Prozess
Wegen Tiermisshandlung verurteilt − zum zweiten Mal
Vorsätzliche Tiermisshandlung führte einen Bauern vor  das Haßfurter  Amtsgericht.
Vorsätzliche Tiermisshandlung führte einen Bauern vor das Haßfurter Amtsgericht.
Foto: Oliver Berg,dpa
F-Signet von Martin Schweiger Fränkischer Tag
Haßfurt – Am Haßfurter Amtsgericht muss sich ein Landwirt verantworten, weil einige seiner Rinder gestorben sind. Seine Erklärungen beeindruckten den Richter kaum.

Wegen vorsätzlicher Tiermisshandlung in zwei Fällen hat das Haßfurter Amtsgericht am Dienstag einen Landwirt aus dem nördlichen Landkreis zu einer Geldstrafe in Höhe von 2100 Euro verurteilt: 70 Tagessätzen zu 30 Euro. Einen weiteren Fall hatte das Gericht zuvor eingestellt.

Laut Anklage waren drei Rinder des Landwirts an eitriger Lungenentzündung, Bronchitis und Durchfall erkrankt.

Sie starben zum Teil stark abgemagert oder verdursteten und erlitten dabei erhebliche Schmerzen. Der Angeklagte wies auf der Anklagebank die Schuld zum Großteil von sich: Er habe die Tiere mehrmals täglich kontrolliert. Der Tierarzt sei bevor die Tiere starben 30 Mal im Stall gewesen.

Lesen Sie auch

 

Rind sei „total unauffällig“ gewesen

Den Durchfall eines Kalbs begründete er mit einer Futterumstellung. Bei einem weiteren habe sich der Nabel entzündet. Es habe keine Milch mehr zu sich genommen und sei verendet. Das dritte Rind sei „total unauffällig“ gewesen. Es habe plötzlich keine Fresslust mehr gehabt und musste eingeschläfert werden. Er habe weniger als zwei Prozent Tierverluste und habe die Probleme im Griff, beteuerte der Angeklagte.

Ein naiver Kauf von Tieren

Der behandelnde Tierarzt räumte ein, dass man die Tier auch früher hätte erlösen können. Dies sei ein altes Problem und ein Dilemma nach dem Motto: „Es könnte ja noch werden“. Der Angeklagte habe „blauäugig“ Tiere von einem „Lumpensammler“ eingekauft. Die Kälber seien erheblich vorgeschädigt und krank gewesen.

Gutachten sprechen „deutliche Sprache“

Dr. Markus Menn, Veterinär am Landratsamt, sagte, der Betrieb des Angeklagten sei schon seit Jahren auffällig. Im Jahr 2021 seien dort vier Tiere mit massiven Veränderungen gestorben. Dies belegten Tiergutachten von Tierärzten der Tierverwertung Bamberg, wo die toten Tiere vor ihrer Verbrennung begutachtet werden. Die Gutachten sprächen eine „deutliche Sprache“, so Menn.

Ein Kalb hatte eine massive eitrige Lungenentzündung. Wenn es nicht trank, hätte es getränkt werden müssen. Es sei nach zwei bis vier Tagen verdurstet. Grund sei ein Kieferbruch gewesen, der dem Angeklagten nicht aufgefallen war. Das Gericht stellte daher diesen Anklagepunkt ein.

Das zweite Kalb sei zwar viermal tierärztlich behandelt worden, sei aber 14 Tage bis einen Monat nicht ausreichend versorgt worden. Es wies Liegestellen an den Beinen auf sowie Parasitenbefall und war hochgradig abgemagert.

Akute Lungenentzündung

Das dritte Kalb sei drei Monate nicht behandelt worden. Es hatte eine akute Lungenentzündung mit einem schweren Verlauf und musste eingeschläfert werden. Der Angeklagte hätte „beim kleinsten Röchler“ den Tierarzt rufen müssen, meinte Menn.

Das eine Kalb war wund gelegen, weil es aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen konnte. Es litt an vielen Dingen. „Das Fass lief über“. Es hätte früher erlöst werden müssen.

Die Staatsanwältin forderte eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 30 Euro, also 3000 Euro. Der Verteidiger sah seinen Mandanten mit den vorgeschädigten Tieren überfordert und erachtete eine Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen als ausreichend.

Angeklagter ist kein Unbekannter

Richter Christoph Gillot bezeichnete das Urteil mit der Vorstrafe im Hintergrund als milde. Der Betrieb des Angeklagten zeige eine Tendenz zur Besserung. Der Angeklagte ist am Gericht kein Unbekannter: Erst im vergangenen Jahr war er wegen Tiermisshandlung in sieben Fällen zu einer Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro verurteilt worden.

Lesen Sie auch:

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: