Strafprozess
Drogen konsumiert? Ja. – Gedealt? Eher nein.
Ein 23-Jähriger stand wegen des Handels und Besitzes von Hasch vor dem Haßfurter Strafrichter.
Ein 23-Jähriger stand wegen des Handels und Besitzes von Hasch vor dem Haßfurter Strafrichter.
Foto: Oliver Berg, dpa
Haßfurt – Hat ein 23-Jähriger aus dem Kreis Haßberge tatsächlich mit Marihuana gehandelt? Oder war es sein Cousin? Das Gericht muss einen Anklagepunkt fallen lassen.

Der Handel und der Besitz von Betäubungsmitteln wurde einem 23-jährigen Arbeiter aus dem nördlichen Landkreis Haßberge von der Staatsanwaltschaft Bamberg vorgeworfen. Gut 800 Gramm Marihuana sollte er an einen Bekannten vertickt haben, und bei ihm selber wurden bei einer Wohnungsdurchsuchung im November 2021 ebenfalls 34 Gramm gefunden sowie ein Bargeldbetrag von 3150 Euro.

Der Rauschgifthandel kann dem jungen Mann vor Gericht dann doch nicht nachgewiesen werden

Der Handel konnte ihm letztlich bei der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Haßfurt am Dienstagvormittag nicht nachgewiesen werden. Deshalb wurde dieser Anklagepunkt fallen gelassen.

Verurteilt wurde er allerdings von Richter Patrick Keller wegen Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 70 Euro, also zu 2800 Euro.

Schon zu Beginn der Sitzung zweifelte der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Alexander Wessel an, dass der Anklagepunkt wegen des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln auf seinen Mandanten zutreffe. Den Besitz räumte der Verteidiger für seinen Mandanten ein, der sich hierzu selbst nicht äußerte.

Die Anklage gegen seinen Cousin ist „Blödsinn“ und „Käse“, sagt der Zeuge

Als Zeuge wurde ein Verwandter des Angeklagten vernommen, dem er Betäubungsmittel verkauft haben sollte. Dieser war bereits in anderer Sache rechtskräftig verurteilt, ein Zeugnisverweigerungsrecht stand ihm nicht zu. Dieser 26 Jahre alte Zeuge bezeichnete die Anklage gegen seinen Cousin als „Blödsinn und Käse“, dem Staatsanwältin Fabienne Meerländer zwar entschieden entgegentrat. Doch der Zeuge blieb dabei: Der Angeklagte habe mit Drogenhandel nichts zu tun. „Das war alles meine Sache und ich bin deswegen auch schon verurteilt“, sagte der verwandte Zeuge. Konsumiert habe der Angeklagte bei ihm schon häufiger, aber der habe von ihm nichts gekauft – oder er ihm etwas verkauft.

Wie passt Namensliste ins Bild?

Gefunden worden war eine Liste mit Namen und Geldbeträgen dahinter, was nach Meinung der ermittelnden Polizeibeamten auf Handel hinweise, wie es hieß. Der Sachbearbeiter von der Kriminalpolizei Schweinfurt schilderte dem Gericht den Ermittlungsverlauf im Detail und war der Meinung, dass die 3150 Euro, die beim Angeklagten gefunden wurden, tatsächlich „Drogengeld“ sind. Ein weiterer Polizeibeamter der Spurensicherung sagte aus, dass ein Fingerabdruck des Angeklagten auf einer Tüte gefunden wurde, die beim anderweitig verurteilten Verwandten gefunden worden war.

Richter Patrick Keller beschränkte das Verfahren mit Einverständnis der Staatsanwältin, des Verteidigers und des Angeklagten nur auf den Besitz von Betäubungsmitteln. Im Bundeszentralregister war der Angeklagte noch nicht eingetragen, was sich letztlich auch auf das Strafmaß auswirkte.

Handy und Drogen sind weg

Zu seinen persönlichen Verhältnissen machte der Angeklagte dann selbst Angaben, auch über seinen Verdienst und seine finanziellen Verhältnisse. Das bei ihm sichergestellte Geld, die 3150 Euro, möchte er wieder haben. Auf ein teures sichergestelltes Handy, auf das sichergestellte Betäubungsmittel und entsprechende Utensilien verzichtete er nach Rücksprache mit seinem Verteidiger.

Staatsanwältin Meerländer beantragte in ihrem Plädoyer für den Angeklagten eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 70 Euro, also 3500 Euro und Auferlegung der Kosten. Verteidiger Alexander Wessel hingegen hielt eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 50 Euro, somit 1500 Euro, für ausreichend.

Der Richter bewegt sich mit seinem Urteil genau in der Mitte der Forderungen von Staatsanwältin und Verteidiger

Im Urteil legte Richter Patrick Keller dann 40 Tagessätze zu je 70 Euro, also 2800 Euro, fest. Er machte dem Verurteilten am Ende sehr eindringlich klar, dass er diesmal noch von Glück sprechen könne und relativ gut weggekommen sei. Richter Keller legte dem jungen Mann nahe, künftig die Finger von Betäubungsmitteln zu lassen. Das Urteil wurde angenommen und ist rechtskräftig.

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