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Aus Not eine Tugend gemacht
Neue Vision für „Kronengarten": Pflegekräfte statt Touristen
Geht es nach den Plänen der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH, dann ziehen ins ehemalige Hotel „Kronengarten" schon bald Pflegeazubis ein. Nebendran soll gar eine neue Schule entstehen.
Geht es nach den Plänen der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH, dann ziehen ins ehemalige Hotel „Kronengarten" schon bald Pflegeazubis ein. Nebendran soll gar eine neue Schule entstehen. // Foto: Martin Regner
Forchheim – Das alte Hotel „Kronengarten" wird zum Hoffnungsträger für die Pflegekräfte-Ausbildung. Dabei hätte die Pflegeschule um ein Haar ganz aus Forchheim verschwinden müssen.

Wenn alles gut läuft, fehlen in neun Jahren nur 90.000 Pflegekräfte. Es könnten aber auch 350.000 sein. Egal, welches Szenario der Pflegekräftevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes eintreten wird, eins ist klar: Die Pflegefachfrauen und -männer reichen nicht. Der zentralste Baustein ist die Stärkung und Weiterentwicklung der Ausbildung. Diesbezüglich zeichnet sich für den Forchheimer Raum eine positive Entwicklung ab: Die Forchheimer Außenstelle der Berufsfachschulen für Pflege und Altenpflegehilfe der bfz gGmbH hat eine Zukunft und zieht in Forchheims Innenstadt.

bfz gGmbH baut neue Schule in Forchheims Innenstadt

Die bfz gGmbH betreibt bundesweit 56 Schulen an 20 Standorten und bildet qualifizierte Fachkräfte für die Anforderungen in Therapie und Pflege sowie im gewerblich-technischen Bereich aus. Unter anderem in Bamberg, Coburg, Lichtenfels, Kronach und Forchheim. Bislang sind die bfz-Einrichtungen in der Konrad-Ott-Straße untergebracht, künftig sollen die Schulen in der Bamberger Straße ein neues Zuhause finden.

Hierzu hat der Schulträger das im Jahr 2024 geschlossene Hotel „Am Kronengarten“ gekauft, wird dieses umgestalten und zusätzlich auf dem angrenzenden Grundstück einen Neubau errichten. Nähere Details verraten die Planer noch nicht und verweisen auf einen Termin in der kommenden Woche. Nur so viel sickert bereits durch: Die Pflegeschulen sollen in dem Neubau unterkommen, das ehemalige Hotel zum Wohnheim umfunktioniert werden.

Um ein Haar hätten bfz Forchheimer Außenstelle schließen müssen

Dass die bfz-Schulen nunmehr in die Innenstadt – und damit weg vom Klinikum – ziehen, war eigentlich nicht geplant. Der Grund ist banal: Man sei wegen Eigenbedarfs gekündigt worden, schreibt bfz-Sprecherin Jana Wolf. „Nach über zweieinhalb Jahren intensiver Suche und vielen Momenten des Zweifelns sind wir sehr dankbar und erleichtert, dass wir für unsere Berufsfachschulen für Pflege und Altenpflegehilfe in Forchheim eine neue Heimat gefunden haben“, schreibt der bfz-Standortleiter für die Region Bamberg-Coburg Wolfgang Mayer. Weil sich in den bisherigen Räumlichkeiten nicht nur die Berufsfachschulen für Pflege und Altenpflegehilfe der bfz gGmbH befinden würden, sondern der gesamte Außenstandort samt der Tochterfirmen dort seinen Platz habe, sei eine Lösung dringend gewesen.

Mayer weiter: „Eine wichtige Lösung zum Ausbau der Pflegeausbildung und der Fachkräftesicherung in der Region.“ Denn zwischenzeitlich habe man bei der bfz „ein solches Ergebnis fast nicht für möglich gehalten und waren schon kurz vor dem Punkt, die Außenstelle aufzugeben“, schreibt bfz-Sprecherin Wolf. Dies wiederum sei nicht nur für den allgemeinen Fachkräftemangel in der Pflege, sondern auch für den gesamten Ausbildungsverbund Pflege Forchheim ein fataler Schritt gewesen.

Wohnraum für Pflegekräfte großes Problem rund um Forchheim

Auch wenn es neben der Berufsfachschule für Pflege am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz gGmbH sowie der Berufsfachschule für Pflege St. Nikolaus der Arche Teach and Work International gGmbH in Eggolsheim zwei weitere Schulen in der Nähe gibt. Letztere baut derzeit zudem ein Pflege- und Wohnheim im Forchheimer Norden, welches 2027 in Betrieb gehen soll. Ein Wegzug des bfz wäre ein Verlust für die Region gewesen.

Dass die nun nicht nur dableibt, sondern gleich Wohnraum für ihre Azubis schaffen will, ist wichtig. Denn vor allem die Wohnungssituation sei für junge und angehende Pflegekräfte häufig ein Problem, sagt Andreas Schneider. Der Vorsitzende des Ausbildungsverbunds Pflege der Region Forchheim schätzt die Lage gar als „dramatisch“ ein. Von den insgesamt knapp 200 Plätzen im Ausbildungsverbund könne er 40 nicht besetzen, sagte er im Februar. Weil nicht genügend Wohnraum zur Verfügung stehe.  

Gute Nachrichten wie die der bfz kommen daher nicht nur Schneider gelegen. „Dank der Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung, können wir jetzt unseren Berufsfachschulen für Pflege und Altenpflegehilfe neue, moderne Räumlichkeiten bieten, die den aktuellen technischen Anforderungen gerecht werden und zeitgleich einen praxisnahen Unterricht ermöglichen“, schreibt bfz-Sprecherin Jana Wolf. Laut aktuellen Zahlen des Bayerischen Statistikamtes leben im Jahr 2043 fast 26 Prozent mehr Ältere ab 65 Jahren im Landkreis als heute – Pflegekräfte werden also ein kostbares Gut bleiben.

 

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