Bauzäune, Bagger, Lärm – wohin man gerade auch in Forchheim schaut, es wird gebaut. Monatelang, jahrelang, und alles gefühlt gleichzeitig. Die Innenstadt gleicht einer einzigen Baustelle. Ans Shoppen ist da aktuell kaum zu denken. Der Rathausplatz wird nach wie vor saniert.
Der Paradeplatz ist komplett gesperrt. Und selbst die Fußgängerzone ist keine mehr, weil der Anliegerverkehr bis zum 12. August baustellenbedingt durchrollen darf.
Als Shopping-Fan kein echtes Vergnügen, zum einen weil man ständig ausweichen muss, zum anderen weil Eisdiele und Co. ihre Tische und Stühle wegräumen mussten. Und dann wird auch noch die Tiefgarage ab Juli für drei Monate geschlossen. Viele Zumutungen auf einmal, die für Forchheimer gerade gleichzeitig anstehen.
Lübbis-Inhaberin: „Da habe ich Angst“
Gemütlich durch die Stadt schlendern und einkaufen? Fehlanzeige. Der Frust über die Baustellen ist groß, bei Kunden und bei Geschäftsleuten. „Die Leute sind genervt. Das ist teilweise schon arg. Die Baustellen-Situation in Forchheim ist extrem unglücklich“, sagt Kathrin Grüner, Inhaberin vom Lübbis in der Apothekenstraße.
Noch laufe ihr Geschäft trotz Baustelle, sie macht sich allerdings große Sorgen, wie es weitergeht, wenn die Tiefgarage am Paradeplatz geschlossen wird. „Da habe ich wirklich Angst. Meine Gäste parken hauptsächlich dort. Wo sollen sich die Leute hinstellen? Wie sollen die 40 Parkplatze in der Hornschuch-Allee reichen?“
Verkehrsbehinderungen und Parkplatzmangel
Das Restaurant Arizona am Rathausplatz ist seit Sommer 2020 direkt von der Baustelle betroffen. Die Außenfläche für Sitzplätze ist auf die Hälfte reduziert. "Vorher war es natürlich groß, wir hatten den ganzen Rathausplatz, aber das haben wir auch gebraucht", sagt Geschäftsführer Till Stürmer.
Dass überall gleichzeitig gebaut wird und dabei nicht auf die anliegenden Geschäfte und Gastronomiebetriebe Rücksicht genommen wird, ist für ihn unfassbar. „Touristen kommen gar nicht mehr. Parkplatzmangel, Lärm, Staub, alles ist nur noch furchtbar hässlich", äußert er sich gegenüber dem FT.
Für ihn sei das Problem von der Stadtverwaltung „hausgemacht“. Er rechnet frühestens in vier bis fünf Jahren damit, wieder im Normalzustand arbeiten zu können. "Der Rathausplatz soll ja nach der Sanierung des Rathauses auch noch verschönert werden. Das ist schön, aber wirtschaftlich gesehen eine Katastrophe", so Stürmer. Aktuell versuche man durch Lieferservice die "erheblichen Einbußen" auszugleichen.
Mehrfach sei man an die Stadt herangetreten. Eine Grünbepflanzung entlang des Bauzauns lehnte die Stadt allerdings ab. Auch den Strom auf der Baustelle für eine bessere Atmosphäre bei der Außenbestuhlung durfte das Arizona nicht verwenden. Die ehemalige Citymanagerin Elena Büttner sei die Einzige gewesen, die sich seitens der Stadt für das Restaurant stark gemacht habe. "Wir fühlen uns von der Stadt nicht gut behandelt."
Gleich ums Eck ist für diesen Herbst die Eröffnung einer Beck Filiale geplant. Die Umbauarbeiten sind laut Marketingleiter Tobias Ballbach bereits in vollem Gange. "Aktuell ist die Baustellen-Situation am Rathaus kein Thema für uns."
Umsatzeinbußen: Gespräch mit OB
An anderer Stelle gehen die Einnahmen wegen der Baustelle dagegen massiv zurück. So sehr, dass manch einer keinen anderen Ausweg mehr sieht als die Schließung. Was das Einkaufsvergnügen in Forchheim weiter schmälern würde.
Das Lederwaren-Geschäft von Axel Dorsch befindet sich direkt am Paradeplatz. „Erst Corona, jetzt die Baustelle. Eineinhalb Jahre halten wir das nicht mehr durch. Wir haben Umsatzeinbrüche über 60 Prozent“, bedauert Dorsch.
Hoffnung auf finanzielle Unterstützung durch die Stadt
Für ihn ist der Gipfel erreicht. Er zieht mit seinem Geschäft in die Boschstraße. In der Hoffnung auf finanzielle Unterstützung der Stadt Forchheim trifft er sich aber zunächst am Mittwoch mit Oberbürgermeister Uwe Kirschstein.
Fast direkt daneben gibt es bereits einen Leerstand. Und das schon seit Monaten. Sehnlich warten die Forchheimer auf einen Nachfolge-Supermarkt in den Räumen des einstigen Rewe. Ein weiterer Anziehpunkt, der der Innenstadt fehlt.
Ob sich die Suche wegen der Mega-Baustelle am Paradeplatz so lange hinzieht? „Die Stadt bemüht sich weiter intensiv, dass an diesem Standort die Versorgung für die Bevölkerung mit Lebensmitteleinzelhandel gesichert wird“, reagiert Pressesprecherin Britta Kurth auf FT-Nachfrage.
Drei Bewerber für Nahversorger
Die Stadt sei mittlerweile offiziell Untermieter im ehemaligen Rewe. Somit dürfe sie nun erstmals aktiv den künftigen Betreiber aussuchen: „Bisher war die Stadt, da nicht Eigentümerin, gar nicht am Verhandlungstisch.“ Aktuell stehe die Stadt mit drei Unternehmen in Verhandlung, die alle drei einen Nahversorger realisieren möchten. „Mit allen dreien waren wir bereits vor Ort“, informiert Kurth. Zum weiteren Verlauf der Verhandlungen würde sich die Stadt zu gegebener Zeit äußern.
Lesen Sie dazu auch:












