„Komm, Lizzy!“ Lizzy kommt. Mit herausgestreckter Zunge hechelnd wartet die Labradordame darauf, dass es endlich losgehen kann. Zusammen mit ihrem Herrchen Armin Eimerich freut sie sich schon auf einen Spaziergang mit einigen Senioren entlang der Wiesent in Forchheim. Regelmäßig läuft sie als Besuchshund nebenher.
Eimerich macht das gerne, auch in seiner Heimatstadt Neunkirchen am Brand geht er täglich mit seiner Hündin vor die Tür. Nur eins kann er nicht ganz nachvollziehen – warum muss er in seiner Gemeinde Hundesteuer zahlen, wenn es in manchen Kommunen in Deutschland nicht der Fall ist?
Neunkirchen am Brand: Hundesteuer steigt von 50 Euro auf 70 Euro
„Nicht falsch verstehen, dass man zahlen muss, ist schon okay“, sagt er. „Aber die Relation sollte passen.“ Passt die noch in Neunkirchen am Brand? Zumindest müssen Eimerich und die vielen anderen Hundehalter seit Jahresbeginn 35 Prozent mehr bezahlen als zuvor. So werden für den ersten Hund pro Jahr 70 Euro fällig, vorher waren es 50 Euro. Für den zweiten Hund werden gar 100 Euro fällig, für den dritten 120 Euro.
Die Hundesteuer wird in den Kommunen jährlich als Aufwandssteuer pro gehaltenem Hund erhoben. Sie gilt direkt, da Steuerträger und Steuerpflichtiger der Hundehalter ist. Wie etwa die Zweitwohnung- und Fischereisteuer gehört die Hundesteuer zu den sogenannten Bagatellsteuern. Und zwar, weil sie für den kommunalen Haushalt eine eher untergeordnete Rolle spielen. Bayerische Kommunen haben 2022 insgesamt 38,25 Millionen eingenommen.
Hundesteuer: „Einnahmen decken Ausgaben längst nicht“
Wie in Neunkirchen am Brand. Zwar erscheint die prozentuale Erhöhung um ein Drittel viel. Aber selbst 70 Euro pro Hund ergeben insgesamt nur einen vergleichsweise geringen Posten im Haushalt. Wie Bürgermeister Martin Walz (CSU) auf Nachfrage mitteilt, kalkuliert seine Kämmerei in diesem Jahr mit Hundesteuereinnahmen von 35.000 Euro. Bei einem Zig-Millionen-Haushalt reicht das in der Tat nur zur Bagatelle.
Aber, so Walz, gleichzeitig steige der finanzielle Aufwand, den Gemeinden wie seine mit der Hundehaltung haben. So hielten die Gemeinden immer mehr Hundekotbeutelspender vor. Und: „Die Beschwerden beim Ordnungsamt nehmen zu. Es sind nur wenige Unvernünftige, die etwa die Hinterlassenschaften ihres Hundes einfach liegen lassen. Für die zahlen am Ende dann alle Hundehalter.“ Denn fürs Reinemachen der öffentlichen Wege ist die Gemeinde zuständig – bezahlt von der öffentlichen Hand. Darum, stellt Walz klar, auch mit erhöhtem Hundesteuersatz deckten die Einnahmen die Ausgaben noch längst nicht.
Hundesteuer in Gemeinden freiwillig, fast alle haben eine
Das weiß auch Wilfried Schober vom Bayerischen Gemeindetag. Obwohl die Kommunen nicht verpflichtet seien und es ja auch nur wenig Ertrag bringe, hätten die meisten Gemeinden in Bayern eine Hundesteuersatzung erlassen. Treibende Kraft seien oft die Rechnungsprüfer, welche die städtischen Haushalte genauestens unter die Lupe nehmen. Die Verwaltungen müssten sich oft vor den Finanzwächtern rechtfertigen, wenn sie nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hätten, ihren Haushalt ausgeglichen zu gestalten. Drum haben sich die meisten Gemeinderäte für eine Hundesteuersatzung entschieden.
Landkreis Forchheim: Hundesteuer im Vergleich
Wie in Neunkirchen am Brand. Und allen anderen 28 Kommunen im Landkreis Forchheim. Doch die Unterschiede sind hoch. So müssen Hundehalter in Leutenbach beispielsweise nur 40 Euro für ihren Ersthund zahlen, in der Stadt Forchheim ist es das Doppelte. In den meisten Satzungen steigt die Rechnung mit der Anzahl der Hunde, nur in Hausen kosten alle gleich viel (60 Euro). Diese zum Teil großen Unterschiede liegen darin begründet, dass die jeweiligen Räte vor Orte über Höhe und Ausgestaltung der Steuersätze frei entscheiden können.
Richtig teuer wird es für die Hundehalter in der Regel, wenn sie einen sogenannten Listenhund anmelden. Das betrifft solche Tiere, die als gefährlich eingestuft sind. Auch diese Liste variiert ebenso wie die Höhe der Steuer von Ort zu Ort, in Wiesenthau und Kunreuth werden 400 Euro im Jahr fällig, in Unterleinleiter 1500 Euro. „Grundsätzlich geht es bei der Hundesteuer nicht um Abschreckung“, sagt Schober vom Gemeindetag. Die Steuersätze für Listenhunde hatte er bei seiner Aussage aber sicher nicht im Sinn.
Hundehalter monieren, dass nur Hunde besteuert werden
„Im Prinzip habe ich nichts gegen eine Hundesteuer“, sagt Peter Pfeifer vom Verein für Schäferhunde Forchheim-Nord. „Nur halte ich die großen Schwankungen nicht für gerechtfertigt. Auch die harte Besteuerung von Listenhunden finde ich schwierig. Der Hund an sich ist eigentlich nie das Problem – immer der Halter.“ Und: Der Hund ist das einzige Haustier, auf das eine Steuer erhoben werde. Dabei hinterließen doch beispielsweise auch Pferde Fäkalien.
Wer sich für einen Hund entscheide, muss sowieso hohe Kosten für Futter und Tierarzt einkalkulieren. So kommen schnell, je nach Rasse, einige Hundert Euro im Monat zusammen. „Und dann kommt noch eine undurchsichtige Steuer obendrauf.“
Ähnlich sieht es Armin Eimerich mit seiner Lizzy. „Leider“, so sagt er, „sei seine Besuchshündin nicht von der Steuer befreit“, wie es viele andere Diensthunde und beispielsweise Jagdhunde seien. Aber selbst wenn er weiterhin Steuern zahlen muss – ein Leben ohne seine Hündin möchte er sich nicht mehr vorstellen.
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