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Streitpunkt Straßenbau
Wiesenthau: Ignorante Autofahrer nerven Anwohner
Auf den Straßen im Landkreis wird kräftig gebaggert, verlegt und geteert. Das führt mitunter zu Konflikten – wie das Beispiel Wiesenthau zeigt.Forchheim & Fränkische Schweiz
Auf den Straßen im Landkreis wird kräftig gebaggert, verlegt und geteert. Das führt mitunter zu Konflikten – wie das Beispiel Wiesenthau zeigt. // Stephan Großmann
Wiesenthau – Kaum eine Route rund um Forchheim, auf der einen nicht eine Baustelle ausbremst. Warum Straßenbau aber alternativlos ist, was die Wiesenthauer so nervt und warum eigentlich noch zu wenig gebaut wird.

Ein bisschen verzweifelt klingt Bernd Drummers Aufruf schon.

Wenn die Leute schon verbotswidrig durch die für den Verkehr voll gesperrte Baustelle fahren, mögen sie doch wenigstens Rücksicht aufeinander nehmen und langsam fahren, erbittet Wiesenthaus Bürgermeister im Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Gosberg. Mit diesem Aufruf spricht er vielen Anwohnern entlang der Hauptstraße aus der Seele. Allein, er bringt bisher nicht viel.

Bernd Durmmer, Bürgermeister WiesenthauForchheim & Fränkische Schweiz
Bernd Durmmer, Bürgermeister Wiesenthau // Stephan Großmann

Seit Mitte Juli wird an den Wasserleitungen unter der Ortsdurchfahrt gearbeitet, noch bis Anfang Dezember ist die Straße deshalb voll gesperrt.

Einzig direkte Anwohner dürfen zu ihren Häusern – für alle anderen Verkehrsteilnehmer gelten die Umleitungen über Kirchehrenbach, Leutenbach und Dietzhof beziehungsweise Gosberg, Kunreuth, Mittelehrenbach und Dietzhof. Die Fahrt durch den Ort ist tabu. Zumindest in der Theorie.

Bürgermeister aus Wiesenthau appelliert an Verstand

„Vor allem abends und an den Wochenenden rauschen immer wieder Autofahrer durch die Baustelle“, sagt Drummer. Dabei sei es schon einige Male zu brenzligen Situationen gekommen. Er appelliert daher zum einen an den „gesunden Menschenverstand“.

Überdies habe es in den vergangenen Wochen in der Baustelle und auf den angrenzenden Feldwegen schon mehrere Kontrollen gegeben, meist, nachdem wütende Anwohner die Polizei verständigt hatten.

Da eine solche Baustelle – laut Drummer die aufwendigste Wiesenthauer Maßnahme der letzten zehn Jahre – bei den Anwohnern auf Grund der Beeinträchtigungen und des Lärms sowieso mit gemischten Gefühlen aufgenommen wird, würde der Bürgermeister wenigstens auf das Problem mit den Verkehrsrowdys gerne verzichten.

Derzeit werden in Wiesenthau  Wasserleitungen verlegt, weshalb die Ortsdurchfahrt noch bis Dezember gesperrt istForchheim & Fränkische Schweiz
Derzeit werden in Wiesenthau Wasserleitungen verlegt, weshalb die Ortsdurchfahrt noch bis Dezember gesperrt ist // Stephan Großmann

Mit diesem Problem stehen Bernd Drummer und seine Wiesenthauer nicht alleine da. Wer aktuell mit dem Auto im Landkreis Forchheim unterwegs ist, wird an etlichen Stellen von Baufahrzeugen und gesperrten Wegen ausgebremst. Alleine auf dem 248 Kilometer langen Kreisstraßennetz laufen derzeit einige Bauprojekte.

Sechs Kilometer Baustelle pro Jahr im Landkreis Forchheim

Pro Jahr schafft es das hierfür zuständige Tiefbauamt des Landkreises im Durchschnitt, sechs Straßenkilometer auf den neusten Stand zu bringen. Laut Fachbereichsleiter Dieter Els müsste es sogar noch mehr sein: „Eigentlich müssten wir sogar 21 Kilometer im Jahr schaffen, alleine um den Bestand zu erhalten“.

Gründe für die schleppenden Sanierungen seien fehlendes Personal, knappe Finanzmittel und die großen Abhängigkeiten von Wetter, Natur und den Projekten anderer Bauträger.

Kreis-Tiefbauamtsleiter Dieter Els (links), hier mit Landrat Hermann Ulm zu sehen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Kreis-Tiefbauamtsleiter Dieter Els (links), hier mit Landrat Hermann Ulm zu sehen. // Landratsamt Forchheim

Die Autofahrer selbst werden nicht unglücklich sein, zerren doch die aktuellen Baustellen schon an ihren Nerven. Sei es die noch bis Ende Oktober voll gesperrte Ortsdurchfahrt in Kleinsendelbach, die ebenfalls noch gesperrte Rosenaustraße in Eggolsheim oder die seit heute wegen des Neubaus eines Geh- und Radweges voll gesperrte Straße (FO 25) zwischen Hausen und der Staatsstraße 2244: In beinahe allen Regionen des Landkreises müssen die Autofahrer mit Einschränkungen rechnen.

Hinzu kommen noch gemeindliche Vorhaben (zum Beispiel die aktuell ampelgeregelten Kanalarbeiten auf der B470 in der Bayreuther Straße in Forchheim) sowie Projekte des Staatlichen Bauamts Bamberg (die Staatsstraße an der Autobahnauffahrt Forchheim-Nord) und der Autobahn GmbH des Bundes (Fahrbahnerneuerung zwischen Forchheim-Nord und Buttenheim).

Verkehr im Landkreis Forchheim: Viele Pendler unterwegs

Der Verkehr im Landkreis ist eine wichtige Säule von Lebensqualität und Wohlstand. Täglich pendeln im Jahr 2022 laut Bundesagentur für Arbeit 30.641 Menschen aus dem Landkreis zur Arbeit in andere Regionen, 13.479 kommen zum Arbeiten hierher. Viele nutzen das Auto.

Die letzte Straßenverkehrszählung aus dem Jahr 2021 ermittelte beeindruckende Zahlen: Im Mittel waren täglich 6232 Autos auf Bundesstraßen, 3554 auf Staatsstraßen und 1709 auf Kreisstraßen unterwegs. Dieser Verkehr erfordert ständige Erneuerungen und birgt Konfliktpotenzial.

Nächste Vollsperrung ist für Wiesenthau schon geplant

Viel freie Fahrt werden die Wiesenthauer nicht genießen können – die nächste Vollsperrung wartet schon im nächsten Jahr.Forchheim & Fränkische Schweiz
Viel freie Fahrt werden die Wiesenthauer nicht genießen können – die nächste Vollsperrung wartet schon im nächsten Jahr. // Stephan Großmann

In Wiesenthau könnte sich das Problem ab Dezember gelöst haben – falls es keine Verzögerungen auf der Baustelle gibt. Zumindest vorerst. Denn laut Bürgermeister startet im Frühjahr 2024 zum einen der Glasfaserausbau.

Und auch das Tiefbauamt von Dieter Els steht schon in den Startlöchern: Sind die Kanäle fertig verlegt, wird die Straße saniert. Und muss dafür erneut voll gesperrt werden.

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