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Verkehrsbelastung B470
Wimmelbach kommt unter die Räder, den Anwohnern reicht’s
Die Wimmelbacher Anwohner Christian Mauser (oben) und Jonas Kraus machen an der B470 mit Plakaten auf ihre Forderungen aufmerksam.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Wimmelbacher Anwohner Christian Mauser (oben) und Jonas Kraus machen an der B470 mit Plakaten auf ihre Forderungen aufmerksam. // Stephan Großmann
Wimmelbach – Tausende Laster und Autos jeden Tag, bis tief in die Nacht. Die B470 führt direkt durch Wimmelbach und raubt Anwohnern den letzten Nerv. Geplant ist seit Jahren eine Umgehung – doch kommt die jemals?

Man muss schon genau hinhören, wenn man Jonas Kraus verstehen will.

Nicht weil er etwa zu leise redete. Etwa 20 Meter unterhalb seiner Grundstückseinfahrt schiebt sich der Feierabendverkehr lautstark durch den Hausener Ortsteil Wimmelbach.

Jonas Kraus, Anwohner Wimmelbach: „Es reicht!“Forchheim & Fränkische Schweiz
Jonas Kraus, Anwohner Wimmelbach: „Es reicht!“ // Stephan Großmann

Sie dröhnen, hupen, rasen, stinken: Laster, Autos, Busse, Motorräder und noch mehr Laster. Den Anwohnern reicht’s, sie haben sich zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen, um „endlich etwas dagegen zu tun“.

„Man kann kein Fenster mehr öffnen, kaum im Garten sitzen. Wenn nachts wieder der Schwerlastverkehr durchrauscht, wackeln sogar die Gläser in den Schränken“, moniert Jonas Kraus, 33, der seit ebenso vielen Jahren hier an der Burker Straße lebt. „Uns reicht’s!“

Mit dieser Ansicht ist er nicht alleine, immer mehr Nachbarn versammeln sich plötzlich, um ihren Unmut kundzutun.

Die Anwohner fordern unter anderem: Beschränkung auf Tempo 30 durch den OrtForchheim & Fränkische Schweiz
Die Anwohner fordern unter anderem: Beschränkung auf Tempo 30 durch den Ort // Stephan Großmann

Eltern, die ihre Kinder nicht alleine vor die Tür lassen, weil der sowieso schmale Gehweg abrupt endet, Seniorinnen, die sich nicht mehr alleine über die Straße trauen, Terrassenbesitzer, die kaum mehr in Ruhe entspannen können.

Aktionsbündnis fordert Tempo 30 für alle

Deren Hauptvorwurf: Keiner tue etwas, um die Probleme zu beseitigen. Deren Forderungen: Tempo 30 für die gesamte Ortsdurchfahrt, eine feste Radarfalle und bestenfalls den Schwerlastverkehr ganz aus dem 500-Seelen-Ort herausleiten.

B470: Den Wimmelbachern reicht's mit dem Verkehr

Die Anwohner des Hausener Ortsteils Wimmelbach sind sauer und fühlen sich mit den Verkehrsbelastungen alleine gelassen. Ihr Aktionsbündnis stellt zahlreiche Forderungen. Was machbar ist und auf was sie verzichten müssen.

„Sicherheit und Ruhe für unsere Kinder, Umgehungsstraße jetzt!“, ruft etwa ein Plakat den Fahrern entgegen.

Was davon ist realistisch, auf was müssen die leidgeplagten Anwohner wohl verzichten?

Hausens Bürgermeister Bernd Ruppert äußert sich

Nachgefragt bei Hausens Bürgermeister Bernd Ruppert. „Tatsächlich werden es jedes Jahr mehr Fahrzeuge, das ist ein Problem“, sagt er auf FT-Nachfrage.

Bernd Ruppert, Bürgermeister Hausen: „Wir tun was“Forchheim & Fränkische Schweiz
Bernd Ruppert, Bürgermeister Hausen: „Wir tun was“ // FT/Gemeinde Hausen

Die Baustelle auf der A3, die Sperrung in Heroldsbach, die Großprojekte in Forchheim – all das zusammen erhöhe das Verkehrsaufkommen für den Durchgangsort zusätzlich.

Bei einer Verkehrszählung im Jahr 2021 fuhren laut amtlichen Zahlen mehr als 9500 Pkw und 642 Lastwagen durch Wimmelbach – jeden Tag.

Realistisch dürften es aktuell allerdings noch viel mehr sein.

Fester Blitzer soll in Wimmelbach kommen

Man sei an dem Thema dran, sagt Bürgermeister Ruppert. So sei eine Blitzanlage längst beschlossene Sache, trotz der mit 100.000 Euro recht hohen Anschaffungskosten. Fest installiert, beidseitig auslösend, aufgestellt in der Mitte des Ortes.

Aber: Die Gemeinde muss noch vertragliche Dinge klären, bis der Blitzer in Betrieb genommen werden könne. Ruppert: „Je eher desto besser.“

Machen Sie mit bei der großen FT-Umfrage:

Flächendeckend Tempo 30 auf B470 in Wimmelbach?

Tempo 30 allerdings sei nicht machbar, prognostiziert der Bürgermeister. Tempo-30-Zonen können Verkehrsbehörden nur einführen, wenn es aufgrund örtlicher Verhältnisse zwingend erforderlich ist. Städte und Gemeinden dürften also gar nicht, selbst wenn sie wollten.

Und das FDP-geführte Bundesverkehrsministerium teilt auf Anfrage mit, „nicht überzeugt von flächendeckendem Tempo 30 oder Geschwindigkeitsbeschränkungen in Durchgangsstraßen“ zu sein.

Laura Moritz, Anwohnerin Wimmelbach: „Angst um die Kinder“Forchheim & Fränkische Schweiz
Laura Moritz, Anwohnerin Wimmelbach: „Angst um die Kinder“ // Stephan Großmann

Auch die bereits im Gemeinderat beschlossene Ampel werde nicht kommen. Der Grund: „Zu wenige Menschen würden als Nutzer infrage kommen“, sagt Ruppert. Daher sei die Ampel vom Landratsamt nicht genehmigt worden.

Kommt die Umgehungsstraße doch noch?

Und die Umgehungsstraße? Eine südliche Umfahrung sollte ersten Planungen zufolge die Anwohner entlang der Hauptstraße entlasten, vor vielen Jahren schon wurde deshalb emotional gestritten im Dorf.

Noch immer weist der sogenannte Bundesverkehrswegeplan 2030 sie sogar mit „vordringlichem Bedarf“ aus. 2,5 Kilometer Straßenlänge, aufgeteilt auf Wimmelbach und Oesdorf, laut damaligen Berechnenungen knapp zehn Millionen Euro Kosten.

Gebaut wurde bislang: kein einziger Meter. Und dabei wird es sehr wahrscheinlich bleiben.

Eine Umgehungsstraße für Wimmelbach ist zwar noch im Bundesverkehrswegeplan; realistisch ist sie aber nicht.Forchheim & Fränkische Schweiz
Eine Umgehungsstraße für Wimmelbach ist zwar noch im Bundesverkehrswegeplan; realistisch ist sie aber nicht. // Stephan Großmann

Flächennutzungsplan Hausen: Umgehungsstraße noch aufgeführt

„Wir haben den Flächennutzungsplan erst kürzlich neu aufgelegt“, so Ruppert. „Darin findet sich weiterhin die Umgehungsstraße.“

Die gestrichelte Darstellung der Straße aber zeigt es an; dass diese Umfahrung tatsächlich kommt, glaubt Ruppert nicht. Auch die Gemeinderäte nicht. Die Anwohner erst recht nicht.

Bürgermeister Ruppert hat aber auch gute Nachrichten für die Wimmelbacher. Jene stört nämlich nicht nur das hohe Verkehrsaufkommen, sondern auch der teils marode Zustand der Straße.

Immerhin der Zustand der Straße wird wohl demnächst in Angriff genommen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Immerhin der Zustand der Straße wird wohl demnächst in Angriff genommen. // Stephan Großmann

„Im April können wir wohl die Kanalarbeiten am Ortseingang starten, danach könnten zügig die Asphaltarbeiten beginnen“.

Roland Kraus winkt ab. Er habe wie viele andere das Vertrauen verloren. „Wir müssen wohl damit leben.“

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