Bengalos kennen viele eigentlich nur aus dem Fußballstadion. Dort werden sie von besonders fanatischen Anhängern genutzt, um ihrer Mannschaft einzuheizen und den Gegner einzuschüchtern. Zum Ende der bundesweiten Friedenspflicht mit den Arbeitgebern in der Nacht von Montag auf Dienstag, 29. Oktober 2024, haben die fränkischen Mitglieder der IG Metall nun jedoch auch auf Pyrotechnik zurückgegriffen. Auch im Landkreis Forchheim protestieren die Autozulieferer.
IG Metall droht mit Warnstreiks bei Schaeffler und Waasner
„Unsere große Streikaktion war bei Bosch in Bamberg“, erklärt Martin Feder von der IG Metall Bamberg. Auch vor den Werkstoren zahlreicher weiterer Unternehmen in der Region – etwa bei Waasner in Forchheim oder Kennametal in Ebermannstadt – hätten Mitglieder mit Fackeln vor dem Werkstor gestanden. Zumindest kurzzeitig.
Grund hierfür ist ein Film, in dem die Gewerkschaft kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern für Hexenkesselstimmung sorgen möchte. „An dem haben wir bis 3 Uhr nachts gearbeitet und ihn dann ins Netz gestellt“, berichtet Feder. Zu einer Behinderung der Arbeit in den meisten Betrieben sei es bei der Aktion aber nicht gekommen – nur bei Bosch habe man die Nachtschicht vorzeitig beendet.
Gewerkschaft fordert mehr Lohn
Durch ihre Aktionen wollen die Gewerkschafter ihren bundesweiten Forderungen Nachdruck verleihen. Diese umfassen unter anderem sieben Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 170 Euro und eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen, welche die gegenwärtige Inflation besonders stark treffe.
Mit vertreten im Video sind auch Gewerkschafter vor der Unternehmenszentrale des Herzogenauracher Automobilzulieferers Schaeffler. „Wir haben diese Aufnahmen tatsächlich bereits vor einigen Wochen angefertigt“, berichtet Schaeffler-Betriebsrat Roland Holler. Das habe unter anderem logistische Gründe. Zu einem Streik vor dem Werkstor nach dem Ende der Friedenspflicht sei es hier bisher definitiv nicht gekommen. Ausschließen wolle er dies jedoch nicht, wenn bei der dritten Verhandlungsrunde am Mittwoch, 30. Oktober 2024, kein Ergebnis zustande komme.
Kennametal in Ebermannstadt streikbereit
Auch bei Kennametal in Ebermannstadt gibt man sich streikbereit. „Die Mitarbeiter sehen trotz des unsicheren Gesamtrahmens in der Wirtschaft aber auch, dass unser Unternehmen in den letzten Jahren gute Ergebnisse eingefahren hat und nun ist es Zeit sich auch den Anteil der Belegschaften zuzusichern“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Thomas Bauernschmitt. Die Stimmung sei kampflustig, sofern sich nicht ein vernünftiges Angebot auftue.
„Der Abschwung in der Automobilbranche steht erst am Anfang, Werksschließungen bei deutschen Herstellern sind noch nicht erfolgt“, erklärt hingegen Michael Waasner, Geschäftsleiter des Forchheimer Familienunternehmens Waasner. Je nach Ausgang des Zollstreits mit China könnten noch zusätzliche Werksschließungen bei anderen Herstellern als Volkswagen anstehen.
Sinkende Verkaufszahlen von VW wirken sich auf Zulieferer aus
Probleme seien zudem die Elektromobilität, die inzwischen zum Stillstand gekommen sei und in welche auch Waasner stark investiert habe, sowie eine seit Jahren sinkende Produktivität angesichts steigender Personalkosten. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen von einer guten wirtschaftlichen Entwicklung profitieren. Als verantwortlicher Unternehmer muss ich aber auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit im Blick behalten“, betont er. Und diese sei auch maßgeblich von der Höhe des Tarifabschlusses abhängig.
Infolge sinkender Verkaufszahlen der Autohersteller wie VW würden diese ihre Produktionszahlen senken. Das wirke sich unmittelbar auch auf Zulieferer aus. Generell wachse der Kostendruck stark an, und damit auch die Forderungen an die Zulieferer nach zusätzlichen Rabatten trotz sinkender Stückzahlen.
Tarifvertrag betrifft nicht nur die Automobilindustrie
„Erstellt wurden diese Forderungen bereits im Frühjahr“, erklärt Feder. Damals habe noch niemand von den VW-Sparplänen gewusst. „Ich bin mir sicher, dass die Situation der Automobilindustrie im Zuge der Verhandlungen Berücksichtigung findet“, betont er. Dennoch brauche die Situation der Arbeitnehmer Verständnis, für die beispielsweise ein Einkauf im Supermarkt heute deutlich teurer sei als noch vor einem Jahr.
„Außerdem geht es bei dem Tarifvertrag ja auch um Betriebe, die mit der Situation der Automobilindustrie nichts zu tun haben“, berichtet der Gewerkschaftler. So gehörten beispielsweise auch Siemens und zahlreiche Unternehmen der Rüstungsindustrie dem Tarif an. Dort sei die wirtschaftliche Lage anders als in der Automobilbranche.
Haustarifvertrag bei Waasner Forchheim
Auch wenn bei den Tarifverhandlungen der IG Metall am Mittwoch ein Ergebnis zustande kommen sollte, so bedeutet dies übrigens nicht für alle Betriebe automatisch Entspannung. So ist Waasner etwa nicht Teil des Flächentarifvertrages, sondern hat einen Haustarifvertrag abgeschlossen, wie die Geschäftsleitung mitteilt. Dieser würde erst nach den Verhandlungen in der Fläche erneuert.
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