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Pottensteiner Bürgermeister
Forchheimer Wähler bringen Frühbeißer in den Landtag
Der neue Landtagsabgeordnete Stefan Frühbeißer in seinem Lieblingslokal, dem griechischen Restaurant Nostimo in Gößweinstein, wo er sich gerne auch mal einen Aperol Spritz schmecken lässt.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der neue Landtagsabgeordnete Stefan Frühbeißer in seinem Lieblingslokal, dem griechischen Restaurant Nostimo in Gößweinstein, wo er sich gerne auch mal einen Aperol Spritz schmecken lässt. // Thomas Weichert
Signet des Fränkischen Tags von Thomas Weichert
Pottenstein – Pottensteins Bürgermeister Stefan Frühbeißer hat auf der Liste der Freien Wähler einen Platz gutgemacht. Nach vorn gewählt haben ihn vor allem die Forchheimer. Dank ihnen geht er jetzt nach München.

Der Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer hat den Sprung in den bayerischen Landtag nicht nur wegen der Stimmenzugewinne seiner Freien Wähler bei der Landtagswahl, sondern vor allem auch deshalb geschafft, weil er im Landkreis Forchheim knapp 3500 Zweitstimmen erhielt. „Dafür bin ich auch sehr dankbar und sehr stolz darauf“, sagt Frühbeißer im Gespräch mit unserer Redaktion im griechischen Restaurant Nostimo in Gößweinstein, das eines seiner Lieblingslokale in der Fränkischen Schweiz ist.

„Unbedingt habe ich meine Wahl zum Landtagsabgeordneten den Wählerinnen und Wählern im Landkreis Forchheim zu verdanken“, betont er. Frühbeißer möchte ein Abgeordneter für alle Menschen in der Fränkischen Schweiz und in seinem Stimmkreis Bayreuth sein, der bis ins Fichtelgebirge reicht.

Am 30. Oktober findet die konstituierende Sitzung des bayerischen Landtags statt. Kraft Gesetzes ruht danach sein Bürgermeisteramt in Pottenstein bis zur Neuwahl eines Stadtoberhaupts, die voraussichtlich im Januar nächsten Jahres stattfindet. Das Landratsamt Bayreuth prüft gerade den Wahltermin. Bis dahin müssen seine Stellvertreter Roland Lang (BU) und Christian Weber (JL) die Amtsgeschäfte im Pottensteiner Rathaus übernehmen.

Wer wird Nachfolger im Rathaus?

Als sicher gilt, dass FDP-Mitglied Christian Weber, Sohn des Leutenbacher Gemeinderats Reinhardt Weber, für die Junge Liste erneut als Bürgermeisterkandidat in Pottenstein ins Rennen gehen wird. Bei der vorangehenden Kommunalwahl unterlag er Frühbeißer und ist seitdem Dritter Bürgermeister. Andere Kandidaten sind bisher noch nicht in Sicht.

Es gilt aber auch als sicher, dass die CSU einen Kandidaten ins Rennen schickt. Wie Frühbeißer betont, werde er sich dabei auf keinen Fall einmischen, er werde auch keine Wahlempfehlung geben, dies aber genau beobachten.

Der 54-jährige Siegmannsbrunner, der in Trägweis aufgewachsen ist, war seit 2002 Pottensteiner Bürgermeister. Damals gewann er die Stichwahl gegen seinen Vorgänger Dieter Bauernschmitt (CSU), der zuvor sein Chef in der Pottensteiner Rathausverwaltung war.

Es war im Jahr 1990, als Frühbeißer ein Praktikum im Pottensteiner Rathaus, damals noch unter Bürgermeister Hans Körber (CSU) machte. Der erste Auftrag, den Körber seinem jungen Praktikanten gab, war Wein zu holen. 800 Flaschen sollte er mit einem alten VW-Bus der Stadt im Weinort Besigheim in Baden-Württemberg herantransportieren. Körber war Liebhaber württembergischer Weine. Der VW-Bus war schon klapprig, aber alles ging gut.

Stationen des beruflichen Werdegangs

Nach dem Praktikum bei der Stadt wurde Frühbeißer zum Wehrdienst einberufen. Er kam zu einer Fernmeldeeinheit nach Regensburg. Danach machte er seine Ausbildung als Verwaltungsfachwirt im Pottensteiner Rathaus. Sein Chef war nun Dieter Bauernschmitt.

Nach der Ausbildung leitete Frühbeißer als Vorgänger von Thomas Bernard zunächst das Tourismus-Büro, dann wechselte er in die Hauptverwaltung. 1998 ging Frühbeißer zum Bezirk Oberfranken wegen eines Zerwürfnisses mit Bürgermeister Bauernschmitt wegen Unregelmäßigkeiten bezüglich des Hallenbads Juramar.

Als Frühbeißer dann 2002 zum Bürgermeister gewählt wurde, war das Juramar schon zum Skandal geworden. Die Staatsanwaltschaft ermittelte in diesem Fall. Es ging um die Rückzahlung von Zuschüssen für die Sanierung des Hallenbades, weil Bauernschmitt vorgeworfen wurde, nicht korrekt gehandelt zu haben. Gegen eine Geldauflage wurde das Verfahren schließlich eingestellt.

Ein weiteres großes Thema war damals der Erhalt der Pottensteiner Eigenwasserversorgung. Ein langwieriger Kampf begann, der schließlich erfolgreich war. „Mein Ziel war es damals, diese Probleme zu bereinigen“, sagt Frühbeißer. Was er schließlich auch geschafft hat, obwohl zu Beginn seiner Amtszeit die Stadtverschuldung bei rund 9,7 Millionen Euro lag. Heute ist die Stadt, rechnet man die Rücklagen auf, quasi schuldenfrei: 2,5 Millionen Euro Schulden stehen über 5 Millionen Euro Rücklagen gegenüber.

Frühbeißer kann seinem Nachfolger geordnete Stadtfinanzen übergeben, dennoch gibt es weiterhin viel zu tun. „Wir haben immer noch unterdurchschnittliche Gebühren und Hebesätze“, betont Frühbeißer.

Gespannt auf die neue Aufgabe im Landtag

Seinen Wechsel nach München sieht er mit gemischten Gefühlen: „Wehmut ist schon dabei, wenn ich sehe, welche Projekte in meiner Amtszeit alle in Pottenstein verwirklicht wurden. Allen voran das Thema Breitbandausbau.“

Nach über 20 Jahren als Pottensteiner Bürgermeister sei es als Landtagsabgeordneter eine neue, interessante Aufgabe und es sei daher naheliegend, die neue Herausforderung anzunehmen. Im Wahlkampf habe er immer wieder betont, ein Verfechter der kommunalen Selbstverwaltung zu sein. „Ich halte es für total wichtig, dass die kommunale Finanzausstattung sichergestellt ist, damit die Kommunen ihre Aufgaben auch erfüllen können“, sagt Frühbeißer. Deshalb auch sein Slogan auf seinen Wahlplakaten: „Fachkompetenz ist die bessere Alternative“.

Dass so viele die AfD gewählt haben, sei vorwiegend den politischen Entscheidungen der „Ampel-Regierung“ in Berlin geschuldet, sagt er. Die Bürger wollten Lösungen für bestehende Probleme und nicht parteipolitische Scharmützel, ist er sich sicher.

Die Forderung seines Parteikollegen Thorsten Glauber nach einem vierten Ministeramt für die Freien Wähler hält Frühbeißer aufgrund des Wahlergebnisses für durchaus gerechtfertigt. Das wäre die ganz normale rechnerische Konsequenz des Stimmenergebnisses, urteilt er. Schließlich hätten die Freien Wähler nun zehn Abgeordnete mehr, die Zahl der CSU-Parlamentarier sei gleich geblieben. „Meines Erachtens geht der Stimmenzuwachs für die Freien Wähler darauf zurück, dass vor Ort viele Persönlichkeiten sind, die gute Arbeit geleistet haben“, so Frühbeißer.

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