Der Umbau des ehemaligen Willersdorfer Kindergartens „St. Joseph“ in fünf Wohneinheiten ist ein Projekt voller Ungereimtheiten. Beantragt wurde die Baumaßnahme bereits 2016, doch in die versprochenen Wohnungen einziehen konnte trotz zwischenzeitlich angekündigter Fertigstellungstermine für die Jahre 2017 und 2019 bis heute niemand.
Willersdorf: Auch rund neun Jahre nach Bauantrag nicht fertig
Das Projekt zieht sich jetzt schon seit rund neun Jahren hin. Handwerker, Lieferanten und Dienstleister berichten immer wieder von nicht bezahlten Rechnungen. Firmen aus weit entfernten Städten wie Berlin, Leipzig und Hannover, die mit dem Projekt zu tun hatten, erwiesen sich bei der bisherigen Recherche mitunter als unauffindbar, wie der Fränkische Tag bereits berichtete.
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Inzwischen wurde dem Fränkischen Tag von mehreren Seiten bestätigt, dass die geplanten Wohnungen bereits verkauft worden sein sollen – und dass die Käufer bereits größere Summen bezahlt hätten, während das Gebäude in Willersdorf noch weit von einer Bezugsfähigkeit entfernt ist. Das, was ein weiterer Betroffener des Projekts derweil im Gespräch mit dem Fränkischen Tag erzählt, nährt weitere Zweifel an der Seriosität des Bauprojekts.
Gerüstbauer sollte seine Rechnungen mehrfach umschreiben
Er sei im Jahr 2022 von einer Firma G-Konzeptbau aus Hagen (alle Namen von Firmen und Personen aus rechtlichen Gründen geändert) damit beauftragt worden, ein Gerüst auf die Willersdorfer Baustelle zu stellen, erklärt der Gerüstbauer aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt. Die G-Konzeptbau sei ihm gegenüber als mit dem Umbau beauftragter Generalunternehmer aufgetreten. Zwar sei seine Rechnung für die Errichtung des Gerüsts beglichen worden, so der Gerüstbauer. Aber weitere Rechnungen, die alle vier Wochen für Standzeitverlängerungen anfielen, seien offen geblieben.
Auch auf Mahnungen habe die G-Konzeptbau nicht reagiert. Er habe deswegen im weiteren Verlauf des Jahres 2022 angedroht, das Gerüst abzubauen, so der Handwerker. Daraufhin habe der Auftraggeber ihn darum gebeten, die bisherigen Rechnungen umzuschreiben auf die Firma E-Unternehmensgruppe mit einer Adresse in Hannover.
Firma aus Hannover bereits bei einer Baustofflieferung im Spiel
Die E-Unternehmensgruppe aus Hannover war nach den bisherigen Recherchen bereits bei einer Baustofflieferung auf die Willersdorfer Baustelle als Auftraggeber aufgetreten, die nach Angaben des Baustoffhändlers aus dem Landkeis Forchheim aber ebenfalls nicht bezahlt worden war. Nach der angeblichen Inhaberin der E-Unternehmensgruppe, einer Frau Sonne, suchte in Hannover bereits die Polizei.
Das Umschreiben der Rechnungen auf die E-Unternehmensgruppe führte nach Angaben des Gerüstbauers allerdings nicht dazu, dass der offene Betrag beglichen wurde. Stattdessen sollte er seine Rechnungen auf Wunsch des Auftraggebers erneut ändern und zwar mit der Begründung, die E-Unternehmensgruppe sei inzwischen umgezogen an eine Adresse in der Stadt Langenhagen.
Erst beim dritten Gerichtstermin erschien die Gegenseite
Schließlich sei sein Gesprächspartner von der G-Konzeptbau telefonisch nicht mehr erreichbar gewesen und es habe sich stattdessen ein Herr Müller von der Firma B-Beteiligungen bei ihm gemeldet. Wie bereits berichtet, hatten Müller und die B-Beteiligungen im Jahr 2016 den Bauantrag für das Projekt bei der Gemeinde Hallerndorf gestellt und waren auf einer Werbetafel vor dem alten Kindergarten-Gebäude und auf einer Internetseite zum „Wohnen am Josephsgarten“ als Anbieter der geplanten fünf Wohnungen aufgetreten.
Müller habe in mehreren Telefongesprächen versucht, den angedrohten Abbau des Gerüsts zu verhindern und hinauszuzögern, erinnert sich der Gerüstbauer. Außerdem habe Müller ihm versprochen, sich um die Bezahlung der offenen Rechnungen zu kümmern. Diese sollten allerdings ein drittes Mal umgeschrieben werden, diesmal auf die Firma B-Beteiligungen.
Gerüst in Willersdorf im November 2023 abgebaut
Wie sich der Gerüstbauer erinnert, seien seine Rechnungen infolgedessen ein halbes Jahr lang beglichen worden, danach seien die Zahlungen aber wieder ausgefallen. Am Ende seien noch rund 16.000 Euro offen geblieben, so der Gerüstbauer, und er habe die Firma B-Beteiligungen, die dann auf Anrufe ebenfalls nicht mehr reagiert habe, schließlich auf Zahlung verklagt. Sein Gerüst habe er im November 2023 erbost abgebaut.
„Ich habe einfach die Nase voll von dem ganzen Durcheinander gehabt“, sagt der Handwerker rückblickend. In den offenen 16.000 Euro seien rund 3000 Euro für beschädigte Gerüstteile enthalten gewesen. Denn wie er beim Abmontieren festgestellt habe, sei das Gerüst ohne sein Einverständnis umgebaut worden und er habe zerstörte und verformte Gerüststangen vorgefunden.
Nach einem Vergleich wurden rund 8000 Euro gezahlt
Zum ersten Gerichtstermin wegen der offenen Rechnungen sei niemand von der Gegenseite erschienen, erinnert sich der Gerüstbauer. Zu einem zweiten Prozesstermin ebenfalls nicht. Der Richter habe dann in Abwesenheit des Beklagten ein Urteil zu Gunsten des Gerüstbauers gesprochen.
Gegen das die Firma B-Beteiligungen jedoch Widerspruch eingelegt habe, woraufhin es zu einem dritten Verhandlungstermin gekommen sei. Bei diesem hätten Müller und ein Herr Beyer, der sich als Geschäftsführer der B-Beteiligungen vorgestellt habe, ihn mit Vorwürfen wegen angeblicher Ausführungsmängel beim Gerüstbau überzogen. Am Ende habe man sich in einem Vergleich auf die Zahlung von rund 8000 Euro geeinigt, die er dann auch erhalten habe.
Gerüstbauer beklagt: „Da hätte jemand zu Tode kommen können.“
Die von Müller und Beyer vor Gericht vorgebrachten Mängel bestreitet der Gerüstbauer, das Gegenteil sei richtig: „Ich habe selber die Berufsgenossenschaft verständigt, weil auf der Baustelle in Willersdorf offensichtlichst unsachgemäß gearbeitet worden ist.“ So hätten dort Bautrupps ohne Arbeitsschutz in Turnschuhen und Jogginghosen gearbeitet. Starkstromleitungen hätten offen aus Wänden geragt: „Da hätte jemand zu Tode kommen können.“ Und die Garage einer Nachbarin der Baustelle sei beschädigt worden.
Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) bestätigt auf Nachfrage, „dass unseren zuständigen Aufsichtspersonen vor Ort die Baustelle gut bekannt ist und regelmäßig kontrolliert wird.“ Bei den Kontrollen seien immer wieder Sicherheitsmängel festgestellt worden. Nähere Details könne man aufgrund des Datenschutzes nicht mitteilen, so die BG Bau weiter.
Die Schilderungen des Gerüstbauers ähneln dem, was Nachbarn der Baustelle im Gespräch mit dem Fränkischen Tag erzählen. Diese berichten von immer wieder sporadisch auftauchenden und dann wieder für mehrere Wochen verschwindenden Bautrupps, die unsachgemäß zu Werke gegangen sein sollen. So seien etwa witterungsempfindliche Baumaterialien wie Gipskartonplatten und Zementsäcke unter freiem Himmel gelagert worden und in der Folge kaputtgegangen.
Verkehrschild an der Ortsdurchfahrt war plötzlich verschwunden
Außenflächen des Gebäudes seien mit OSB-Platten aus Holz verkleidet worden, die sich bei Regen mit Wasser vollgesaugt hätten und aufgequollen seien. Müll und Bauschutt seien zum Teil monatelang nicht von der Baustelle abgeholt worden.
Außerdem, so erinnert sich ein Nachbar aus Willersdorf, sei eines Tages das blau-weiße Verkehrsschild verschwunden, das Autofahrer auf den Zebrastreifen hinweisen soll, der vor dem ehemaligen Kindergarten über die Willersdorfer Ortsdurchfahrt führt. Der Landkreis Forchheim ließ das Schild in der zweiten Jahreshälfte 2024 erneuern, nachdem das Landratsamt vom Fränkischen Tag auf dessen Fehlen aufmerksam gemacht worden war. Über den Verbleib des ursprünglichen Schilds ist nichts bekannt.
Bei den Recherchen taucht weiteres Projekt in Schnaittach auf
Ein Gespräch mit einem Heizungsbauer aus dem Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim ergab, dass zwei der Firmen, die rund um das Willersdorfer Projekt aufgetreten sind, offenbar noch eine weitere Baustelle zu verantworten haben könnten. Jedenfalls gab der Heizungsbauer an, vor rund zwei Jahren von der Firma G-Konzeptbau aus Hagen, die bereits den erwähnten Gerüstbauer für das Projekt in Willersdorf beauftragt hatte, darum gebeten worden zu sein, auf einer Baustelle in der Bahnhofstraße in Schnaittach im Landkreis Nürnberger Land tätig zu werden.
Er habe sich damals zu einem Besichtigungstermin in Schnaittach eingefunden, so der Heizungsbauer weiter. Jedoch sei der Auftraggeber von der Firma G-Konzeptbau zu dem Termin nicht erschienen und habe auf Anrufe und Textnachrichten nicht mehr reagiert. Er habe sich in der Wartezeit ein wenig auf der Schnaittacher Baustelle umgesehen, erinnert sich der Heizungsbauer. Dabei habe er eine Menge „groben Pfusch“ gesehen, etwa eine „lebensgefährliche Elektroinstallation“ und Wasserleitungen „in unterirdischer Qualität“. Die Trockenbauwände „hätte ein Zweijähriger besser hingekriegt als die, die das gemacht haben.“
Bauarbeiter blieb tagelang allein auf der Baustelle zurück
Er habe in der Folge davon Abstand genommen, auf der Baustelle in Schnaittach tätig zu werden. Das Fazit des Heizungsbauers zu dem, was er dort erblickt hatte, ist bitter: „Sowas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Das war wirklich schlimm, katastrophal.“
Ein Eindruck, der sich vor Ort in Schnaittach bestätigt. Zwar ist die Baustelle inzwischen abgeschlossen und das Haus bewohnt, aber das, was Anwohner der Bahnhofstraße, die die Bauphase erlebt haben, im Gespräch erzählen, macht sprachlos. So sei die hinterlassene Bauqualität „minus minus minus“, wie eine Anwohnerin meint. Von außen fällt etwa ins Auge, dass die Dämmung des Dachs unter der Dachkante mitunter frei liegt und der Witterung ausgesetzt ist. Nach Angaben der Schnaittacher Stadtverwaltung sei der Umbau des alten Hauses in der Bahnhofstraße 2021 beantragt und 2024 nach einer längeren Unterbrechung fertiggestellt worden.
Ein Bautrupp soll mitten im Sommer einen Kollegen auf der Baustelle zurückgelassen haben, berichtet die Anwohnerin weiter. Die Leute, die eine Weile auf der Baustelle gearbeitet hätten, seien eines Tages mit ihrem Kleintransporter abgefahren, hätten aber einen Mann vergessen. Der Zurückgelassene habe nichts zu Essen oder zu Trinken dabei gehabt und bei sommerlicher Hitze mehrere Tage und Nächte auf der Baustelle ausharren müssen, bis ihn doch noch jemand mitgenommen habe.
Außerdem seien rund hundert blaue Müllsäcke von der Baustelle wochenlang nicht abgeholt worden, was im Sommer fürchterlich gestunken habe. „Das war die chaotischste Baustelle, die ich in meinem Leben gesehen habe“, sagt die Frau aus der Schnaittacher Bahnhofstraße rückblickend. Wie eine Momentaufnahme in Google Streetview aus dem September 2022 zeigt, wurden damals Baumaterialien und eine mobile Toilette so auf dem Gehsteig vor dem Haus platziert, dass dieser nicht mehr passierbar war.
Als Eigentümer der Immobilie in Schnaittach konnte ein Rechtsanwalt aus Nürnberg ausfindig gemacht werden, der auf Nachfrage erklärt, er habe als Auftraggeber der dortigen Umbauarbeiten „Geld verloren“. Er habe einen Bauträger gebeten, den Altbau in Schnaittach für ihn zu sanieren und umzubauen, und dieser habe als Subunternehmer die Firmen G-Konzeptbau und B-Beteiligungen engagiert.
Es bleiben viele offene Fragen rund um die beiden Bauprojekte
Der Fränkische Tag hätte selbstverständlich auch gern die G-Konzeptbau und die B-Beteiligungen zu den Vorgängen in Willersdorf und Schnaittach befragt. Allerdings zeigte sich bei einer Recherche im Handelsregister, dass die Firma G-Konzeptbau offenbar bereits 2023 wegen Vermögenslosigkeit gelöscht worden ist. Und Herr Müller von der B-Beteiligungen bat in einem Telefonat zunächst darum, zwei Tage später noch einmal angerufen zu werden. Dann forderte er, dass ihm die Fragen per Post oder E-Mail zugeschickt werden.
In seiner Antwort-Mail, die die Redaktion eineinhalb Wochen nach dem ersten Telefonkontakt erreichte, erklärte Müller unter anderem: „Rechnungen wurden natürlich alle bezahlt“, mit einem Bauvorhaben in Schnaittach „haben/hatten wir kein Vertragsverhältnis“. Zur G-Konzeptbau sei man in keinem Verhältnis gestanden. Mehrere weitere Fragen ließ Müller offen mit Verweis darauf, dass die Zeit zur Beantwortung nicht ausgereicht habe.
















