Die junge Frau nimmt nur selten ihr Auto. Sie wohnt in der Nürnberger Straße in Forchheim, direkt unterhalb des Paradeplatzes. Aber manchmal geht es mit den beiden Kindern nicht anders, dann muss sie, die ihren Namen nicht im Artikel lesen möchte, mit ihrem Wagen zum Einkaufen fahren. Und: Nachher ihr Auto vor dem Haus abstellen, ausladen und die Einkäufe nach oben tragen. Jetzt, da sie wie alle Forchheimer wieder uneingeschränkt am Paradeplatz entlangfahren kann, sollte das noch einfacher sein. Das Gegenteil ist der Fall.
Paradeplatz Forchheim: Schrittgeschwindigkeit und Parkverbot
Viele Forchheimer und Durchreisende halten dort wie gewohnt kurz an, springen in den Bäcker oder holen ihr Rezept ab. Nur: Sowohl das Parken als auch das Halten sind rund um den Paradeplatz verboten. Der Verkehr ist nun zwar wieder in beiden Richtungen freigegeben, dafür gilt seither ein erweiterter verkehrsberuhigter Bereich. In solchen Zonen ist das Parken generell ausschließlich in gekennzeichneten Flächen erlaubt. Etwa auf dem Marktplatz gibt es solche Parkflächen, ebenso zwei Behindertenstellplätze an der Alten Wache. Darüber hinaus ist das Parken rund um den Paradeplatz tabu.
Der verkehrsberuhigte Bereich (rote Fläche) gilt zwischen der Einmündung Torstraße bis zur Hauptstraße, über die Durchfahrt südlich des Paradeplatzes, den neuen Kreisverkehr, ein Stück der Klosterstraße inklusive des Abzweigs zur Vogelstraße, der Vogelstraße zwischen Wiesentstraße und Markplatz, dem gesamten Marktplatz und der Durchfahrt von der Hornschuchallee entlang des ehemaligen Brauhauses zur Tiefgarage und des Kreisverkehrs.
Knöllchen am Paradeplatz kann teurer werden
Wer außerhalb dieser Flächen trotzdem parkt, wird mit Glück mündlich verwarnt, mit Pech muss er 55 Euro zahlen. Die städtischen Kontrolleure sind regelmäßig unterwegs und haben bereits einige Knöllchen ausgestellt.
Besonders in Stoßzeiten, also früh und mittags, führten die Beeinträchtigung der freien Durchfahrt und die Blockade der Bushalte laut einer Mitteilung der Stadt zu Staus, Verzögerungen und Sicherheitsproblemen. Die beiden laut Stadt „provisorisch“ bezeichneten Stellplätze (ungefähr in Höhe des Fotogeschäfts) sind verschwunden, weil die Busse den Platz brauchen würden. Laut Mitteilung der Stadt sei dieser Schritt notwendig geworden, weil dort parkende Fahrzeuge den Schüler- und Busverkehr behindert hatten.
Oberbürgermeister Kirschstein bittet um Verständnis
Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein bitte die Einwohner um Verständnis und Kooperation bei der Einhaltung der Parkvorschriften. Zugleich macht die Stadtverwaltung deutlich: „Wer sein Fahrzeug dennoch falsch parkt, muss mit Verwarnungen und möglichen Bußgeldern rechnen.“ Umliegende Alternativen seien beispielsweise die Tiefgarage Paradeplatz sowie das Parkhaus Kronengarten.
Nicht nur bei den Erwischten überwiegt der Frust: Gewerbetreibende fühlen sich übervorteilt, Autofahrer bevormundet, Anwohner wie die junge Mutter hingegen gestresst und Schulkinder gefährdet. Zwar erlaubt die Straßenverkehrsordnung das Be- und Entladen explizit als Ausnahme, doch nur, wenn niemand behindert wird. Das wiederum ist kaum möglich, weil parkende Autos dort wegen der Bushaltestellen eigentlich immer im Weg sind.
Paradeplatz ist wichtiges Drehkreuz für Busse und Autos
Schüler, Flanierer, Anwohner und Pendler nutzen die Busse rege: Im integrierten Verkehrskonzept wird der Paradeplatz als „Tor zur Innenstadt“ beschrieben, demnach steigen dort werktäglich fast 1900 Fahrgäste ein und um. Sobald das neue Stadtbuskonzept im kommenden Jahr greift, könnte sich diese Zahl noch erhöhen. Hinzu kommt, dass die Paradeplatzdurchfahrt täglich von mehr als 2300 Fahrzeugen genutzt wird.
An Haltestellen wartende Busse, kurz widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge, wuselnde Schulkinder und zu schnell fahrende Autos ergeben in dem eigentlich verkehrsberuhigten Bereich eine gefährliche Mischung. Dies hat auch der Kunreuther Edwin Rank erlebt, der sich an unsere Redaktion gewandt und seinen Unmut über die derzeitige Verkehrssituation am Paradeplatz mitgeteilt hat. „Leider missachten die Autofahrer (aus Gewohnheit oder Trotz) dieses Verbot und parken weiterhin auf der kompletten Länge am Straßenrand“, schreibt er. Gleichzeitig halte sich kaum einer an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit, er selbst sei bereits fast überfahren worden.
Problemsituation ist bekannt – und lösbar?
Ist eine Lösung in Sicht? Kaum. Mehr oder minder ratlos blicken die städtischen Verantwortlichen für den Straßenverkehr und die Verkehrsüberwachung über den Paradeplatz. Man könne zusätzliche Schilder anbringen, um auf die besonderen Regelungen eines verkehrsberuhigten Bereichs explizit hinzuweisen. Darüber hinaus gebe es nicht viel Potenzial zur Gestaltung, wie beispielsweise der Leiter des Verkehrsamts Roland Brütting ausführt. „Jetzt nicht mehr.“
Dabei hatte sich die Situation vor Ort bereits entschärft, während der langen Umbauphase des Paradeplatzes. Zu jener Zeit war das Durchfahren erst ganz, später in einer Richtung untersagt. „Das wäre doch wieder eine gute Lösung, mit Ausnahme für Busse, Anwohner und Lieferverkehr“, sagt etwa die junge Mutter. „Oder wenigstens wieder eine Einbahnstraße, das hat doch in den vergangenen Monaten gut funktioniert.“ Gezielt darauf angesprochen, lächelt Brütting nur und enthält sich eines Kommentars. „Das ist eine politische Entscheidung“, sagt er nur.
Wäre eine erneute Sperrung die Lösung?
Tatsächlich sieht das integrierte Verkehrskonzept eine teilweise Sperrung vor. Konkret: „Die Durchfahrtssperre soll möglichst die Durchfahrt des MIV (motorisierten Individualverkehrs) von Kunden und Beschäftigten unterbinden. Anwohner, Linienbusse, Anlieferung und Versorgung sollen weiterhin den benannten Bereich befahren dürfen.“ Dass dies so umgesetzt wird, bleibt aufgrund der bisherigen politischen Entscheidungen zu diesem Thema nicht zu erwarten.
Fazit? Etwas ratlos blicken die Fachleute der Stadtverwaltung auf die jetzige Verkehrssituation, die sie zwar mehr oder minder vorhergesehen, aber nicht hätten verhindern können. Weder gegen die sich nur knapp aneinander vorbei schlängelnden Busse noch Rückstaus an den Bushaltestellen und widrig abgestellten Fahrzeugen können sie aktuell viel ausrichten.
Nicht nur die junge Mutter wird also weiterhin gestresste Lieferanten, genervte Durchfahrer und emsige Parküberwacherinnen vor ihrer Haustür antreffen.

















