Eine durchgehende Einsatzzeit von 1969 bis heute – das bringt so schnell kein Fahrzeug zusammen. Vielleicht liegt das daran, dass es sich in diesem Fall um ein sehr langsames Fahrzeug handelt: Die in Kommunalorange lackierte Straßenwalze der Marke ABG, die seit 55 Jahren unermüdlich in den Diensten des Forchheimer Stadtbauhofs steht.
Erst kurz vor dem Annafest im Einsatz
„Die ist bei uns noch fleißig im Einsatz“, erklärt Bauhofleiter Christian Höhn. Und zwar immer dann, wenn in der Stadt Forchheim eine Schotterfläche neu befestigt werden muss. Etwa die Pendlerparkplätze an den Autobahnauffahrten Forchheim-Nord und Forchheim-Süd, die kommunalen Forst- und Flurwege oder auch rechtzeitig vor dem Annafest der Riesenradplatz im Kellerwald.
Frisch verteilten Schotter verdichtet die 1969 gebaute Walze nicht nur durch ihr Eigengewicht von rund 6 Tonnen: Sie verfügt zusätzlich über eine in zwei Stufen zuschaltbare Vibration ähnlich wie eine Rüttelplatte, was den Verdichtungseffekt auf den Boden maßgeblich verstärkt. Ein Schild an der Seite verrät übrigens, wo sich das „Vibratorlager“ befindet. Dieses hat natürlich nichts mit Erotikartikeln zu tun, sondern muss regelmäßig mit frischem Schmierfett versorgt werden.
Bloß nicht auf zu nasse Flächen fahren
Angetrieben wird die Straßenwalze von einem luftgekühlten Dieselmotor von Deutz mit 46 PS, dessen Lüfterrad hinter einem Gitter an der rechten Seite zu erahnen ist. Über die altgediente Maschine ist Bauhofleiter Höhn voll des Lobes: „Normalerweise kommen die Mitarbeiter zu mir und wollen einen neuen Bagger oder einen neuen Radlader. Aber bei dieser alten Walze ist es umgekehrt: Da sagen die Kollegen, dass sie die so lange behalten wollen, so lange das nur irgendwie geht. Weil die für ihren Einsatzzweck halt einfach super ist. Und auch unkaputtbar.“
Eine Einschätzung, die Winfried Schüpferling teilt. Er arbeitet für den Stadtbauhof und steht öfter an dem mit Segeltuch überdachten Bedienstand, mit dem die ABG-Walze über Hebel und ein Lenkrad gesteuert wird. Und dafür muss man schon ein geübtes Händchen haben, wie Schüpferling verrät: „Man muss sehr aufpassen, dass man nicht auf zu nasse Flächen fährt. Sonst sinkt die ein und man kann nicht mehr weiterfahren.“
Transport zum Einsatzort im Container
Beim Rangieren müsse man die beachtliche Länge und den Wendekreis bedenken. Wendig ist so eine Straßenwalze bauartbedingt nun einmal nicht. Und empfindlich auch nicht: Sie besteht rundum aus dickem Metall; Plastik sucht man an dem schweren Gerät (fast) vergeblich. „Das ist halt noch gute deutsche Wertarbeit“, meint Schüpferling dazu anerkennend. Eine Qualität, die der Bauhofmitarbeiter zu schätzen weiß: „Die ist unverwüstlich, wenn man sie gut pflegt. Die Fahrzeuge, mit denen ich arbeite, behandle ich immer so, als wenn es mein eigenes wäre. Dann halten die auch lang.“
Den Weg zum jeweiligen Einsatzort muss die alte Walze übrigens nicht aus eigener Kraft bewältigen: „Dazu haben wir einen Transportcontainer“, erklärt Winfried Schüpferling. Auf diesen wird die Walze vor einem Einsatz noch auf dem Gelände des Bauhofs in der Straße „An der Staustufe“ zwischen der Schleuse und dem Stadtteil Buckenhofen verladen und dann samt Container mit einem Lkw ans Ziel transportiert.
Im traditionsreichen Werk werden keine Walzen mehr gebaut
Wenn es nach Schüpferling und Höhn geht, wird das Relikt aus vergangenen Zeiten noch lange auf den Forchheimer Straßen und Schotterplätzen unterwegs sein: „Wir sind alle froh, dass wir die haben, und hoffen, das bleibt auch noch lange so“, sagt Bauhofleiter Höhn. Nicht zuletzt, weil eine Neuanschaffung eine beträchtliche Summe kosten dürfte. Und so eine schöne Patina aus leicht mattem Lack und ein bisschen oberflächlichem Rost würde ein neues Gerät auch nicht haben, das steht fest.
Die Straßenwalze des Forchheimer Bauhofs ist hier seit 1969 im Einsatz.
Falls es irgendwann doch einmal eine neue Walze für den Forchheimer Bauhof geben sollte, wird diese wohl auch nicht mehr von der Marke ABG kommen: Das traditionsreiche Baumaschinenwerk in Hameln an der Weser, in der die Forchheimer Walze anno 1969 gebaut wurde, existiert zwar noch. Aber nach mehreren Eigentümerwechseln werden dort heute keine Straßenwalzen mehr hergestellt, sondern nur noch Asphaltfertiger, wie eine Sprecherin des Unternehmens auf Nachfrage erklärt.
Lesen Sie auch:
















