mit seinen Kindern Elisabeth, Lorenz und Felizitas verbringen wolle er, außerdem habe er mit seiner Musik, dem Wald, den Obstbäumen und seinen Hühnern viele Hobbys. „Langweilig wird mir bestimmt nicht.“

Als Nächstes auf Ulms Agenda: Zur Ruhe finden und wieder ganz fit werden. Der Rest: werde sich finden.
Als Nächstes auf Ulms Agenda: Zur Ruhe finden und wieder ganz fit werden. Der Rest: werde sich finden. // Foto: Stephan Großmann

Darum wolle er nach dem Ende seiner Amtszeit im April 2026 für mindestens ein Jahr nicht arbeiten. Ob er danach wieder als Lehrer oder Wissenschaftler aktiv werden wolle oder gar eine ganz andere Richtung einschlagen werde, sei im Moment noch „absolut offen“. Nur mit der Politik habe er mehr oder weniger sicher für immer abgeschlossen. „Ich habe nicht das Bedürfnis, bis zu meinem Lebensende wichtig zu sein“, sagt er.  

Kommunalwahlen 2026: „Halte mich völlig raus“

Auf den aktuell erst langsam aufkeimenden Wahlkampf um seine Nachfolge blickt Hermann Ulm tiefenentspannt. Einspannen lassen wolle er sich nicht. „Das sollen andere machen, ich halte mich da völlig raus“, sagt er.

Raus. Nach 18 Jahren aktiver Kommunalpolitik raus aus der Öffentlichkeit, raus aus der politischen Verantwortung und dem krankmachenden Stress. Rein in ein neues Leben.  

 

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