0
Spektakuläre Bilder
Neue 40-Meter-Masten: Sicherer Strom für Forchheim
Spektakuläre Bilder von oben: Wie hier am Globus in Forchheim baut die Bayernwerk Netz GmbH regelmäßig ihre Leitungen.
Spektakuläre Bilder von oben: Wie hier am Globus in Forchheim baut die Bayernwerk Netz GmbH regelmäßig ihre Leitungen. // Cteam Leitungsbau GmbH
Forchheim – Schwindelerregende Höhen und tonnenschwerer Stahl: In Forchheim sind mehrere neue Hochspannungs-Masten entstanden. Die monatelangen Bauarbeiten sind von hoher Bedeutung für die Region.

Es braucht eine gute Sicherung, ein erfahrenes Team und verbindliche Absprachen. Bei einem Arbeitsplatz in 40 Metern luftiger Höhe wird nichts dem Zufall überlassen. Auch wenn dann natürlich gerade kein Strom fließt, arbeiten die Freileitungsmonteure der österreichischen Firma CTeam Leitungsbau Österreich unter spektakulären Bedingungen. Was für die Profis selbst mit der Zeit zur Routine wird, lässt Schaulustige oft sprachlos zurück. Europaweit bauen, reparieren und erneuern sie Strommasten samt den dazugehörigen Leitungen. In den vergangenen Monaten waren sie in Forchheim im Einsatz.

In 40 Metern Höhe sind die Freileitungs-Monteure unterwegs.
In 40 Metern Höhe sind die Freileitungs-Monteure unterwegs. // Cteam Leitungsbau GmbH

110-kV-Leitung zwischen Forchheim und Thuisbrunn erneuert

Zwischen Thuisbrunn (Gemeindetal der Stadt Gräfenberg) und Forchheim verläuft eine 110-kV-Freileitung (Hochspannungsnetz). Wie die anderen Freileitungen wurde auch diese nach aktuellen Sicherheitsstandards geprüft.  Im Nachgang hat die Bayernwerk Netz GmbH die Firma CTeam beauftragt, die Leitungen zu ertüchtigen. Das seit September 2023 laufende Projekt leitet Tobias Bodner, er sagt: „Entlang dieser Leitung haben wir in den vergangenen Monaten vier Masten neu gebaut und neun weitere verstärkt“. Schnell fügt er hinzu, „um sie noch sicherer zu machen“.

Neu gebaut wurde beispielsweise der knapp 40 Meter hohe Mast hinter dem Globus. Um das zu bewerkstelligen, musste vorher jedoch erst der alte Mast abgebaut werden. Um den für die regionale Versorgung wichtigen Stromkreis möglichst kurz abzuschalten, haben Bodner und sein Team zunächst zwei Behelfsmasken errichtet. Einen links des Hauptmastes, einen rechts davon. Für die Befestigung hat sich CTeam eine effiziente Methode überlegt: Die Stahlkolosse halten im Prinzip wie ein Kran, über tonnenschwere Betonauflagen am Boden. Pro Mast liegt das Gewicht bei knapp 150 Tonnen.

Gigantische Behelfsmasten und tonnenweise Stahl

Als die provisorischen Masten standen, hat der Netzbetreiber den Stromfluss aus Sicherheitsgründen für kurze Zeit abgeschaltet. Das nutzten die Freileitungsmonteure, um die Leiterseile auf die Behelfsmasten zu übertragen. Erst dann haben sie den alten Hauptmast Stück für Stück abgetragen. Mehr oder minder gleichzeitig rollten bereits weitere Lkw-Kolonnen zur Baustelle, um die Einzelteile für den neuen, verstärkten Mast abzuliefern. „Insgesamt haben wir auf der Stromleitung zwischen Forchheim und Thuisbrunn knapp 70 Tonnen neuen Stahl verbaut“, erklärt Bodner. Hinzu kommen einige Tonnen Beton für die neuen, verstärkten Fundamente.

„Um Nutzungsdauer und Sicherheitslevel von Freileitungen auf einem hohen Stand zu erhalten, sind Ertüchtigungen von Hoch- und Höchstspannungsleitungen in regelmäßigen Abständen erforderlich“, teilt das Unternehmen CTeam auf seiner Website mit. Das schließt auch die Infrastruktur der Bayernwerk Netz GmbH mit ein. Mit seinem Stromnetz von etwa 160.000 Kilometern Länge in Ober- und Unterfranken, Nieder- und Oberbayern sowie der Oberpfalz ist das Unternehmen der größte regionale Verteilnetzbetreiber in Bayern.

Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung

Der Stromhunger der Bayern wächst, auch sie wollen E-Autos fahren und Smartphones laden. Zwar fürchten manche Fachleute wegen des Ende 2022 absolvierten Atomausstiegs und des für 2028 avisierte Aus für die Kohle Versorgungsengpässe, aber laut neuesten Daten der Bayerischen Staatsregierung kamen beispielsweise im Landkreis Forchheim schon zum 31. Dezember 2022 mehr als 38 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien (52 Prozent PV, 28,4 Prozent Biomasse, 18,4 Prozent Wasserkraft und 1,2 Prozent Windkraft).

Stromnetze in Bayern kommen an Leistungsgrenze

Ähnlich sieht es im gesamten Bayernwerk-Netz aus. Laut Konzernangaben verteile man aktuell über 500.000 in das Stromnetz eingebundene dezentrale Einspeiseanlagen bereits zu über 70 Prozent regenerativen Strom.

„Der Zubau regenerativer Energie und der gleichzeitig steigende Strombedarf bringen unser Verteilnetz zunehmend an seine Leistungsgrenze. Um weitere Einspeisungen möglich zu machen und die Versorgungssicherheit im Bayernwerk-Netz weiterhin zu gewährleisten, werden in den kommenden Jahren viele Freileitungen im Verteilnetz optimiert, verstärkt oder ausgebaut“, teilt das Bayernwerk mit Sitz in Regensburg mit.

In dem Fall geht es um das sogenannte „überregionale Verteilnetz Hochspannung“, die 110-kV-Leitung. Die spannt sich in der Regel zwischen zwei Umspannwerken, in diesem Fall eben Forchheim und Thuisbrunn. Weitere Umspannwerke in der Region finden sich zum Beispiel in Ebermannstadt, Eggolsheim, Höchstadt und Erlangen. Insgesamt investiert die Bayernwerk Netz GmbH in diesem Jahr rund 1,3 Milliarden Euro in Ausbau und Ertüchtigung ihrer Netze. Im kommenden Jahr sollen es gar 1,7 Milliarden werden. 

Seit Ende Juni steht nun auch der letzte neue Mast hinter dem Globus wieder, Tobias Bodner und seine Leute von der Cteam Leitungsbau Österreich sind weitergezogen. Die nächsten Baustellen in luftiger Höhe warten schon.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!