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ADFC-Fahrradklimatest 2024
Ampeltakt und enges Überholen: Was Forchheims Radler nervt
Einheimische und Touristen fahren gleichermaßen immer häufiger mit dem Rad durch Forchheim: Wie die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklimatests 2024 zeigen, sehen die Radler großes Verbesserungspotenzial in der Stadt.
Einheimische und Touristen fahren gleichermaßen immer häufiger mit dem Rad durch Forchheim: Wie die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklimatests 2024 zeigen, sehen die Radler großes Verbesserungspotenzial in der Stadt. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Gefährliche Überholmanöver, ausbremsende Ampelschaltungen und enge Wege: Forchheim fällt im ADFC-Fahrradklimatest erneut zurück. Doch es gibt auch eine positive Nachricht.

„Manchmal ist das Leben ganz schön leicht: Zwei Räder, ein Lenker und das reicht. Wenn ich mit meinem Fahrrad fahr‘, dann ist die Welt ganz einfach.“

So einfach das im 2017 erschienenen Lied des deutschen Chansonsängers Max Raabe klingt, ist das freilich nicht. Auch in Forchheim nicht. Dass das radelnde Volk in der Königsstadt auf einigen Wegen mit Widrigkeiten zu kämpfen habe, erklären die umtriebigen Vertreterinnen und Vertreter des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) Forchheim seit Jahren. Das zeigt sich nun auch in den Ergebnissen des elften ADFC-Fahrradklimatests, die in dieser Woche vorgestellt worden sind.

Fahrradfahren in Forchheim: Bewertung noch einmal verschlechtert

Insgesamt habe sich das Fahrradklima in Deutschland leicht verbessert, bleibe aber insgesamt unbefriedigend: 2024 lag die Bewertung aller Kommunen bei durchschnittlich 3,92 (2022: 3,96). Mit einer Gesamtnote (die wie Schulnoten funktionieren) von 4,2 liegt Forchheim sogar noch darunter und belegt von deutschlandweit 429 Orten (mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern) Platz 307. Rechnet man nur die bayerischen Städte dieser Größe, landet Forchheim auf Platz 35 von 49. Das Fazit des hiesigen Radfahrclubs: „In Forchheim erleben viele Radfahrende das Fahrradfahren als unsicher und unkomfortabel“. 

Forchheim: Infrastruktur und Miteinander im Straßenverkehr größte Baustellen

Wie die Ergebnisse zeigen, werde vor allem die Infrastruktur kritisch bewertet. Am meisten stören die Radler die Ampelschaltungen in der Stadt, die Breite der Weg sowie eine mangelhafte Führung an Baustellen. Gefragt nach einzelnen Themen wie „Abstellanlagen“, „Falschparkkontrolle auf Radwegen“ und „Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer“ erreicht Forchheim nicht einmal eine bessere Note als eine 4. Einzige in vier Kategorien gibt es ein befriedigend: „Erreichbarkeit Stadtzentrum“, „geöffnete Einbahnstraße in Gegenrichtung“, „zügiges Radfahren“ und „Radfahren für Alt und Jung“.

Die diesjährige Zusatzbefragung zum Miteinander im Verkehr zeigt: Besonders negativ wird der zu geringe Abstand beim Überholen von Radfahrenden durch Autos. Rund acht von zehn befragten Radlerinnen und Radler aus Forchheim kritisieren, dass sie häufig zu eng überholt werden und benoten dies mit 4,5. „Dass zu geringer Überholabstand nicht nur ein Gefühl ist, sondern belegbarer Alltag von Radfahrenden, zeigen die Messungen des ADFC mit dem OpenBikeSensor“, sagt Bayerns ADFC-Vorsitzende Eva Mahling. „Oft ist nicht ausreichend bekannt, dass Autos und Lkw beim Überholvorgang innerorts mindestens 1,5 Meter und außerorts mindestens zwei Meter Seitenabstand zu Radfahrenden halten müssen.“

Innerorts gilt ein Mindestabstand beim Überholen von Fahrrädern von 1,5 Metern, wie Bayerns ADFC-Vorsitzende Eva Mahling zeigt.
Innerorts gilt ein Mindestabstand beim Überholen von Fahrrädern von 1,5 Metern, wie Bayerns ADFC-Vorsitzende Eva Mahling zeigt. // Foto: ADFC Bayern

ADFC Forchheim: „Realität von Fahrradfreundlichkeit entfernt“

Hatte Forchheim bei der vorangegangenen Befragung 2022 noch die Note 4,16 bekommen, verschlechterte sich die Stadt in der Wahrnehmung der Radfahrer noch einmal leicht auf 4,2. „Das ist die logische Konsequenz daraus, dass sich bis zum Befragungszeitraum im Herbst 2024 nichts Sehenswertes verbessert hat“, sagt Frank Wessel, Sprecher des Vorstands vom Forchheimer ADFC. „Die Stadt Forchheim will bis Mitte des Jahres 2027 endgültig Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK Bayern) werden“, sagt er. „Der Fahrradklimatest zeigt deutlich, wie weit die Realität von einer Fahrradfreundlichkeit entfernt ist.“

Vorstandssprecher des ADFC Forchheim Frank WesselForchheim & Fränkische Schweiz
Vorstandssprecher des ADFC Forchheim Frank Wessel // Stephan Großmann

Stichwort: ADFC Fahrradklimatest 2024

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2024 zum elften Mal statt. Die Erhebung umfasst 27 Fragen (klicken Sie sich hier gerne durch, externer Link). Zwischen September und November 2024 konnten Radfahrerinnen und Radfahrer ihre Meinung zum Fahrradklima in ihrer Stadt abgeben. 2024 bewerteten 108 Menschen das Fahrradklima in Forchheim, deutschlandweit waren es rund 213.000.


Nicht nur Kritik: Auch positive Entwicklungen in Forchheim sichtbar

Aber, das möchte Wessel betonen, erfreulich sei, dass „in den Amtsstuben der Wille für eine deutliche Verbesserung zu erkennen“ wäre. „Es bleibt zu hoffen, dass aus diesen Plänen bald Wirklichkeit wird.“ Aus der Beobachtung der politischen Arbeit der vergangenen Jahre lässt sich der Schluss ziehen, dass fraktionsübergreifend ein grundsätzlicher Wille besteht, die Bedingungen fürs Radfahren in Forchheim zu verbessern. Doch geht es in die Umsetzung konkreter Maßnahmen, scheitert es doch häufig an den politischen Mehrheitsverhältnissen.

Und doch hat sich einiges getan. Dies ist unter anderem auf den persönlichen Einsatz von Forchheims dritter Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) zurückzuführen, die bereits vor ihrer Amtszeit Fahrradthemen in die Stadtpolitik trug. Beispielsweise gibt es seit 15 Monaten mit Tobias Wilhelm einen Radverkehrsbeauftragten der Stadt, ergänzend zum integrierten Verkehrskonzept sei laut Stadt ein eigenes Radverkehrskonzept bereits in Arbeit und punktuell sind manche der bekannten Missstände behoben worden. Ein Statement zu den Ergebnissen war weder von Wilhelm noch von Prechtel in dieser Woche zu bekommen.

ADFC-Fahrradklimatest: Mangelhafte Teilnehmerzahlen

Unverständlich reagiert ADFC-Sprecher Frank Wessel auf die niedrige Beteiligung. Dass sich lediglich 108 Menschen Zeit genommen haben, den Fragebogen auszufüllen und damit zur Verbesserung der Situation vor Ort beizutragen, sei unbefriedigend. Mit Infoständen, Pressemitteilungen und Social-Media-Beiträgen habe man geworben – mit mäßigem Erfolg. 

Zum Vergleich: Neunkirchen am Brand hatte (als einzige weitere Kommune im Landkreis Forchheim) mit 59 Teilnehmenden das nötige Quorum erreicht. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl von gut 8000 ist das zwar nicht auch üppig, aber besser als in Forchheim. Doch auch Neunkirchen schneidet mit einer Note von 4,0 (Platz 279 von 423 Orten bis 20.000 Einwohner) nicht besonders gut ab. Dort werden vor allem die fehlende Bereitstellung von öffentlichen Rädern und die Ampelschaltung für Radfahrende bemängelt.

„Die Autos stehen im Stau, ich fahr‘ vorbei. Alle Ampeln grün, die Bahn ist frei. Wenn ich mit meinem Fahrrad fahr‘, mitten durch die Stadt“, singt Max Raabe. Und meint damit wohl weder Neunkirchen noch Forchheim.

 

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